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Update: Sven Regener zum Urheberrecht: “Wir surfen auf einem Strom der Liebe”- nun mit Audio-Datei

Sven Regener hat sich nach seiner Wutrede im März vergangenen Jahres zum ersten Mal wieder zu dem kontroversen Thema Piraterie geäußert.  Im Gespräch mit FluxFM-Moderator Johnny Haeusler erklärte er einen Teil seiner Wutrede und kritsierte erneut die Netzpiraterie. Danke eines Leserhinweises haben wir nun auch eine Audio-Datei der letzten 20 Minuten des Interviews für Euch.

Doch gehen wir zunächst ein Jahr zurück: in fünf Minuten rechnete Sven Regener damals in einem furiosen Rant mit der Piratenpartei, der Kostenlos-Kultur im Netz, dem Umgang mit Musikschaffenden und Youtube ab. Sein Wutausbruch im Bayerischen Rundfunk befeuerte die Debatte um Piraterie, Urheberrecht und Verdienstmöglichkeiten im Internet neu – und brachte ihm gleichzeitig Dutzende neue Feinde in der Blogosphäre. Schnell stand Regener im ungewohnt hellen Rampenlicht der Urheberrechtsdebatte, konnte sich vor Interviewanfragen kaum retten – und zog sich urplötzlich aus der Diskussion heraus: Er habe alles gesagt, was er hatte sagen wollen.

Regener


Der spröde Glanz eines Nordlichts, das große Wahrheiten gelassen ausspricht: Sven Regener  (Foto: Charlotte Goltermann)

In einem Interview mit dem Radiosender FluxFm am vergangenen Wochenende griff Moderator und Alphablogger Johnny Haeusler in den letzten Minuten eines zweistündigen Gesprächs das kontroverse Thema noch einmal auf – und hatte Glück: Sven Regener sprach offen über seine Wutrede, stellte einige seiner Thesen klar. Er erklärte, warum sich nur so wenig Musiker zu der Debatte äußerten – und traf mit seiner rotzig-intelligenten Attitüde ins Schwarze. Regener erwies sich in seinem Interview als perfekte Kombination aus Intelligenz und norddeutscher Authentizität, der sowohl über sein aktuelles Filmprojekt “Haialarm am Müggelsee” reden kann, als auch über die Poesie deutscher Sprache oder seine Wurzeln, die eigentlich im Punk liegen. Die wichtigsten Punkte aus dem Gespräch wollen wir Euch nicht vorenthalten: So fragte ihn Haeusler, ob Musiker vielleicht Angst hätten ihre Positionen zu vertreten. Sven Regener:

Ja, klar. Und oft zurecht. Wir als Künstler wollen dem Publikum ja gefallen. (…) Man darf den Künstler als Politiker nicht überschätzen. (…) In der Politik ist der Künstler an sich eher Populist, weil er es gewohnt ist auf Beifall zu gehen. Das liegt in der Natur der Sache. Wir wollen Beifall. Und es ist ein völlig blöder und uncooler Standpunkt zu sagen: Hey Leute, ich will auch mein Geld verdienen. Das hat wenig Glam. Das zu sagen  ist okay, aber unglamourös. Und wir wollen natürlich shiny und toll dastehen. Und wir wollen nicht die Typen sein, die davon reden, wie sie ihre Steuererklärung ausfüllen. Jeder weiß, dass das selbst Ozzy Osbourne machen muss oder seine Büchsenspanner. Aber wir wollen darüber nicht nachdenken, wir wollen das nicht wissen. Und darum sind in so einer Debatte gerade Künstler unterrepräsentiert.“

In einem Seminar an der Popakademie Mannheim arbeiteten die Teilnehmer zusammen mit WeCab am vergangenen Wochendende jedoch heraus, dass sie sich wünschen würden, dass gerade die Künstler, um deren Rechte es ja geht, häufiger als Sprachrohr fungieren sollten. Denn niemandem sonst würde mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden – und schließlich geht es ja um ihre eigene Sache.

Dem setzt Regener jedoch entgegen, dass ausgerechnet den Künstlern vorgeworfen werde, dass sie sich für ihre Rechte einsetzen. Oft mit dem Argument, dass sie sich nur dann politisch engagieren, wenn es um ihr Geld ginge.

„Ja, aber wann denn sonst? Ich meine, man wirft ja einem Metallarbeiter nicht vor, dass er in der IG Metall ist und dass er da einen entsprechenden Standpunkt hat, obwohl es natürlich um sein Wohlergehen geht.“

hai-alarm-am-mueggelsee_

Sven Regener ist nicht nur Sänger bei Element of Crime und Buchautor, sondern macht auch mal den einen oder anderen skurrilen Independent-Film: Hai-Alarm am Müggelsee.

Auch stellte Sven Regener klar, was er eigentlich damit meinte, als er im vergangenen Jahr beim Barischen Rundfunk sagte, „man pinkelt uns ins Gesicht“:

„Das war ein wenig verrutscht. Eigentlich wollte ich sagen, da sind Leute, da liegt man am Boden, die pissen auf einen drauf und sagen, guck mal, es regnet.(….) Der Witz ist ja, das sind dieselben asozialen Freaks, die sagen „es muss alles umsonst sein“ und dann sagen „ja, tut mir ja leid, dann musst du dir jetzt halt was überlegen, wie du jetzt dein Geschäftsmodell aufbaust“.

Jeder sei im Internet für sein eigenes Handeln verantwortlich und niemand müsse sich den vermeintlichen Regeln des Internets anpassen.

„Leute erzählt mir nicht, ihr könntet nicht anders. Ihr müsst euch selber überlegen, wie ihr drauf seid und müsst dafür auch gerade stehen. Und ihr könnt nicht sagen, dass muss ich jetzt so machen, weil das Internet mir das befiehlt.“

Musikhörer, die alles umsonst aus dem Netz ziehen sollten sich demnach bewusst machen, dass sie vor allem auf Kosten Anderer handeln:

„Das geht alles nur, weil es andere Leute gibt, die dafür bezahlen.“

Jedoch seien im Internet nicht nur Schnorrer unterwegs, die alles möglichst umsonst haben wollen, sondern auch Menschen, die das Werk der Urheber noch zu schätzen wüssten. Sie würden bezahlen, weil sie den Künstler toll fänden und weil sie eben wüssten, dass man zahlen muss, wenn man etwas haben möchte. „Ich bezahle euch dafür, weil es eine gesellschaftliche Vereinbarung ist, die finde ich richtig.“

Als Johnny Haeusler fragt, ob sich nicht schon alles durch die Streamingdienste verbessert habe, die wenigstens einen legalen Service anbieten, stellt Regener klar, wie er zu diesem Thema steht: „Streamingdienste, wenn es nur das wäre, dann sind wir am Ende. Da könnte jeder Labelchef Dir Bände erzählen, für wie viele Streams sie da welche Summen bekommen. Das ist gar nichts.“ Die Soundqualität der gestreamten Stücke sei schlecht, besser seien audiophile Musikfans mit einer richtigen CD, oder mit den weniger stark  komprimierten Tracks bei iTunes bedient.

“Wir sollten uns eines klar machen: Wir surfen auch auf einem Strom der Liebe. Es gibt nicht nur diese Trolle und Semi-Trolle die sagen “Das müssen wir jetzt alles umsonst haben, dafür zahle ich doch nicht mehr!” (…) Nein, das geht alles nur, weil es wahnsinnig viele Leute gibt die sagen: “Nein, das mache ich nicht, ich zahle dafür, weil das eine gesellschaftliche Vereinbahrung ist, die finde ich richtig.” Das ist auch so ein kantsches Ding.”

Ich gebe zu: Ich bin hier nicht ganz unparteiisch, aber wir müssen für Regeners gelungene Statements erneut applaudieren – mit Standing Ovations. Es ist sehr schade, dass sich Regener hier nicht öfter im Sinne der Vermittlung von Bedürfnissen von Musikern und Kultur äußert. Denn diese Kombination aus authentischer Nordlicht-Schnoddrigkeit und einer ebenso scharfsinnigen Gesellschaftsanalyse mit Bezügen zu Kant, Jaron Lanier und Kritik am “alles-sofort-und-umsonst” Zeitgeist kommt nur alle Jubeljahre einmal. Chapeu!  Oder besser: Volltreffer auf die Zwölf. Knorke, Sven!

Das gesamte Interview gibt es auf Flux.Fm als Download, und zwar hier.

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18 Comments »

  • Copy Troll sagt:

    Ich habe doch schon gezahlt, und zwar die Gema Abgaben auf Rohlinge, festplatten, Drucker, Speichermedien, Mp3 Player, Smartphones usw.

    Also, ich hab mit dem kauf meines PCs ja schon die Kopierabgaben bezahlt, also darf ich auch kopieren wie ich will. Wäre ja wohl pervers Kopierabgaben an die Verwertungsgesellschaften zu blechen wenn das freie kopieren dann nicht legitim wäre.

    D.h solange ich Zwangsabgaben zu leisten habe habe ich da keine moralischen bedenken der Urheberrecht zu verletzen, ich wurde ja schließlich gezwungen im vorraus schon dafür zu zahlen.

    • @ Copytroll: Die Abgabe für die Rohlinge uund Festplatten bezahlst du nicht für Piraterie, sondern für die legale Privatkopie, also für die zahlenmässig begrenzte Kopie von legalen erworbenen Originalen im Familien- und Freundeskreis. Das was Regener anspricht ist dagegen die Selbstbedienungsmentalität in irgendwelchen Torrent-Börsen, P2P Netzwerken oder Sharehostern. Das hat nichts mehr mit der “Privatkopie” zu tun, die da durch die Abgaben mit lizenziert wird. Ausserdem sind die Abgaben dermassen limitiert, dass sie nur einen Zusatzbeitrag darstelken können, von dem könnenKkreative alleine nicht leben, oder er müsste wohl um den Faktor 50 höher sein. Meines Wissens nach sind zum Beispiel auf einem USB-Stick aktuell 0,08€ Abgabne drauf, und zwar unabhängig von der Größe cdes Sticks. Davon kann niemand leben. Hinzu kommt noch, dass viele Hersteller die Zahlung dieser Abgaben taktisch aussetzen, und Verwertungsgesellschaften wie die GVL teilweise Jahrelang auf dieses Geld warten dürfen.

      Insofenr kann die Leermedienabgabe nicht als Entschuldigung oder Rechtfertigung für Piraterie herhalten. Sorry.

      @too much coffee: In welchen Videos geben Deichkind denn die GEMA-Basher? Das ist mir unbekannt. Bisher sagten sie nur sinngemäss: GEMA & YouTube, werdet euch mal einig. Euer Streit nervt. Das war wohl gleichermassen an beide PArteien gerichtet. Siehe auch unseren Beitrag hier.

  • too much coffee man sagt:

    nicht nur das viele künstler sich nicht trauen, oder sich gar schämen, auf ihre rechte zu pochen.

    es gibt obendrein noch asoziale wie z.b. deichkind:
    selber großverdiener bei der gema – aber in ihren videos die coolen gema-basher geben.

    ekelhaft.

  • Verfolger des Themas sagt:

    Alles in Allem muss der Verbraucher glaube ich erst lernen, dass er sich ins eigene Fleisch schneidet.

    Momentan sind wir noch in einer Phase des allgemeinen Moserns.

    Lassen wirs doch einfach passieren:
    Labels gehen pleite, Musik, zumindest halbwegs anständig produzierte, verschwindet vom Markt. Und dann geht das große Geheule los: Warum kommt nichts mehr Gescheites nach, warum kosten Konzerte so unsäglich viel Geld, warum wird überall in der Musikbranche nur noch B-Ware (nicht nur in der Musik-Produktion, sondern auch in Sachen, Design, Marketing usw.)?

    Genau das ist doch die Abwärts-Spirale, die Folge von all dem, was sich zur Zeit abspielt.

    Wir schwimmen auf einem Strom der Liebe? Na dann hoffen wir doch mal, dass die rosarote Brille nicht allzu schnell hinfortgerissen wird ;)…

    Kurz nochmal zu oben Gesagtem: Natürlich sollte man das nicht passieren lassen, alleine schon zum Wohle der Kreativen nicht. Es wird sich strukturell vieles Verändern, das ist m.E. mehr als klar.

    Für mich steht nur fest: Wer für die Alben nichts zahlt, darf sich über die steigenden Konzert und Festival-Preise bei immer schwächerer Musik (weil billiger produziert, das Geld ist ja nicht da) nicht ärgern.

    ;)

  • @Stefan Herwig

    Ich sehe in sharehostern kein Problem, die sollen einfach 10 Euro/monat pro verkauftem Pro Account an die Verwertungsgesellschaften abführen. Somit wäre der Tausch legalisiert und die Urheber würden sogar noch mitverdienen wenn getauscht wird.

    P2P könnte man auch legalisieren, nutzer können X* Euro/Monat zahlen und die IP Adresse wird dann in einer zentralen Datenbank freigeschaltet und kann nicht mehr abemahnt werden. So hätten alle was davon. Filesharer könnten ohne Angst Daten tauschen und die Urheber würden ihren Anteil bekommen.

    Durch eine kostenpflichtige Legalisierung könnte man also beiden Seiten entgegen kommen. Wäre zumindest einfacher als den tausch zu bekämpfen, was kaum mehr möglich ist da ja immer besser verschlüsselt wird usw.

    X* Preis pro Monat wäre verhandlungssache, ich persönlich wäre gerne bereit freiwillig 10-20$ zu zahlen um mit reinem gewissen weiterhin daten zu tauschen.

    • @Piratenparteiler:

      Von Kundenseite ist das eine schöne idee. Ähnlich wie die idee mit dem Freien Prsonennahverkehr für – sagen wir mal – 5€ im Monat.
      Oder eine Bahncard 100 für 50€ im Monat. Tolle Sache für den kunden. Da wäre ich auch sofort dabei – als Kunde! aber ob der Lieferant dafür die ganzen Wahrne unter vernpnftigen Bedingungen gegenbfinanzieren kann, ob die Musiker davon noch fsaitr leben könnten, das ist bei weitem nicht gesagt.

      bereits jetzt ist jedes Kulturgut, dass per Kopie (oder per Eintritt)bezahlt wird schon eine Risikoinvestition. Kann sehr gut sein, das man damit die produktiuon der Güter vonheute auf Morgen um die Hälfte verkürzt, und die Hälfte aller Kreativwirtschafts-Arbeiter aufs Arbeitsamt schickt.

      Ist die idee dann immer noch so gut?

      Gruß,

      Stefan

  • tom krueger sagt:

    @copytrottell: Informiere Dich erst einmal.
    Wem kommen denn die ganzen Rohlinge-Abgaben etc. zugute? Davon sieht der Durchschnittskünstler so gut wie nichts.
    Diese Gelder werden ja nicht pro kopiertes Stück abgerechnet, das geht alles in einen grossen Topf bei der GEMA der ganz nach kapitalistischen Grundsätzen in erster Linie an die wenigen bestverdienenden Mitglieder ausgeschüttet wird.
    Die anderen dürfen zuschauen.
    Im Übrigen wären diese Summen viel zu gering um den Gegenwert der kreativen Leistung darzustellen. siehe oben.

    • @ Tom Krueger: Ja das kann man zumindest teilweise so stehen lasssen, aber die meisten einnahmen aus der Leermedienabgae gehen eigentlich an die GVL, nicht an die GEMA. Die GVL bedient die LEistungsschutzberechtigten, also die spielenden Musiker und Sänger, sowie die Tonträgerproduzenten, nicht die Komponisten und Textdichter.

      Bei den Verteilungen lässt sich die gerechtigkeit sicher noch optimieren, wichtiger is abere der Punkt des Tropfens auf dem heissen Stein….. Aber da sind wir uns ja einig.

      Gruß,

      SH

  • Piraten sind auf Grundschulniveau.

    Grundschülern muss man lang und breit erklären, wieso Worte wie “Demut”, “Liebe” oder “Angst” groß geschrieben werden. Für die sind das einfach keine Nomen, denn man kann sie ja nicht sehen oder anfassen.

    Und Musik ist ja auch nicht ein Auto – wenn das einer mitnimmt, dem es nicht gehört, ist das Diebstahl, denn es ist ja weg für den ursprünglichen Besitzer.

    Nicht so bei Musik: die kann man endlos kopieren. Denn Musik sind ja die Nullen und Einsen im elektronischen Hirn, nicht die Arbeit, die sich der Autor oder Musiker gemacht hat. Also ist es ja auch kein Diebstahl, wenn man diese Musik kopiert, denn die Nullen und Einsen sind ja immer noch da…

    Und genauso verhält es sich mit Dummheit: die kopiert sich sogar ganz von selbst von einem Piraten auf den nächsten.

  • Kurt Schwitters sagt:

    Der nächste der behauptet, ohne Bezahlung gäbe es keine künstlerisch wertvollen Werke mehr, möge bitte nochmals nachdenken: ich sehe in den sozialen Netzwerken und in meinem Umfeld täglich mehr Kreativität als Sven Regener in seinem ganzen Lebenswerk aufbringen wird.
    (“Haialarm am Müggelsee” steht für mich für alles was falsch läuft im deutschen Film.)

    Die Hetze gegen Streamingangebote ist auch nicht zu Ende gedacht: wenn alle ach so bösen Internetnutzer Streams statt illegaler Angebote nutzen würden, würden auch die Zahlen steigen, von möglichen Mehreinnahmen durch attraktivere Werbekunden für die Anbieter mal ganz zu schweigen.
    Ich besitze ja auch noch CDs, wenn ich mir Überlege wie oft ich das Debut-Album von BRMC gehört habe und dass in Spotify-Streamings umrechne, verflixt noch mal Peter Hayes würde sich wünschen ich hätte es nur gestreamt und nicht gekauft (abgesehen davon, dass ich es jetzt auch streame und den CD-Player auslasse).

    Immaterielle und materielle Güterrecht sind im Übrigen auch nicht das Gleiche. Oder doch. Je nach dem wie es gerade besser in die eigene Argumentation passt. Aber echt jetzt: Nee!

    Jedenfalls habe ich noch keinen geistreichen Vorschlag dazu gehört, wie es in Zukunft weiter gehen soll. Alles bleibt beschissen. Oder bepisst. Wie im Fall von mir und S. Regener.
    Cheers.

    • @ Kurt schwitters:

      “Der nächste der behauptet, ohne Bezahlung gäbe es keine künstlerisch wertvollen Werke mehr, möge bitte nochmals nachdenken: ich sehe in den sozialen Netzwerken und in meinem Umfeld täglich mehr Kreativität als Sven Regener in seinem ganzen Lebenswerk aufbringen wird.”

      Behauptet, dass es dann garnichts mehr gibt, hat m.E. hier niemand. aber wenn du gleichfalls YT katzenvideos in sozialen netzwerken mit anspruchsvollen Musikalben aufwiegen willst, dann wünsche ich dir viel Spass. Das geht nämlich nicht….

      “(“Haialarm am Müggelsee” steht für mich für alles was falsch läuft im deutschen Film.)”

      Genau darum geht es NICHT. Es ist egal, ob du Hai-Alarm nicht magst, oder Element OF Crime oder Herr Lehmann. Du kannst seine Meinung nicht ausser kraft setzen, weil du seine Kunst nicht magst….

      “Ich besitze ja auch noch CDs, wenn ich mir Überlege wie oft ich das Debut-Album von BRMC gehört habe und dass in Spotify-Streamings umrechne, verflixt noch mal Peter Hayes würde sich wünschen ich hätte es nur gestreamt und nicht gekauft (abgesehen davon, dass ich es jetzt auch streame und den CD-Player auslasse).”

      Und auf wieviele CDs in deiner Sammlung trroifft das zu, wenn man für einen Albumplay 0,2 Cent bekommt, müsste man ein Album 750 mal hören, bevor der Künstler einen besseren shcnitt macht (bei 10 Tracks auf einer CD und aktuell 0,02 € pro stream). Ich habe 3000 CDs hier und habe KEINE davon mehr als 500 mal gehört, behaupte ich mal….

      “Immaterielle und materielle Güterrecht sind im Übrigen auch nicht das Gleiche. Oder doch. Je nach dem wie es gerade besser in die eigene Argumentation passt. Aber echt jetzt: Nee!”

      Immaterialles und Materielles Güterrechte sind in der Tat nicht dasselbe, sonst müsste man sie sprachlich ja nicht unterscheiden. Aber wir *sollten* sie so behandeln, als wären sie es.

      “Jedenfalls habe ich noch keinen geistreichen Vorschlag dazu gehört, wie es in Zukunft weiter gehen soll. Alles bleibt beschissen. Oder bepisst. Wie im Fall von mir und S. Regener.”

      Naja, das Urheberrecht wird so weit vereinfacht und simoplifizeiert, dass jeder damit umgehen kann. Wie wöre das? dann können auch Privatleute Inhalte selbsttätig lizenzieren… wäre das nicht eine gute Vision?

      Gruß,

      SH

      • Kurt Schwitters sagt:

        @Stefan Herwig

        Genau darum geht’s: auf YouTube sind nicht nur Katzenvideos und ähnlich Schrott zusehen und nicht jedes Video im WWW ist auf YouTube. Das ist mir zu eng gedacht und damit freunde ich mich nicht an. Genauso wenig produzieren die Platten-/Verlags/Filmfirmen dieser Welt nicht nur sehenswertes, sondern auch tonnenweise Unrat. Die beiden Kanäle nehmen sich da nichts. Und diese Einsicht fehlt mir überall!

        Das meine Meinung und die künstlerische Schöpfungshöhe irrelevant sind, ist mir klar, weshalb sich der Haialarm-Kommentar auch in Klammern befindet. Das Argument bleibt: dass für die einen das Internet aus Katzenvideos besteht, für die anderen jedoch ein riesiger Pool aus Ideen, Werken und Kreationen auf höchstem Niveau entsteht, ist ebenso subjektive Wahrnehmung und hat kaum etwas mit der Realität zu tun. Genauso gut könnte ich anführen, dass Crowdfunding das non plus ultra wäre und alle Produktionsfirmen überflüssig sind, nur weil Zach Braff in 3 Tagen 2 Millionen Dollar für seinen nächsten Film über Kickstarter generiert. Das ist die Wahrheit und doch nicht alles.

        Vereinfachung und Alltagstauglichkeit des Urheberrechts, fände ich top! Allerdings findet kaum Bewegung in die Richtung statt oder täusche ich mich da. Stattdessen bekommt der Springer Verlag sein Leistungsschutzrecht, dessen Nutzen niemand kennt und das außer von einer Hand voll Lobbyisten von niemanden für sinnvoll befunden wurde. Was ist da los, fragt man sich! CC-Lizenzen, Self-Publishing und andere Alternativen werden dagegen von der breiten Maße ignoriert oder von Kommunikatoren klein geredet und zusätzlich denen, die sich dafür begeistern, madig gemacht, in dem man sie zu hirnlosen Spinnern erklärt.

        Der Weg ist lang und steinig und deshalb scheint keiner Aufbrechen zu wollen.

        Meine Leseempfehlung: http://bit.ly/Ou6NK0

        • @ Kurt Schwitters:
          Gute Replik. OK ich mache es klarer: Natürlich gibt es auf YouTube nicht NUR Kaztenvideos, das ist mir klar. Aber ich habe das Gefühl, dass jede Menge Vorschlähge das Urheberrecht betreffend in die Richtung laufen, dass wir hochwertigen, auf das “klasssiches Urheberrecht” angewiesene Inhalte, die echte Wertchöpfung erzeugen (Filme, Professionelle Musik, Bücher, Presse), gegen Inhalteformen “tauschen” wollen, die das nicht tun.

          Damit will ich nicht sagen, dass User Generated Content oder “User Produced Content” (wobei dann der User streng genommen kein User mehr ist, sondenr auch Urheber) schlechter ist, sondern ich will damit sagen, dass beide Formen nebeneinander existieren sollten und wahrscheinlich auch können. Und ich glaube da sind wir beisammen. Deswegen müssen wir das auch nicht bewerten. Fest steht, dass beides “Kultur” ist, und auch Kreatvivität, mal in guter Qualität, mal in schlechter – was aber auch meistens im Auge des Betrachters liegt. Nur die eine erzeugt – derzeit – mehr Wertschöpfung. Aber auch das soll kein wertender Kommentar sein.

          Wenn wir jetzt aber davon ausgehen, dass viele “progressivere” Vorschläge das Urheberrecht betreffend einen belebenden Effekt für User Generated Content bei gleichzeitig hemmendem Effekt für “traditionellen Content” bevorzugen, dann sehe ich das in der Tat sehr kritisch. Wie gesagt, diese Sachen können und solen nebeneinander existieren.

          Und ja, in Sachen vereinfachung des urheberrechts bewegt sich gerade wenig, weil viele PAreteien – insbesondere die Politik – in der Analyse noch nicht so weit sind. Och habe vor kurzem noch mit einem Referenten aus dem BMJ gesprochen, der mir gegenüber zugab: “Herr Herwig, in Sachen Urheberrecht rudern wir auf Sicht.” Deswegen bewegt sich gerade auch nichts. Darüber hinaus hat ein Sascha Lobo unlängst aber auch gesagt, dass man mal diese ganzen Extrempositionen – auch von Netzkulturseite aus – mal wegstreichen sollte, denn da werden Sachen gefordert, Kulturflatrate zum Beispiel, die einfach nicht kommen werden. Wenn man diese ganzen Nebelkerzen ausklammert, dann wäre man eine ganze Ecke weiter. Darüber hinaus: Ich habe bisher erlebt, dass viele progressive Vertreter mit wenig Ahnung sich kaum mit der Gegenseite zusammensetzen wollen, und dort entsprechende Diskussionen anstrengen wollen. Da bleibt man liedber in seiner eigenen “Bubble”.

          Denn der erste Schritt für die Bewegung der Debatte ist eine gemeinsame Zielvision aller Beteiligten, und da hapert es noch. wir sitzen zwar im gleichen Boot, wollen aber in unterschiedliche richtungen rudern. Kein Wunder, dass wir nicht von der Stelle kommen.

          Gruß,

          SH

          • Kurt Schwitters sagt:

            Gut, davon kann ich vieles Unterschreiben! Meine Wahrnehmung der Debatte ist eben oft eine eher Konservative, deshalb lasse ich mich leicht dazu hinreißen lasse, da bevorzugt den anderen Pol – dem ich persönlich nur etwas näher bin – einzuwerfen. Denn auch das Mangelnde miteinander fehlt von beiden Seiten. (Ich erinnere an “Für Alibi-Veranstaltungen sind wir nicht zu haben!”)
            Mit der Debatte im letzten Jahr, hätte man fast hoffen können, Urheberrecht könnte es zum Wahlkampfthema schaffen, aber das war dann doch zu kurzweilig. Denn außer dem (alb-)träumerischen Anläufen der Piraten, ist nicht viel losgewesen in der Politik. Apropos Piraten: bei der “Bubble” höre ich doch Enno Lenze raus, oder? http://bit.ly/T24rU2

            Ich empfinde unsere Diskussion als sehr lebhaft und angenehm, danke dafür. Da könnte man fasst den Eindruck gewinnen, es könnte sich doch noch etwas tun!

  • Leon Hardy Herzfeld sagt:

    hier wird davon geredet, dass die sharehoster einfach pro account an verwertungsgesellschaften abführen sollten, dannn wäre alles gut.
    ist es aber nicht.
    denn die musiker, die nicht gema sind, bleiben natürlich außen vor.
    also wieder : alle gegen die musiker.
    erst einmal mit einem aufruf zur unterstützung seiner bands starten?
    hat bisher keiner gemacht.
    nur flattr hat mal einen kleinen kohle-konkret-ansatz …
    (wäre übrigens keine gewerbekohle (für die, die schon mal einen zweiten gadanken über künstlerfinnazierung und buchhaltung verschwendet haben – : sondern spende.
    so gehts nicht.
    konkrete lösungen – direkt für künstler.

  • Ich bin bei Dir, was das mangelnde Miteinander angeht. Ich sahe aber auch – und das mag einige Überraschen, dass die angeblich konservative front integrativere Elemente hat, als die so tolerante Netzkultur. Sämtliche Branchenmessen und veranstaltungen laden auch Kritiker ein, selbst beim vielgescholtenen Engage war Bruno Kramm zum diskutieren eingeladen, oder LArs Sobiraj auf der GVU. Anders herum funktioniert das aber nicht.

    Bei der Re:publica 2013 finden soche debatten nicht statt, man schmort im eigenen Saft (bzw. in der eigenen Filterbubble). Und dann wundert man sich, dass man nicht ernst genommen wird:

    Siehe: http://carta.info/57774/die-republica-2013-kirchentag-oder-hambacher-fest/

    Enno Lenze istz eine wohltuende Ausnahme, wobei ich seine Meinung zur Ausweitung der PRIVATkopie nicht teile. Im Öffentlichen Raum ist die Kopie nämlich alles andere als privat.

    Aber trotzdme ist er eher integrativ unterwegs, und das ist sicher gut so. Wir versuchen hier ja auch integrativ zu wirken, aber das wird häufig missverstanden.

    Gruß,

    Stefan

  • Georg sagt:

    Der Ausschnitt aus dem Interview ist auch auf Youtube unter:

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