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Kommentar zu “Don’t fuck with music”: Gute Idee, schlechte Ausführung

Musiker schließen sich zu einer Initiative zusammen, um sich gemeinsam für das Urheberrecht stark zu machen. Grundsätzlich eine großartige Idee – nur im Fall von „Don’t fuck with music“ meiner Meinung nach in der Ausführung nicht wirklich klug.

Durch diese Schautafel bin ich auf die Initiative aufmerksam geworden.

Aufmerksam geworden bin ich auf die Initiative aufgrund ihrer Facebook-Kampagne, die mit einer Schautafel erklärt, warum ein starkes Urheberrecht wichtig ist und warum illegal runtergeladene und getauschte Musiktitel der kompletten Branche schaden. Eine wirklich gelungene Kampagne – bis dahin. Ich grub tiefer und stieß auf einige Pressemitteilungen im Netz – und konnte plötzlich verstehen, warum auf der Facebook-Seite der Initiative bislang mehr, wenn auch unqualifizierte, negative Kommentare zu finden sind, als unterstützende.

Ziele und Kommunikation stimmen nicht überein

Denn: was die Initiative erreichen will und was sie nach außen kommuniziert sind augenscheinlich zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Sie möchte, dass Politiker sich für ein starkes Urheberrecht einsetzen und dass die Fans die Werke schätzen und mit Respekt behandeln – sprich: nichts tun, was den Urhebern schadet. Aber sie kommuniziert mit ihrer heutigen Protestaktion vor dem Reichstag: kriminalisiert Musikfans (auch wenn es absolut nicht so gemeint ist). Klar, dass da die Gemüter schnell erhitzen.

Meiner Meinung nach wäre es klüger gewesen, erst einmal mehr Aufklärung zum Thema Urheberrecht zu betreiben, anstatt mit einer umstrittenen Protest-Aktion zu starten, die von vielen, unbedarften Musiknutzern so aufgefasst wird, als wollte man ihnen das Geld aus der Tasche ziehen. Das Thema „Abmahnungen“ ist nicht unumstritten, das neue Gesetz soll ihrer Meinung nach die schützen, die zu Unrecht angegangen werden – und es für „schwarze Schafe“ unattraktiver machen, mit Abmahnwellen den großen Reibach zu machen. Und mal ehrlich – jeder hat schon mal die herzerweichende Geschichte von der abgemahnten Oma gelesen, die noch nicht einmal einen Internetanschluss besitzt und nun abertausende Euro zahlen soll.

Das ist zumindest die öffentliche Sicht auf die Diskussion. Dass man sich keine Freunde macht, wenn man gegen ein Gesetz antritt, dass aus Volkssicht etwas Gutes bedeutet, ist logisch. Und dass man sich dadurch eher Feinde und keine Verbündeten schafft, ebenso. Und genau da sollten die Musiker eigentlich ansetzen: die Fans aufklären und sie im Kampf für ein gerechtes Urheberrecht zu Partnern machen.

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7 Comments »

  • Anselm sagt:

    Ich teile ja ein grundsätzliches Unbehagen beim Thema Abmahnung. Natürlich macht man sich keine Freunde, wenn man das Abmahnwesen verteidigt. Aber dass eine Kampagne, die die Abmahnung als Notlösung der Rechtsdurchsetzung grundsätzlich (bei aller berechtigter Kritik an möglicher Abzocke) funktionsfähig halten möchte gleich signalisieren soll “kriminalisiert Musikfans”, halte ich für schwarz-weiß gedacht und letztlich überzogen. Warum? Weil das stillschweigend voraussetzt, dass im Grunde jeder Musikfan in illegale Aktivitäten verstrickt ist und eine Abmahnung riskiert. Das ist aber nicht so. Ein Musikfan ist für mich jemand, der gern Musik hört, das breite mediale Angebot (von Radio bis Streaming) nutzt, Konzerte besucht, CDs oder mp3s kauft, vielleicht ein Spotify-Abo hat und natürlich Youtube und andere (in sich problematische, für den Streamer aber gefahrlose) Dienste benutzt. Selbst wenn man die Streitwerte noch weiter in die Höhe treiben würde (was ich nicht will), würde so jemand nicht kriminalisiert. Zieht man noch den Aspekt hinzu, dass vereinzelt Abmahnungen zu Unrecht (aufgrund falsch zugeteilter IP-Adressen) verschickt werden, lässt sich daraus nicht schließen, dass “Musikfans” kriminalisiert werden. Dann nämlich wären es schlichtweg alle Internetnutzer, die kriminalisiert werden. Viele Musikfans, die ich kenne, haben eine diffuse Angst vor Abmahnungen, obwohl sie völlig legal handeln und keiner Gefahr aufgrund ihres Umgangs mit Musik ausgesetzt sind. Sie wissen nur leider manchmal nicht genau, wo die Grenzen zum unerlaubten Handeln sind. Das ist in der Tat ein Problem. Deshalb ist es richtig, dass man mit einer Kampagne zu diesem Thema vor allem Aufklärung betreiben sollte. Aber das sollte dann auch für einen Artikel gelten, der eine Kampagne kritisiert. Was hier für den wenig medienkompetenten Leser übrig bleibt, ist: Durch Abmahnungen werden Musikfans kriminalisiert. Schon wieder fühlen sich auch die angesprochen, die überhaupt nicht in der Schusslinie sind. Das ist schade, denn es verstärkt diffuse und sachlich nicht fundierte Abneigung gegen das Urheberrecht und seine gegenwärtige Durchsetzung. In der Schusslinie sind tatsächlich vor allem die Nutzer von Tauschbörsen. Die aber wissen überwiegend sogar, dass sie unerlaubte Handlungen vornehmen und geben keineswegs den Prototyp von heutigen “Musikfans” ab. Dennoch: Es sind auch meiner Meinung nach längerfristig bessere Lösungen gefragt, die – anders als im gegenwärtigen Vorstoß des Justizministeriums – das Abmahnwesen nicht symptomatisch bekämpfen, sondern die Betreiber massenhaft illegal genutzter Plattformen mehr in die Verantwortung nehmen. Denn sie erwirtschaften – teilweise im schützenden Schatten zweifelhafter Privilegien – Profite auf Basis der kreativen Arbeit von Musikern UND faktisch geschütztem unrechtmäßigem Handeln einiger Nutzer jenseits jeder Abmahn-Gefahr. Auf einige mit diesem Aspekt verbundenen Punkte weist die Kampagne “Don’t fuck…” bereits hin. Hoffentlich baut sie diesen Ansatz aus und konzentriert sich nicht auf das Abmahnwesen. Hier auf diesem Portal gibt es ja auch diverse Artikel, die das beleuchten.

  • Esther Mai sagt:

    Hallo Anselm,

    grundsätzlich gebe ich Dir Recht, nur vermischt Du zwei Punkte. Ich stelle nicht meine Sicht dar, sondern wie die Kampagne auf viele Menschen wirkt. Und zwar auf Außenstehende, die nichts mit dem Musikbusiness zu tun haben.

    Es geht in dem Artikel, der mit “Kommentar” versehen ist, nicht um die Aufklärung der Faktenlage und darum dem Leser zu erklären, wie es nun wirklich aussieht – dafür haben wir, worauf Du zurecht hinweist, genug Artikel, die es erklären.
    Vielmehr erkläre ich, was meiner Meinung nach bei der Kampagne schief läuft. Nämlich, dass sie sich für etwas Gutes einsetzt – nur dieses eben nicht vernünftig kommuniziert. Nicht mehr, nicht weniger!

  • Anselm sagt:

    Verstehe ich. Wie es von vielen Menschen gesehen wird, bleibt aber ein Stück weit Spekulation. Negativ-Kommentare auf so einer Facebook-Seite sind kaum repräsentativ, und es würde an ein Wunder grenzen, wenn irgend eine das Urheberrecht (sei es noch so klug) unterstützende Seite nicht voll von Negativ-Kommentaren wäre. Selbst reine sachliche Aufklärung wird meiner Erfahrung nach auf entsprechenden Facebook-Seiten mit stereotypen Anti-Kommentaren versehen. Ich gehe ungeachtet dessen davon aus, dass zumindest die Merheit der Außenstehenden im realen Leben durch die Aktion höchstens kommuniziert sieht: Kriminalisiert Tauschbörsennutzer. Nicht: Kriminalisiert Musikfans. Sollte es anders sein, was ich natürlich nicht ausschließen kann: Das wäre wirklich dramatisch.

  • Esther Mai sagt:

    Ich habe viel mit der “Basis”, den Musiknutzern zu tun. Und es ist leider keine Spekulation – und somit dramatisch.
    Sie sehen die Deckelungen der Abmahnungen als etwas sehr Positives an und sehen nur, dass die Initiative das verhindern will. Und regen sich furchtbar darüber auf. Natürlich nicht alle, aber der Tenor geht genau in diese Richtung. Und nicht nur auf Facebook – ich diskutiere seit Tagen kaum ein anderes Thema so intensiv, wie dieses und artverwandte Kommunikationspannen.

  • Anselm sagt:

    Sind denn diese Nutzer überwiegend auch illegal Handelnde? Oder machen sie sich unbegründet Sorgen?

  • Esther Mai sagt:

    Naja, es geht ja nicht nur um Musik – und wenn Du plötzlich wegen eines Films abgemahnt wirst und nachweisen kannst, dass Du noch nicht einmal im Land warst, “als die Tat passierte”, dann weiß ich nicht, ob Sorgen unbegründet sind.
    Ich denke nicht, dass ich in meinem Umfeld illegal handelnde Menschen habe, dafür haben die meisten, da sie ebenfalls Musiker in ihrem Umfeld haben, zu viel Respekt vor der Arbeit der Künstler.

  • Anselm sagt:

    Das meinte ich. Unter solchen Umständen werden die Leute sich nicht als Musikfans kriminalisiert sehen, sondern als Internetnutzer. Kann schließlich jedem passieren. Ich allerdings kenne niemanden, dem soetwas schon passiert ist.

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