Erfolg – was ist das eigentlich?

Ist es möglich, Personen und Projekten, die  im Musikbusiness durchstarten wollen, Tipps zu geben, die allgemein gültig sind? Gibt es sowohl für den Schlagersänger, den Dubstep-DJ, den selbstvermarktenden Independent-Künstler als auch für das angehende Major-Label Popsternchen oder den Musikverlags-Praktikanten Empfehlungen, die allen nutzen? Gibt es Anleitungen, die alle gleichermaßen befolgen sollten und können? Gibt es Fragen, die sich jeder stellen sollte? Diese Tipps gibt es durchaus – zumindest habe ich, Stefan Herwig, dies im Laufe meiner Karriere festgestellt. Ich arbeite seit 1993 in der Musikwirtschaft, zuerst als Musikjournalist, dann im Bereich Promotion bei einem Label, dann als Management, als A&R, als Tourmanager, als Lichtdesigner und zuletzt auch als Labelbesitzer.

WeCab gibt allgemein gültige Tipps, die Dich näher zum Erfolg bringen können! Foto/Bearbeitung: Esther Mai

Auf WeCAB wollen wir insbesondere die Aufgaben und die Funktionsweise von Musikwirtschaft vermitteln, aber auch die Vielschichtigkeit. Wir glauben, dass wir durch unsere Serie „Das Geheimnis Deines Erfolges“ beides machen können: sowohl Musikwirtschaft darstellen, als auch Praxistipps vermitteln. Wir wollen diese Episoden in loser Folge auf WeCab präsentieren. Fester Bestandteil sollen nicht nur Erklärungen von unserer Seite sein, sondern auch Interviews mit Künstlern und Branchenvertretern beinhalten, die uns und Euch das Geheimnis ihres Erfolgs verraten.

Teil 1: Erfolg? Welchen Erfolg meinst du?

Misst sich der Erfolg an kreischenden Fans? Foto: Esther Mai

Schon an der Definition von „Erfolg“ scheiden sich die Geister – vor allem im Musikbereich. Ob es durch die Nummer der Stellen auf dem eigenen Kontostand definiert wird, der Wagenmarke die man fährt,  der Anzahl der Groupies vor dem „Artist Backstage“ oder der künstlerischen Reputation, der Anzahl der Twitter-Follower oder doch der Anzahl der Grammys, Echos und MTV-Awards, liegt im Auge  des Betrachters.

Oder misst sich Erfolg am Gewinn von möglichst vielen Preisen, wie dem Grammy?

Wichtig ist jedoch, sich selbst über die eigenen Ziele im Klaren zu sein, oder zumindest halbwegs definierte Ziele zu haben. Peter Jenner, Management-Urgestein, sagte dazu mal auf einem Popkomm-Panel: „Es gibt immer die beiden Pole Kunst und Kommerz in jedem künstlerischen Schaffen und bei jeder Band. Wenn du als angehendes Management eine klare Antwort auf die Frage bekommst, was die Band eigentlich dauerhaft  will, weswegen sie Musik macht,  Kunst oder Kommerz, ist das ein gutes Zeichen, egal was die Antwort ist. Wenn Du jedoch keine klare Antwort auf diese Frage bekommst, dann ist das ein ständiger Quell für Probleme und Streit. Nicht nur innerhalb des Bandgefüges, sondern auch zwischen Band, Management und ihrem Label – weil es einfach keine verbindliche klare Zielvorgabe gibt.“ Peter Jenner hat viele Bands als Manager beraten, unter anderem Pink Floyd, T. Rex und Billy Bragg.

Jenner spricht aus Erfahrung und er skizziert etwas, das außen weithin unbekannt ist: Dass es in einer musikalischen Kollaboration immer wieder erneut um  Einzelentscheidungen geht, die getroffen werden müssen, idealerweise schnell und einstimmig. Spielen wir diese Show zu diesen Konditionen, soll das neue Album wirklich so klingen, fahren wir auf diesem oder jenem Marketing-Zug mit oder verweigern wir uns diesem?

Wenn sich Musikbands auflösen, wenn Drummer nach zwölf Jahren aus der erfolgreichen Metal-Kapelle aussteigen oder sich Management und Band voneinander trennen, so ist meistens häufig auch eine unklare und deutlich verschiedene generelle Zielsetzung der Beteiligten Auslöser für so einen Disput. Solange Musiker bei einem Bier zweimal die Woche entspannt im Übungskeller jammen treten solche internen Differenzen nicht auf. Erst wenn der Sänger sich überlegen muss, ein Urlaubssemester zu nehmen, um EVENTUELL die riskante US-Tour im Mai zu spielen – auch wenn ihm keiner garantieren kann, ob und mit wie viel Geld er nach Hause kommt – werden solche Zielsetzungen relevant. Wohl denen, die sich vorher auf ein gemeinsames Ziel geeinigt haben. Und auch darauf, wie weit sie dafür gehen wollen, welches persönliche Risiko sie eingehen wollen und wie viel  Zeit ihres Lebens dieses Projekt besetzen darf.

Trotz Zieldefinition sollten sich Künstler Raum für konstruktives Chaos bewahren

Das Problem erscheint zunächst nur für aktive Musiker  relevant, aber auch die Gründung eines kollaborativ-arbeitenden Labels, eines Musikverlages oder einer Konzertagentur erfordert solcherlei Erwägungen. Es gibt aber einen relevanten Unterschied zwischen den künstlerischen Units, also  den Musikprojekten und den Bands,und den Firmen die sich darum gruppieren: Während in einer Firma die  Arbeit weitgehend rationalisier werden kann, so  lebt künstlerische Faszination immer auch von dem Anteil Authentizität und Chaos, der das Unberechenbare im künstlerischen Schaffen ausmacht. Eine Band, die eine reine Zweckgemeinschaft ist, bei der die Schnittmenge der gemeinsamen musikalischen Vision bis nah auf den  Nullpunkt gesunken ist, merkt man das auch an.  Es ist im künstlerischen Bereich, meist der Anfang vom Ende. Während man also im rationalen geschäftlichen Bereich Prioritäten setzen muss, so sollte man im künstlerisch/kreativen Bereich immer auch Raum für Risiken, konstruktives Chaos und Überraschungen erlauben.  Diese schwierige Balance aus Kontrolle und Freiheit, aus Disziplin und Kreativität,  ist das, was viele erfolgreiche Künstler ausmacht. Aber es funktioniert nur, wenn alle Beteiligten an einem Projekt, nicht nur die Bandmitglieder, sondern auch Managements, Label, Verlage, Agenturen an einem Strang UND in dieselbe Richtung ziehen.  Und es ist der Prüfstein, an dem die Mehrzahl  der Karrieren auf halbem Wege zerbrechen.

Schon weit vor dem Ziel und vielleicht sogar noch vor dem Start sollten sich Musiker und Kollaborationen in der Musikwirtschaft überlegen, ob sie gemeinsame Ziele verfolgen.

Deswegen ist das Abklopfen der gemeinsamen Ziele essentiell für jede professionell ausgerichtete Zusammenarbeit im Musikbereich. , Alle beteiligten tun gut daran, diese strategischen Fronten zu klären, bevor sie sich auf eine langfristige Zusammenarbeit einrichten.  Und es ist der erste Schritt zu dem, was wirklich die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist: Ein funktionierendes Netzwerk.

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