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Buch-Review: Six Figure Musician

Wie macht man aus einer Band einen Act, der genug Geld verdient, um davon ein gutes Leben führen zu können? Die Frage hat sich jeder im Musikgeschäft wohl schon einmal gestellt. David Hooper hat sich der Frage aus heutiger Sicht angenommen und eine Sammlung von Grundwissen und praktischen Tipps aus seinen Erfahrungen in der Musikwirtschaft zusammengestellt. Hooper, 1972 in Nashville geboren, hat mit seiner Firma Kathode Ray Music seit den 90ern diverse namhafte Bands in Sachen Streetpromotion und Radiopromotion betreut. Unter ihnen finden sich Größen, wie No Doubt, Run DMC oder Bush. Außerdem organisiert er seit 2001 die Nashville New Music Conference, die heutige 2NMC.6fm-hardcover1
Das Buch ist kostenlos als PDF zu bekommen, es gibt also keinen Grund nicht mal einen Blick hinein zu werfen. Und, soviel kann man jetzt schon verraten, es ist keine Zeitverschwendung.

Die eigentliche Arbeit besteht für ein Musikprojekt, laut Hooper, darin eine Fanbase aufzubauen und diese nachhaltig an sich und seine Musik zu binden. Die Aufgabe eines Musikprojektes ist es, dass Menschen sich wohlfühlen, eine gute Zeit haben, schöne Momente erleben. Dabei ist es egal, ob sie sich im Schlagertran schunkelnd tief in die Augen blicken können, pogend im Moshpit ausrasten oder im Loungssessel die Regentropfen zu ruhigen Klängen an der Fensterscheibe herabfließen sehen. Musikprojekte sind dafür da, diese Momente zu erschaffen, und wenn sie es schaffen, können sie auch Geld verdienen. Aber wie bekommt man die eigene Musik in die Köpfe und Ohren der Menschen?

Der zentrale Fokus von Hoopers Buch liegt darauf ein Konzept für die eigene Karriere zu entwickeln, welche (hoffentlich) ein Einkommen bedeutet. Six Figure Musician will dabei niemanden in ein bestimmtes Geschäftsmodell drängen. Ob der Musiker vor hat einen Majordeal anzupeilen oder mit Creative Commons zu arbeiten, Hoopers Tipps und Einsichten lassen sich für jedes Modell im Musikbusiness anwenden – solange von irgendeiner Form von Pop/Rock/Elektro/Idie-Konzept ausgegangen wird. Er ermutigt den Leser sogar ganz gezielt zu überlegen, welches Geschäftsmodell für die Vorstellung von der eigenen Karriere, vom eigenen Leben und dem Konzept des Acts passend ist. Er stellt, zwar kurz aber zutreffend dar, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Modelle haben. Schnell wird klar, dass jeder Act ganz individuelle Anforderung an die eigene Infrastruktur hat. Er betont, dass es aber immer Sinn macht, Aufgaben, die man selbst nicht machen kann oder will, anderen zu überlassen. Selbst als Selbstveröffentlichender wird man Partner brauchen, wie Freunde aus dem Geschäft, die Rat und Erfahrung mit einem Teilen oder Türen zu potenziellen Partnern öffnen. Am Ende ist aber klar, dass ab einer gewissen Größe eines Acts, nicht mehr alles von der Band oder dem Einzelkünstler selbst geleistet werden kann. Hooper erklärt die einzelnen Akteure in der Musikwirtschaft als das was sie sind, potenzielle Partner mit denen man zusammenarbeiten kann, aber nicht zwingend muss. Musikprojekten, die damit leben können, einen Teil der Verantwortung für die Planung abzugeben, empfiehlt Hooper sich Partner, wie Label und Verlage zu suchen. Solche Entscheidungen, so sagt er, sind aber auch nicht in Stein gemeißelt.

Enger Fankontakt

Der Autor gibt Tipps, wie Bands ihre Fans besser an sich binden können. CC-BY-SA gilmorec

Zum Beispiel können Musiker als Indieprojekt oder Selbstveröffentlichender starten, sich so eine Fanbase erspielen, um dann für einen Majordeal interessant zu werden. Eine geplatzte Major Karriere muss aber auch nicht zum kompletten Ende einer Musikkarriere führen – auch für diesen Fall finden sich Tipps in Six Figure Musician.

Anders als all die Crowdfundingapologeten, startet Hooper genau da, wo die meisten Musiker am Anfang ihrer Karriere stehen. Es gibt niemanden, der sie kennt. Der erste Song oder Album kann dann noch so erderschütternd großartig sein, wenn es niemand hört, wird es niemand zu schätzen wissen. Für genau diese erste Phase in einer Musikkarriere bietet Hooper wertvolle Tipps und Anwendungsbeispiele. Dabei ist das wichtigste Ziel immer, neue Fans zu generieren – vom ersten Konzert an. Er gibt wichtige Hinweise dafür, wie Musiker Mund-Zu-Mund-Marketing in Gang bringen können und gibt sogar Hinweise für effektives E-Mail-Marketing und weniger bekannte Promokanäle, wie Postkarten und ähnliches. Er schlägt beispielsweise vor, CDs einen Downloadcode auf einem kleinen Kärtchen beizulegen, mit dem Hinweis, der Hörer möge es bitte an Freunde verschenken. In einem anderen Beispiel gibt er Tipps, wie ein Musikprojekt, zum Beispiel mit Freikarten zu Konzerten mehr Leute zu ihren Shows zu locken, schließlich wird kaum jemand allein zu einem Konzert gehen.

Alles in allem ist das Buch ein guter Einstieg in die eigene Musikkarriere, auch wenn es an vielen Stellen vielleicht etwas zu optimistisch sein mag. Die Anklänge an Lebenshilfe-/Motivations-/Erbauungsliteratur können streckenweise schon etwas nerven, auch sollte  sich der Leser nicht daran stören, dass Hooper an jeder passenden und unpassenden Stelle christliche Musiker als Beispiele ins Feld führt. Hoopers geringe Scheu vor dem Einsatz von Krediten oder Auflösung eigener Ersparnisse, falls man die für erforderlich hält, ist wohl dem amerikanischen Gedankengut geschuldet. Deswegen gibt es von mir einen weiteren wichtigen Tipp, der sich nicht im Buch findet: “Verschulde dich nicht!!!” Auch geht Hooper ein wenig zu offen mit dem Thema Piraterie um. Dagegen kommen die Bereiche Livebooking und Verwertunsgesellschaften bei Six Figure Musician ein wenig zu kurz, was aber im letzteren Fall wohl dem Umstand geschuldet ist, dass das amerikanische Musikgeschäft etwas anders organisiert ist als in Europa.

In seinem Buch "The Six Figure Musician" zeigt der Autor Wege auf, wie man einen unbekannten Act zu einer international anerkannten Größe machen kann.

In seinem Buch “The Six Figure Musician” zeigt der Autor Wege auf, wie man einen unbekannten Act zu einer international anerkannten Größe, wie beispielsweise Daft Punk, machen kann.

Davon ab können selbst Leser mit relativ viel Erfahrung im Musikgeschäft hier noch den einen oder anderen Hinweis und Gedankenanstoß finden.
Insgesamt behandelt Hooper die Themen Kozeption eines Musikprojekts, die Zusammenarbeit mit Partner, wie Labels und Promotern, Promotionstrategie sowohl im Digitalen und bei Konzerten bzw. auf der Straße. Er erklärt Preis- und Produktgestaltungsstrategien und gibt Anleitungen für erfolgreichen Merchandiseverkauf. Links und rechts davon erfährt man viel über das Musikgeschäft im Allgemeinen.
Wird man nach Lektüre dieses Buchs innerhalb von wenigen Monaten garantiert ein sechsstelliges Einkommen mit Musik erzielen? Wahrscheinlich nicht, aber mit Hoopers Tips, wachsender Erfahrung und viel harter Arbeit kann man sich zumindest auf den Weg dahin begegeben.
Six Figure Musician ist ein Musiker-Must-Read für den Sommer und auch als Hörbuch zu empfehlen.

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