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Illegales Portal movie2k leitet auf Server der Piratenpartei um

movie2k-Landingpage

Landingpage der Piratenpartei für die Umleitung von movie2k

Die illegale Streaming-Plattform www.movie2k.to leitet ihre Nutzer derzeit auf eine Landing-Page der Piratenpartei um. Die Besitzer der Domain haben den DNS-Server der Piraten als Hauptserver eingetragen; seither schlagen bei den Piraten rund 10.000 Nutzer pro Minute auf deren Seite auf. Zuvor war movie2k komplett von den Betreibern vom Netz genommen worden. Das sorgte für Verwunderung und Aufregung bei der Netzgemeinde. Viele fragten sich: Gab es eine Razzia so wie vor gut einem Jahr bei den Betreibern des ähnlichen Angebotes von kino.to?

Nichts dergleichen war passiert – und nun ist movie2k in veränderter Form wieder online – und zwar als Landingpage der Piraten. Die Partei hat ihrerseits überraschend schnell reagiert und diese Webseite geschaffen, in der sie erklärt, welchen politischen Ziele sie habe und auch, wie sie sich das mit dem Urheberrecht vorstellen. In einer Videoansprache des Mitglieds des Bundesvorstands der Piraten, Bruno Kramm, werden diese Ziele den movie2k-Nutzern auch audiovisuell Nahe gebracht. Die Piraten wollen privates Filesharing legalisieren und sich für eine faire Bezahlung der Urheber einsetzen, vergessen aber dabei, dass es sich bei movie2k und die verwandten Portalen um kommerzielle Angebote handelt, die mittels Abofallen und Werbung Geld mit Inhalten von Urhebern macht. Eigentlich müsste sich die Piratenpartei also von movie2k distanzieren – macht sie aber nicht. Leider steht eine Antwort der Piraten auf unsere Anfrage, warum dies nicht passierte, noch aus. Unsere Anfrage an die Pressestelle der Piratenpartei wurde mittlerweile beantwortet.

Die Piraten sagen, dass sie nicht wissen, wer der Betreiber von movie2k ist und auch, dass sie nicht wissen, warum die Besucher auf ihren Server umgeleitet würden. Sie vermuten aber, dass es sich um eine Nachricht an die Öffentlichkeit, eine politische Botschaft handeln könne. “Das alles hier ist das Resultat eines kollektiven Bedürfnisses der Menschen nach kostenfreien Medien”, erklären die Betreiber des Streaming-Dienstes. “Wir, die normalen Bürger, müssen der Industrie und dem Staat klar machen, dass die ‘Verletzung eines Copyrights’ auf keinen Fall mit einem Gewaltdelikt oder sogar Mord gleichzusetzen ist (…). Ihr könnt den Willen der Menschen nicht unterdrücken.” Damit ruft das Portal zum Kampf für ein freies Internet auf beziehungsweise für das, was die Betreiber unter einem freien Netz verstehen.

Auch die Polizei hat sich bei den Piraten gemeldet

Auch Polizei und Staatsanwaltschaft sollen sich mittlerweile bei Verantwortlichen der Piratenpartei gemeldet haben, wie Markus Denger von der Piraten Bundes-IT dem Online-Portal Golem.de erklärte. “Einige Polizisten dachten wohl, wir würden die Domain besitzen. Aber wir haben keine Kontrolle über die Domain. Wir gehen davon aus, dass sich das in den nächsten Tagen wieder ändern wird und sie die Domain zurücknehmen”, so Drenger.

Die Reform des Urheberrechts gehört zu den zentralen Punkten im Wahlkampfprogramm der Piraten. “Das private Teilen von Filmen und Musik muss erlaubt sein”, so die Forderung. Gleichzeitig sollen aber auch die Urheber unterstützt werden, indem “wir die Rechte gegenüber Verwertern, etwa der Gema, deutlich stärken”.

Wie die Staatsanwaltschaft Dresden in einer Pressemeldung mitteilte, würde seit geraumer Zeit gegen den Video-on-Demand-Dienst ermittelt. “Wir halten es für naheliegend, dass die Abschaltung von movie2k eine Folge unserer Ermittlungen ist”, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein gegenüber der “Welt”. Der ursprüngliche Inhalt der Seite ist derweil offensichtlich auf die Domain movie4k.to umgezogen.

In einem Video, das auf der Landing-Page eingebunden ist, spricht Ex-Musiker und Pirat Bruno Kramm über die Vorstellung der Piraten, wie das Urheberrecht reformiert werden soll. Er spricht sich für Filesharing aus und wettert gegen das seiner Meinung nach veraltete Urheberrecht, das Nutzer beschränkt und Urheber um Möglichkeiten der kreativen Entfaltung beschneidet. Er setzt sich dafür ein, dass Konsumenten erst einmal die Werke begutachten können sollen, bevor sie kaufen und sagt, dass gerade die Nutzer, die Filesharing betreiben, auch die Käufer von legalen Angeboten seien.

Matthias Hornschuh, Komponist und Vorsitzender von mediamusic e.V./Berufsverband Medienmusik

Matthias Hornschuh, Komponist und Vorsitzender von mediamusic e.V./Berufsverband Medienmusik

Auf dieses Video hat WeCab bereits eine Reaktion von Matthias Hornschuh, Komponist und Vorsitzender von mediamusic e.V./Berufsverband Medienmusik, bekommen:

„Was für eine Unverschämtheit, dieses Wort zum Sonntag.
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, die sachlichen, begrifflichen, rechtlichen Fehler aufzuzeigen. Dass der bayerische Piratenkapitän gern auch Unwahrheiten propagiert, wenn es ihm in den Kramm passt, das ist bekannt. Man erinnere sich an das “Tofohühnchen-Rezept” aus dem von ihm synchronisierten Anti-ACTA-Video.
Dieser Politikdarsteller und seine Partei nehmen NICHT die Interessen der Urheber wahr. Sie ignorieren die Stellungnahmen und wütenden Proteste der Urheber-Initiativen und der Berufsverbände, sie verhöhnen auf die Partner und Institutionen der Urheber anstatt sich mit allen gemeinsam in einen konstruktiven Dialog zu begeben. Geradezu zynisch ist es, unter der URL movie2k.to mit einer offiziellen Landing Page der Piratenpartei aufzusetzen.
Es ist eine unheilige Allianz, welche sich hier manifestiert – und sie war nie besser sichtbar als heute. Diesmal soll keiner sagen, er habe nichts davon mitbekommen.“

Update

Inzwischen hat sich Bruno Kramm persönlich auf unsere Anfrage bei der die Pressestelle der Piratenpartei gemeldet. Auf unsere Fragen hat er wurde uns folgendermaßen geantwortet:

Wecab: Wie lang hat es gedauert die Landingpage einzurichten, auf welche Nutzer von movie2k nun umgeleitet werden?

Die Domain zeigt seit Freitag morgen auf unsere DNS-Server. Nach rechtlicher Klärung am Freitag ist am Montag eine Idee aufgegriffen worden, eine Landingpage einzurichten. Von Diskussion (Montag 15 Uhr) über die Freigabe bis Umsetzung dauerte es 2 Stunden.

Wecab: Warum distanziert sich die Piratenpartei auf der Landingpage nicht von illegalen Angeboten wie movie2k?

Der rigide, ideologisch aufgeladene Rechtsdurchsetzung der Unterhaltungsindustrie [sic!]  auf allen Ebenen wird von uns genauso kritisch betrachtet [sic!] wie die Instrumentalisierung von Urheberrechten für Geschäftsmodelle der Unterhaltungsindustrie.

Wecab: Ist movie2k als ein Angebot zu sehen, welches von der Piratenpartei legalisiert werden soll?

Die reine Verlinkung von Inhalten stellt für uns kein Problem da [sic!] und sollte auch nicht durch Störerhaftung bestraft werden können. Das Programm der Piratenpartei bezieht klar Stellung zu den Begriffen Infrastruktur, Privatsphäre und das Recht von Urhebern.

Wecab: Wie steht die Piratenpartei zu Angeboten, wie movie2k, die neben der Zugänglichmachung von Raubkopien, Geschäfte mit zweifelhafter Werbung und Abofallen machen?

Weil Hostingplattformen wie movie2k.to nur ein Bedürfnis der Bevölkerung nach Teilhabe erfüllen, das die Unterhaltungsindustrie bis heute nicht mit kommerziellen Angeboten ausfüllt. Solange Content nicht zeitlich synchron, uneingeschränkt, unabhängig von Plattformen und ohne DRM Massnahmen[sic!] angeboten wird, wird das Katz und Mausspiel zwischen Unterhaltungsindustrie und Filehostern weitergehen. Kultur muss zirkulieren und wird von Konsumenten auch honoriert. Die Umsatzsteigerungen im digitalen Musiksegment belegen das genauso wie die Umsätze an den Boxoffices.

Update 2

 

Inzwischen hat uns ein Statement von Nina George erreicht, das wir selbstverständlich gern in diesen Beitrag auf nehmen.

 

Nina George

Nina George, Gründerin der Initiative “JA zum Urhrberrecht”
Foto: Marion Losse

“Die Piratenpartei hat sich mit ihrer Reaktion auf die Umleitung der movie2k-Seite auf die Startpage der PP auf beipiellose Weise als “Volksvertreter” disqualifiziert. Herr Kramm ist für uns nicht mehr als Partner in einer sachbezogenen und lösungsorientierten Debatte relevant.
Die Piratenpartei hat erneut bewiesen, dass sie weder betriebswirtschaftlichen noch kreativwirtschaftlichen Sachverstand besitzt, noch dass sie demokratischen Grundsätzen eine Bedeutung zumisst. Jegliche ihrer “Pro-Urheber”-Phrasen haben sich als das enttarnt, was sie immer waren: Sinnfreie Worthülsen.”

Nina George ist freie Publizistin und Schriftstellerin, Gründerin der Initiative “JA zum Urheberrecht”, Vorstandsmitglied von “Hamburg Hoch Elf”, Vorstandsmitglied des TSWTC und Mitglied des PEN.
Der Initiative JA zum Urheberrecht gehören 13 AutorInnenverbände und 27 Partner der Kreativ- und Kulturwirtschaft an.

 

 

Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Bruno Kramm habe unsere Anfrage bei der Pressestelle der Piraten persönlich beantwortet. Oben stehende Antworten sind aber als Antwort der Partei zu verstehen.

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15 Comments »

  • Du meinst diesen “Dialog” hier:

    http://dermusikpartisane.wordpress.com/2012/06/12/dialog-in-zeiten-der-adhs-kultur/
    ;-)
    Das fällt für mich eher unter “Diskurssimulation”.

    Gruß,

    Stefan

  • Zerpfücken geht anders, ihr Herzchen. Wenn wenigstens einer mal zugehört hätte und all die wichtigen Reformpunkte von VGs bis KSK kommentiert hätte, die wesentlich gerade jene Urheber betreffen, die von ihren Werken heute gar nicht leben können, geschweige denn Sozialversicherung und Rente bekommen – und zwar nicht weil gedownloaded und geteilt wird (so hat wenigstens die Chance ein Publikum zu finden), sondern weil Solidarität von vielen Erfolgreichen ganz schnell vergessen wird. Aber solange Eure Proteste das Niveau von “Dont fuck with music” haben, kann man auch keinen sinnvollen Dialog zu den Chancen des digitalen Wandel führen.

  • Nein, Bruno, das war nur die Meldung. Zerpflücken werden wir Dich morgen.

    Bis dahin hat leider Matthias Hornschuh recht: wenn man sich alle Fakten so zurechtbiegt, dass nur noch ein ein grotekss überzeichnetes Schwarzweissgemälde überbleibt, wie Du das hier in deinem Video kreierst, dann musst Du dich nicht wundern, wenn man sich mit deinen *wirklichen* Argumenten nicht mehr auseinandertsetzt. Da sind nämlich in der Tat ein paar diskutable Punkte drin, aber die verschwinden leider unter Deinem unterträglichen Schwall aus Demagogie und Desinformation, so wie gerade das Hochwasser in Halle die Gartenhecke überschwemmt.

    Da bleibt nix als Gebiet trockenlegen und erstmal mit Reinigungsarbeiten beginnen, bevor man sich auch nur ansatzweise mit den (wenigen) diskutablen Punkten in deinem Pamphlet auseinandersetzen kann.

    Ist leider so.

    Gruß,

    SH

  • Ist das Teil Eurer Verkürzung? Ist ein Pirat, der musiziert automatisch ein Ex-Musiker? Ist jemand, der Eure Sichtweise auf das Urheberrecht nicht teilt, kein Urheber mehr? Come on guys, macht es nicht so einfach!

    Ich hatte erst vor zwei Wochen einen Auftritt im Rahmen des Wave Gotik Treffens auf der großen Agra Bühne (Lukas und Stefan sollte das WGT durchaus geläufig sein) vor vielen Tausend Zuschauern und spiele gerade mit meiner Band ein neues Album ein.

    Ich habe mit meiner Band Das Ich nicht unwesentlich zur kuturellen Vielfalt der internationalen Gothic Szene beigetragen. Ich erspare es Euch, hier die bekanntesten Songs aufzuzählen. Und sorry, auch wenn ihr das nicht mögt: Filesharing hat uns um die Welt geführt.

  • Matthias Hornschuh sagt:

    Es tut doch überhaupt nichts zur Sache, ob Du aktiver Künstler und/oder Urheber bist oder nicht, Bruno. Ich für meinen Teil habe das auch gar nicht bestritten. Ich sage nicht: “Du bist kein Urheber!” Ich sage: Du vertrittst nicht “die” Urheber sondern lediglich Dich selbst. Doch das tut, wie gesagt, nichts zur Sache.

    Was aber durchaus etwas zur Sache tut, das ist, dass Ihr Piraten freudig akzeptiert, dass ein offensichtlich kommerzielles Portal, welches unbestreitbar – nach geltendem Recht wie auch nach sämtlichen Maßstäben moralischer Integrität – parasitär ist (und zwar nicht zuletzt auf Kosten professioneller Urheber), auf Euch verlinkt und für Euch wirbt.

    Die Piratenpartei beruft sich darauf, “Privatkopien” und “nicht-kommerzielles Filesharing” legalisieren zu wollen. Die Piratenpartei reklamiert für sich den Anspruch, Urheber stärken und ihre Verhandlungsbasis verbessern zu wollen.
    Dabei bekommt so gut wie jeder hauptberufliche Urheber bei dieser Vorstellung Pickel: Die Trennung “privat – nicht-privat” bzw. “kommerziell – nicht-kommerziell” funktioniert ja bereits in der Theorie nicht. Und wem gegenüber sollen unsere Rechte denn gestärkt werden: illegalen Nutznießern unserer Arbeit wie movie2k gegenüber ja ganz offensichtlich nicht. Die Arbeit meiner Komponisten- und Drehbuchkollegen, der Regisseure und Produzenten, der Darsteller und aller weiteren Gewerke wird auf Schmarotzer-Portalen wie movie2k lizenzierungs-, verhandlungs- und damit auch vergütungslos genutzt. Die meisten Berufsurheber sind aber gerade von Nutzungsvergütungen existenziell abhängig. Da hilft uns ein verbessertes Urhebervertragsrecht nicht das mindeste: Hier gibt es nichts zu verhandeln!

    Bruno, Du tust ja ganz gern mal so, als seist Du ein neuer Robin Hood. Da gibt es aber wesentliche Unterschiede … nicht zuletzt den, dass der Mittelalter-Superheld diejenigen bestohlen hat, die vorher von anderen gestohlen hatten. Und niemals die, die selbst bestohlen worden waren. DAS nämlich ist Zynismus.

    Wärt Ihr Piraten integer, hättet Ihr die Größe, diese Avancen von Euch zu weisen.
    Wärt Ihr so unkonventionell, wie Ihr glaubt, hättet Ihr es gar nicht nötig, auf dieses schmutzige Spiel einzugehen.

    So aber seid Ihr nur eine weitere Partei im Wahlkampf. Eine weitere Partei, die man leider nicht wählen kann. Und das beileibe nicht nur aufgrund von Partikularinteressen.

    Ach so, eines noch: Vielleicht lernst Du ja irgendwann auch noch, dass die GEMA _kein_ Verwerter ist. Sondern als Verwertungsgesellschaft im Auftrag der Werkschöpfer (= Urheber) das Binnenverhältnis zu den Verwertern der Werke gestaltet, indem sie verbindliche Tarife aufstellt, die Nutzungsentgelte inkassiert und diese an die Werkschöpfer weiterverteilt. Sorry, das ist jetzt ein bisschen kompliziert. Aber die Welt ist halt nicht schwarz-weiß.

  • mr sagt:

    bruno, ich bezweifle nicht, daß euch filesharing um die welt geführt hat. aber hat euch filesharing aus der betriebswirtschaftlichen krise geholfen? ich lese ja immer wieder, daß deine band 300 konzerte spielt und trotzdem von den tantiemen nichts übrig bleibe, weil die kohle vom “recoup” der produktionsvorschüsse aufgefressen werde.

    die gothicszene habe ich immer als eine sehr familiäre erlebt. gerade das wgt als szenetreff und nicht bloßes festival belegt das sehr gut. braucht es denn wirklich öffentliches filesharing (in abgrenzung zur von hand zu hand gereichten privatkopie, begleitet durch mundpropaganda) um in der szene bekannt zu bleiben? ich schreibe hier ganz bewußt “bleiben” und nicht “werden”, denn war überdies euer aufstieg mit “das ich” in der damals noch entstehenden szene nicht in einer zeit, in der es eben das hier diskutierte filesharing noch gar nicht gab?

    nichts für ungut, bruno. filesharing verschlimmert die folgen deines recoupment-plattendeals. und wenn filesharing dich wirklich um die welt gebracht hätte, und nicht die arbeit deiner labels und agenturen, dann wäre die bilanz eigentlich noch katastrophaler und schreit geradezu nach der frage, warum “das ich” sich überhaupt auf einen recoupmentdeal eingelassen hat. und ferner, welche existenzberechtigung eigentlich dein eigenes label “danse macabre” hat.

    damit wir uns nicht falsch verstehen: ich finde “das ich” ziemlich gut. ich finde aber die piraten im allgemeinen und deine arbeit dort im besonderen nicht gut. auf dem diesjährigen wgt bin ich ebenfalls aufgetreten, allerdings ohne agentur/label im rücken und mangels “großem namen” nicht wie du auf der hauptbühne. ich habe bislang jeden recoupmentdeal abgelehnt, obwohl ich weiß, daß es keine ordentlichen und gleichzeitig tragfähigen deals für nischengenres mehr gibt. meine musik wird genau wie die musik der “großen” auf diversen filesharingangeboten unautorisiert zum kostenlosen wie auch kostenpflichtigen download angeboten. ich entspreche genau dem betriebswirtschaftlich eigenverantwortlichen künstler, den ihr piraten von der infrastruktur (verwerter, “content-mafia”) “befreien” wollt und ich kann matthias nur recht geben: ihr sprecht nicht für mich.

    und auch wenn du in bezug auf die szene eine autorität bist, bruno – als vertreter der interessen von uns musikern im allgemeinen bist du für mich vor dem hintergrund deiner vita leider die denkbar schlechteste besetzung. unsere strukturellen probleme zur zeit sind unfaire deals (recoupment, pay2play, etc.) und ausschluß aus den verwertungsketten (filesharing, lizenzierungslücken bei youtube & co., etc.). vertrauen in lösungskompetenzen aufbauen – geschweige denn ehrfürchtig zur koriphäe aufschauen – kann ich da nicht unbedingt zu jemandem, der selbst recoupmentdeals eingegangen ist, der als labelbetreiber selbst lizenznehmer ist (interessenkonflikt!) und der bei jeder gelegenheit gegen die noch halbwegs sicheren konstanten in meiner lebenswirklichkeit (z.b. die gema, das urheberrecht) in einer art und weise polemisiert, die jenseits aller kritischen konstruktivität angesiedelt ist.

    frei bin ich ja bereits. an infrastruktur mangelt es mir. und zunehmend an rechtssicherheit. nicht, weil das recht unzureichend wäre, sondern, weil es im internet zunehmend nicht mehr angewandt wird. ihr piraten antwortet auf diese tendenz mit einer angeblich notwendigen anpassung des rechts an den “raubtierkapitalismus” (um mal deine pseudomarxistische wortwahl zu bemühen). statt das raubtier zu bändigen, erklärt ihr einfach bestimmte bereiche des öffentlichen lebens zu dessen natürlichen habitat. ist halt so gewachsen, das internet. aber selbstverständlich nur, wenn es sich mit dem filesharing verträgt.

    geht es um datenschutz, dann ist er plötzlich wieder en vogue, der eklige eigentumsbegriff. wenn youtube, movie2k.to und andere wildwest spielen und sich über ausbeutung der arbeit dritter bereichern, dann ist das für euch nicht etwa akkumulation qua enteignung, sondern morgenröte über der romantischen almende. wenn verlage und labels auf basis von verträgen mit dem urheber prozente für klar definierte leistungen nehmen, dann ist das für euch nicht etwa gemeinschaftliches wirtschaften, sondern ausbeutung. geschieht das in online-märkten, dann ist es reaktionäres aufbäumen gegen den zeitgeist. und wenn abmahnanwälte losballern, dann muß plötzlich dringend reguliert werden.

    das sind inkonsistenzen, die sich sehr gut mit dem profil deiner partei als parlamentarischer arm derjenigen verbraucher verträgt, die ohne sich mit sachlicher oder ideologischer auseinandersetzung aufhalten zu müssen schlichtweg einfach kostenlos konsumieren möchten. nichts mehr und nichts weniger.

    wenn es bei irgendwem die hoffnung gab, daß sich die piraten vielleicht doch von ihrer namensgebenden gründungshypothek losmachen können und tatsächlich einen ideologischen diskurs über eine nachhaltige und umfassende sharing-gesellschaft versuchen würde, dann ist die mit dem schulterschluß (und sei er noch so “augenzwinkernd”) zu movie2k.to wohl engültig beerdigt. da können die grundeinkommens- und die transparenzdiskussionen auch nichts mehr retten. wenn es drauf ankommt, dann seid ihr die partei der erwerbsmäßigen ausbeuter.

  • Gohtik Shiter sagt:

    Aber Brünchen, es bestreitet doch niemand, dass es Schmarotzer gibt, die die ganze Aufregung dazu nutzen, sich selbst erfolgreich zu promoten, wo doch, wie in Deinen Fall, Dein Schaffen sonst bestenfall für eine Handvoll komplett druchgeknallter Volldeppen interessiert wäre, die 30 Jahre der Zeit hinterherhängen. Da bist Du ja nicht der Einzige, andere machen da auch Ihr business damit, und es finden auch genügend Trottel, die kaufmännisch nur auf dem Niveau ticken, die Du Dir als Wahl Klientel ,durch Unterstützung der unsäglchen Deppen bei movie2k.to, gerne einverleiben möchtest. Deine Panik ist schon so groß, dass Du vor solchen Scheiß nicht zurückschreckst . Dennoch bin ich froh, dass Du Dein unsägliches Geschwätz bei den piraten, und nicht etwa bei der NPD einbringst, den dort hättest Du mit Deinen unsäglich verlogenen und demagogischen Stil, mit Sicherhheit schnell noch viel mehr Anhänger. Nebenbei fällt mir auf, dass diese an albernheit nicht zu toppende “Gothik Szene” sich da einen kleinkrieg der Peinlichkeiten liefert, und andere diesen Scheiß ausbaden müssen. Igitt

    • robin sagt:

      Lieber Gothic shiter ( da fehlt übrigens ein ‘t’ wenn man’s genau nimmt )

      Unmut haben ist eine Sache, ihn sinnvoll in eine Diskussion einzubringen, eine andere.

      Meine eigene Verärgerung über Herrn Kramms narzisstische und manipulative Art, Fakten völlig verdreht wiederzugeben, und seinen Musikerkollegen dabei ohne mit der Wimper zu zucken in den Rücken zu fallen, könnte kaum größer sein.

      Was das mit seiner Musik zu tun hat, erschließt sich mir aber nicht so ganz. Er könnte von mir aus auch Volksmusik oder Seemannslieder darbieten. Er macht halt, was er gerne macht, so wie Heino und der Shantychor der singenden Seebären auch, und dafür kann doch wirklich niemanden verurteilen.

      Ob einem das gefällt oder nicht, sollte man also außen vor lassen, denn es tut wirklich nichts zur Sache.

  • krischan wesenberg sagt:

    irgendwie verbleibt bei mir der eindruck, dass das umleiten der movie2k.to seite zwar ein geschickter PR-Schachzug ist, aber doch mit schalem beigeschmack. ich weiss nicht ob die piraten und herr kramm sich einen gefallen damit tun, diesem portal ein politisches gewicht anzuhaengen. offenbar ein versuch den falschen das aus eurer sicht richtige beizubringen.

    nebenbei stelle ich mal in abrede, aber bin auf eine entsprechende nicht nur platitudenhafte kausalkette gespannt, dass ‘das ich’ mit ihrem erfolgsschwerpunkt in der prae-youtube/myspace/facebook/soundcloud…-aera dem filesharing viel zu verdanken hat. das klingt als dahingeworfene phrase huebsch populaer.

    “…und all die wichtigen Reformpunkte von VGs bis KSK kommentiert hätte, die wesentlich gerade jene Urheber betreffen, die von ihren Werken heute gar nicht leben können, geschweige denn Sozialversicherung und Rente bekommen – und zwar nicht weil gedownloaded und geteilt wird (so hat wenigstens die Chance ein Publikum zu finden), sondern weil Solidarität von vielen Erfolgreichen ganz schnell vergessen wird. ” : das ist unfassbar zynisch. jaja, ‘teilen’ als waehrungsersatz fuer applaus, der ja des kuenstlers brot ist.

  • Volker Rieck sagt:

    Sehr geehrter Herr Kramm,

    Haben Sie sich einmal mit der Seite Movie2k (oder jetzt Movie4k) beschäftigt, bevor Sie die Landingpage ins Leben gerufen haben?
    Diese Dienste haben ein sehr klares Geschäftsmodell und sie sind keineswegs altruistisch. Der Kunde, der auf solchen Seiten Filme ansieht oder herunterlädt bezahlt dafür. Er bemerkt nur oft die Währung nicht. Währungen im Netz können Aufmerksamtkeit sein, Bannerklicks oder ganz profan auch das Geld, dass man für einen Premiumzugang bei einem Filshoster ausgibt.
    Das Neue an dem Geschäftsmodell ist, dass die berechtigten Urheber nichts von diesem Geld bekommen.
    Aus diesem Grund hat Ihr Parteifreund Lauer sich auch sehr deutlich dazu geäußert. Seine Äußerungen stehen aber im krassen Gegensatz zu dem, was Ihre Partei nun schreibt.

    Auf der Landingpage gibt es sehr missverständliche Aussagen.
    Eine davon lautet:

    “Wo sind meine Filme?

    Aufgrund des aktuellen Urheberrechts können wir dir hier leider nicht das umfangreiche Angebot liefern, was du gewohnt bist. Das tut uns leid.”

    Beantworten Sie doch bitte diese beiden Fragen dazu:

    1. Was bedeutet meine Filme? Sind es die Filme des Nutzers?
    Die können es eigentlich nicht sein, denn die Filme, die man bei Movie2k bekommt, liegen bei Filehostern, die Geld für den Download verlangen. Bedeutet meine Filme, dass der Nutzer Anspruch auf alle Filme die auf den Servern der Filehoster lagern hat? Es also “seine” sind?

    2. Können wir dir hier leider nicht das umfangreiche Angebot liefern? Bedeutet es, dass die Piraten Partei gern so ein Portal wie Movie2k betreiben möchte? Es aber leider nicht kann, weil das Urheberrecht dagegen steht?

    Ich danke für eine Klärung dieser beiden Punkte.

  • too much coffee man sagt:

    schön daß sich die piratenpartei wieder auf ihr kerngeschäft – illegale tauschbörsen konzentriert.

    so wird garantiert, daß diese spacken bei der nächsten wahl sang-und klanglos untergehen werden.

    ahoy!

  • Esther Mai sagt:

    Ich habe gerade diesen Link http://youtu.be/BVkrKicnMDI beim Musikpartisanen gefunden – er hat Bruno Kramms Video mit sehr interessanten Untertiteln versehen. Viel Spaß beim Abschauen!

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