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Storytelling, Branding, die Wertschöpfungskette von Live-Musik – und eine lila Kuh

Von Martin Blom Hansen, Journalist

Auf einer Branchenkonferenz von DanskLive erklärte Keynote-Speaker Jim McCarthy, dass sich nicht nur Bands, sondern auch Venues und Festivals sich mit der Hilfe von „Storytelling“ interessanter machen sollen. Das Meeting von DanskLive, dem Zusammenschluss von Veranstaltern und Venues, richtete sein Augenmerk auf Branding, die Wertschöpfungskette, die Balance des Marktpreises und eine lila Kuh. Journalist Martin Blom Hansen besuchte für WeCab die Konferenz in der Nähe von Kopenhagen.

Keynote-Speaker Jim McCarthy sprach unter anderem über die Wertschöpfungskette von Live-Events. Foto: Thomas Vilhelm

Kurz nach dem Start des Konferenzprogramms machte Moderator und Journalist Michael Pass gleich eine etwas unangenehme Ankündigung: „Das Wasser ist weg.“ Ein Hauptrohr im kommunalen Wasser-System in Hillerød war geplatzt, was bedeutete, dass es in den nächsten Stunden kein Wasser für die Toilettenspülungen und aus den Wasserhähnen geben würde. Eine wirklich kritische Nachricht für die 250 Kaffee, Wasser und Bier trinkende Mitarbeiter der Musikindustrie, die sich in der Klavierfabrik in Hillerød zur Konferenz von Dansk Live eingefunden hatten.

Nach wenigen Stunden war das Wasser wieder da, die Krise nur von kurzer Dauer und die Teilnehmer konnten sich wieder auf das eigentliche Thema konzentrieren: Live-Konzerte.

Erlöse aus Live-Konzerten sind für die meisten Musiker die wichtigste Einnahme-Quelle

Für die meisten Musiker sind die Erlöse aus Live-Konzerten die wichtigste Einnahmequelle.  Und auch für die gesamte Branche sind es die Live-Konzerte, die für den größten Umsatz sorgen.  Laut der „Dansk Musikstatistik“, der dänischen Musikstatistik, die im Jahr 2012 von der Firma Rambøll herausgegeben wurde, lag der Umsatz in 2011 in Dänemark bei 3 Billionen Kronen, das sind 400 Millionen Euro. Im Vergleich dazu:  Der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) Jahresbericht weist einen Gesamtumsatz von 408 Millionen Kronen (54,4 Millionen Euro) für den Tonträgermarkt in Dänemark aus.

Der Festivalmarkt war auf einem zu hohen Niveau unterwegs

Es steht also eine Menge Geld auf dem Spiel für die Live-Branche. Da DanskLive eine Organisation sowohl für Festivals als auch Venues ist wurde auf der Konferenz auch über die Festival-Gagen gesprochen. „ Der Markt war auf einem zu hohen Niveau unterwegs. In der dänischen Industrie gab es einige Künstler, die einen zu hohen Preis verlangten. Wir haben bei der Hälfte unserer Künstler in diesem Jahr die Gagen um 30 bis 40 Prozent nach unten angepasst“, sagt Brian Nielsen von der Booking und Management-Agentur Scandinavian.  Und Ulrik Ørum-Petersen vom Volcano-Management ergänzte: „Viele Bands, die auf einem Festival auftreten, machen nicht unbedingt Gewinn. Oftmals ist ein Festivalgig eine Investition. Und dann sind da noch die Bands, die eine ganze Menge Geld verdienen. Aber das ist der Markt, der das reguliert.“

Eine der Bands, die bei Festivals gut verdienen, ist Nephew. Kristian Riis, Gitarrist bei Nephew und Mitgründer von Volcano, hat am Künstler- Panel der Konferenz teilgenommen. Es ist eigentlich nicht ungewöhnlich, dass die Bands, die nicht schlecht verdienen, eher nichts zu ihren Einnahmen sagen. Aber Kristian Riis hatte noch nie ein Problem damit, offen über dieses Thema zu reden. Jedoch war er noch nicht anwesend, als die Frage nach Nephews Millionen-Gagen auf den Tisch kam. Später konnte er dann die Antwort nachliefern. „Wir sind oft der Headliner auf den Plakaten und wir investieren eine Menge Geld in die Produktion.  Ferner bekommen eine Menge ausländischer Bands mehr als wir, obwohl wir mehr ziehen. Das ist im Grunde nur eine Frage von Angebot und Nachfrage. Ich bin auch Geschäftsmann und ich schäme mich nicht Geld zu verdienen“, sagt Kristian Riis.

Beim Künstler-Panel wurde unter anderem über Festivalgagen und den Gewinn aus Festivals für den Künstler diskutiert. Foto: Thomas Vilhelm

Im selben Panel war auch Lucy Love dabei. Sie erzählte, dass sie große Produktionen liebt. Aber selbst wenn sie Tartan-Stoffe für ihren und den Bühnendress ihrer Tänzer verwendet und nur billige Leuchtstoffröhren für die Lichtshow kauft, sind die Produktionskosten und die Honorare für die Mitwirkenden so hoch, dass sie nach einem großen Konzert mit einem Verlust heimgeht.

In der Welt des Jazzgitarristen Mikkel Ploug gibt es keine Lichtshows und Tänzer. Er tourt regelmäßig durch ganz Europa und sagt selbst, dass er ganz gut auskommt. Ploug ist ein „Do-it-yourself“ Musiker, der die ganze Arbeit um die Musik herum selbst macht, so wie es für einen Jazzmusiker eben funktioniert. Er zieht kleine Venues den Großen vor. „Ein Jazzkonzert ist am besten, wenn es in einem kleinen Raum mit 150 Zuschauern stattfindet. Die gute Atmosphäre in einer kleinen Venue ist einfach der perfekte Rahmen für unsere Ästhetik“, erklärte er.

Storytelling ist wichtig – aber viele Künstler haben noch nicht einmal eine ordentliche Pressemappe

Ein immer wiederkehrendes Thema im Laufe des Tages war das “Storytelling”. Bei der großen Menge der Veröffentlichungen und der großen Anzahl von Bands und Künstlern, die um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit – und die um die Aufmerksamkeit von Festivals und Venues – kämpften, sei es heute wichtiger denn je, dass die Künstler eine Geschichte haben, die sie interessant macht. Jedes einzelne Konzert müsse den Zuschauern eine einzigartige Geschichte erzählen. Im Gegensatz dazu konnten viele Mitarbeiter der Venues berichten, dass es immer noch Bands gäbe, die noch nicht einmal eine ordentliche Pressemappe hätten.

Zu dem Thema war Jim McCarthy vom amerikanischen Ticket-Service Goldstar als Gast-Redner eingeladen. Er sprach über die Wertschöpfungskette des Live-Sektors und unterstrich unter anderem, dass auch Venues und Festivals sich des Storytellings bedienen sollten. Auch sie befänden sich im kundenorientierten Service und es sei wichtig, den Kunden eine gute Geschichte über sich selbst anzubieten. Um klar zumachen, was er damit meint, benutzte er folgendes Bild: „Du fährst an Feldern vorbei und siehst eine braune Kuh nach der anderen. Bald wirst Du sie nicht mehr bemerken. Plötzlich siehst Du dann aber eine lila Kuh. Und diese Kuh wirst Du bemerken.“ Sein Punkt: Ein Festival oder eine Spielstätte müsse eine lila Kuh sein.

Festivals und Venues müssen eine lila Kuh sein, sagt Jim McCarthy. Bild: DanskLive

Im Rahmen der Gespräche über die Wertschöpfungskette, richtete McCatrthy den Fokus darauf, wie das Musikbusiness gesund bleiben kann. Seiner Meinung nach ist es besonders wichtig, jeden Teil der Wertschöpfungskette, zu der unter anderem der Künstler, das Management, der der Promoter und die Venue gehören, kontinuierlich weiterzuentwickeln. “Falls du deinen Teil schützt und sicherst und ein anderer Teil zu groß und stark wird, dann wird das die Balance der Wertschöpfungskette zerstören.” Und das wiederum kann das komplette Musikbusiness zerstören und die Industrie als Geisterstadt zurücklassen.

Eine starke Fan-Base ist das A und O für einen Künstler 

Für den Künstler sei es in einer Welt der Social-Media- und digitalen Plattformen besonders wichtig, eine Gruppe Unterstützer zu generieren, sagte McCarthy. Mit anderen Worten: eine starke Fanbase. Man müsse diese unterstützende und verlässliche Gruppe um sich haben, die, wie das Publikum vor der Bühne, immer die Hände oben hat, die dich hochhält und dich immer wieder aufrichtet. Und die dich fängt, wenn dir mal urpötzlich nach Stagediving ist. Das Bild der Menschen, die den Künstler lieben – das gehört für Jim McCarthy zum wichtigsten Teil des Storytelling beim Künstler. Aber genau diese Fangruppe ist ebenso wichtig für eine Venue oder ein Festival. Auch hier müsse eine starke Marke entwickelt werden. Die einzelne Geschichte eines Künstlers oder einer Band sei nicht genug, um seinen Part der Wertschöpfungskette zu sichern.

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