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Viele Neuentdeckungen und wie ich sie gefunden habe (oder sie meine Aufmerksamkeit) …

Wir schreiben über Musik und alles, was damit zusammenhängt. Aber: wir arbeiten auch selbst als Verstärker, sind selbst ein Teil des Musikuniversums. Womit wir bei unserer Arbeit zu tun haben oder was wir hören, wenn wir mal nicht arbeiten, wollen wir Euch hier vorstellen.

Es ist kein einzelnes Album, keine Band und kein Künstler, die im Moment meine volle musikalische Aufmerksamkeit haben. Ich höre mich gerade quer durch verschiedene Playlisten und habe damit so gute Erfahrungen gemacht, dass ich diese teilen möchte. Ich habe meinen Musikgeschmack besser kennengelernt und bin völlig offen und frisch an neue Musik herangegangen, habe alte Schätzchen wieder ausgebuddelt und neue Perlen gefunden.

In letzter Zeit habe ich viel zu wenig Musik entdeckt, ist mir im Laufe der letzten Wochen aufgefallen. Klar, ich habe neue Platten gehört, aber oft kannte ich die Bands schon und konnte ungefähr einschätzen, was auf mich zukommt. Ich habe selten ausgetretene Pfade verlassen und mich auf Musik eingelassen, die erstmal fremd klingt – und vielleicht erst später vertraut wird.

Viele Überraschungen habe ich in den vorgefertigten Playlists entdecken können. Screenshot: Esther Mai

So wie Musiker vor einem Branchen-Event ihre Hausaufgaben machen sollen, habe ich vor ein paar Wochen angefangen, meine zu machen. Das erste Festival mit massig Management- und Labelpräsentationen steht vor der Tür und bis auf einige, wenige Namen sagten mir die Künstler gar nichts. Was ja nicht weiter schlimm ist – wir fahren ja hin, um zu entdecken. Dennoch wollte ich mir einen ersten Eindruck verschaffen, um nicht plötzlich in einem Konzert zu stehen, wo ich schon vorher hätte sagen können, dass es nichts für mich und nichts für die Firmen ist, die ich repräsentiere. Dafür ist die Zeit zu knapp – und die Künstler sind zu viele.

Also habe ich angefangen mir eine Playlist zu erstellen und bin am ersten Abend sage und schreibe bis zum Buchstaben B gekommen. Zwei Buchstaben lang habe ich nur wenig aussortiert und manche Alben, wie das des Färöers Benjamin und des Dänen Tomas Barford komplett durchgehört. Später habe ich dann auf vorsortierte Listen zurückgegriffen, sonst wäre ich wahrscheinlich noch immer nicht durchs Line-Up durch. Trotzdem bin ich immer wieder an einigen Künstlern hängen geblieben. Helsinki Poetry haben mich beispielsweise mit ihrem Konzeptalbum völlig überzeugt. Ihre Songs sind alle nach Städten benannt. Und auch, wenn die deutschen Städte alle schwermütig und düster klingen, macht das Album besonders beim Autofahren Spaß. , die in diesem Jahr auf der SXSW  große Erfolge feiern konnte, ist ebenfalls in meiner Playlist gelandet. Nicht zuletzt auch durch ihre Kollaboration mit Broke.

Und auch die Künstler, die inoffiziell in der Stadt sind, haben meine Aufmerksamkeit bekommen: The Foreign Resort sind demnächst in Deutschland auf Tour und ich hoffe, mir einen Vorgeschmack holen zu können. Außer Konkurrenz werden auch Kellermensch auftreten, die ich 2010 schon auf verschiedenen Festivals gesehen und für gut befunden hatte – aber irgendwie waren sie mir aus dem Blickfeld geraten. Wahrscheinlich, weil es nach ihrem Debüt verdammt ruhig um die Kombo aus Esbjerg geworden war.

Meine “To-See”-Liste ist nun fertig – und hält für mich viele Überraschungen bereit. Ich dachte eigentlich, dass ich in zwei Musikrichtungen fest verwurzelt sei: einmal ganz klar im Rock- bis Metalbereich – und gleichzeitig im Bereich der elektronischen Musik. Weil ich gerne tanze – und das bei Rock und Metal nie elegant und meistens sogar ziemlich affig aussieht. Da ich aber wirklich jedem Künstler, ohne vorher die Beschreibung zu lesen, eine Chance gegeben habe, sind plötzlich viele Singer- und Songwriter in meine Liste gerutscht. Zwischen den Pop und den HipHop. Und ich freue mich schon wie ein kleines Kind auf Weihnachten und kann kaum erwarten, die Stadt, die Spielstätten und die Konzerte zu erkunden. Wenn die Künstler, die ich rausgesucht habe, nur halb so gut sind wie auf Platte, werde ich von vielen eindrucksvollen Konzerten zu berichten haben.

Gleichzeitig habe ich angefangen, die Playlists von Roskilde zu studieren – nirgendwo sonst war der Unmut der Besucher über das Line-Up in diesem Jahr so laut zu hören, wie dort. Hätte ich mich auf die Facebook-Kommentare der anderen verlassen und wäre an den ersten Zeilen des Plakats hängen geblieben, hätte ich mein Hotelzimmer und meine Flüge storniert und hätte mich nach Glastonbury aufgemacht. Das Hotel habe ich behalten – nachdem ich mich mit der Playlist des Festivals auseinandergesetzt habe.

Eine Entdeckung ist ganz klar die Kopenhagener Psychedelic-Rockband The Woken Trees. Die jungen Musiker, die zusammen in Nord-Jütland aufgewachsen sind und nun zusammen in einer verlassenen Villa in Kopenhagen wohnen, haben vor wenigen Wochen ihr Debüt raus gebracht und spielen nun schon auf dem riesigen Festival. Ein klares Statement – sie sind gekommen um zu bleiben und gehören eben nicht zu der Welle der jungen, dänischen Psych-Rock-Bands, die gerade so hip, aber nächstes Jahr vergessen sind. Eng verbandelt sind mit ihnen The Blue Angel Lounge aus Hagen. Drei deutsche Bands haben es in diesem Jahr ins Line-Up geschafft – und die Band aus Nordrhein-Westfalen ist zwischen Kraftwerk und Kreator sowas wie der Underdog. Aber auch diese können sich manchmal zum Top-Act entwickeln, wie vor einigen Jahren beim Beatsteaks-Konzert in Roskilde zu sehen war. Sie zogen der Hauptbühne immer mehr Zuschauer ab, das Zelt platze nach fünf Songs aus allen Nähten, die Leute standen weit außen herum.

Gerade die kleinen Bands und unbekannten Namen waren es oft, die Roskilde für mich zu etwas ganz besonderem gemacht haben. Volbeat, die in diesem Jahr natürlich einer der Headliner sind, habe ich damals dort für mich entdeckt. Zu einer Zeit, als mich noch alle für bekloppt hielten, dass ich den Kram höre, weil die dänischen Lyrics ja nicht zu verstehen seien. Wenn man also mal genauer hinschaut, dann sind einige Namen auf dem Plakat, für die sich ein Besuch lohnt – nur sind sie nicht unbedingt in den ersten zehn Zeilen des Plakats versteckt. Marie Key räumt den dänischen Musikmarkt im Moment beispielsweise von hinten auf – ihre gerade laufende Tour ist komplett ausverkauft. Die größte Überraschung waren für mich persönlich jedoch Simian Mobile Disco – ihr Hit “Audacity of Huge” treibt mich schon lange  immer wieder auf die Tanzfläche. Jedoch hatte ich nie einen Titel oder Künstler zu dem Stück.

So kann ich mich also neben den bekannten Namen auch auf eine ganze Reihe kleiner Konzerte freuen. Und seien wir mal ehrlich: wie viele Konzerte schaut man sich auf einem Festival wie Roskilde tatsächlich komplett an? Wenn ich von 200 in vier Tagen 20 schaffe, dann war das sicherlich kein Spaziergang. Wenn ich rund 100 Namen hätte, die mir gefallen, dann würde das in puren Stress ausarten und ich würde mich wahrscheinlich ärgern, weil ich so viel verpasst habe. So bleibe ich lieber bei meinem 15 bis 20 Konzerten, die ich sehen und geniessen mag – und lasse mich den Rest des Tages überraschen. Sich von Bühne zu Bühne treiben zu lassen, ist eh das Schönste und birgt, wie die Playlist, so manche Überraschung.

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