News

Neues aus der Musikwirtschaft

Kreativität

Alles zwischen Inspiration
und Kunstprodukt

Kommerz

Von Backsteinen zum
Big Business

Konzept

Über „Das Netzwerk“
– und wie man es erschafft

Kontroverses

Political Correctness?
Aber nicht hier!

Home » Featured, Kontroverses, Politik, Urheberrecht

Die Toten Hosen wollen nicht politisch intrumentalisiert werden

Toten Hosen LogoIn einem Post auf ihrer Facebookseite protestieren Die Toten Hosen dagegen, dass ihre Musik bei Wahlkampfveranstaltungen genutzt wird. Rechtlich gibt es dafür keine Handhabe, da die Rechte für die öffentliche Aufführung von Musikwerken im Falle der Hosen bei der GEMA liegen. Die GEMA ist wiederum nach § 11 UrhWahrnG verpflichtet, die von ihr wahrgenommenen Rechte jedem Nutzer einzuräumen. Urheberpersönlichkeitsrechte fallen praktisch unter den Tisch. Sprich: die Parteien dürfen den Song “Tage wie diese”auf ihren Veranstaltungen spielen. Und die Band kann sich zwar beschweren und darauf hinweisen, dass sie nichts damit zu tun haben – mehr aber auch nicht. 
Der Grund dafür liegt in der Beschaffenheit des Systems, welches Pauschalvergütungen über Verwertungsgesellschaften regelt. Ziel dieser Einrichtung ist es, zum einen Nutzern eine einfache Lizenzierung von Werken zu ermöglichen. Den Kreativen auf der anderen Seite wird der Aufwand erspart, jeder einzelnen Nutzung ihrer Werke hinterher zu laufen. Für die Vergütungsseite ist dieses System sicher ein guter Kompromiss zwischen Praktikabilität und ökonomischen Erwägungen. Nebenbei bemerkt, müssen Nutzer, falls kein entsprechender Tarif existiert, noch nicht einmal mehr zahlen, als sie für angemessen halten. Youtube könnte beispielsweise heute schon jedes Musikvideo zeigen und müsste erst nach einer Einigung mit der GEMA entsprechende Tantiemen zahlen.

Urheberpersönlichkeitsrechte

Allerdings zeichnet sich das viel gescholtene Urheberrecht kontinentaleuropäischer Prägung dadurch aus, nicht nur die wirtschaftliche Seite von Urheberrechten zu betrachten. Speziell im deutschen Urheberrecht sind Werke mehr als immaterielle Wirtschaftsgüter, sondern werden als Teil der Persönlichkeit ihrer Urheber betrachtet. Im Allgemeinen wird in diesem Zusammenhang vom Urheberpersönlichkeitsrecht gesprochen. Urheber sollen also nicht nur davor geschützt werden, dass ihre Werke einfach kostenlos genutzt werden, sie sollen auch bestimmen können wofür ihre Werke verwendet werden dürfen. Wenn (wie tatsächlich geschehen) eine Werbeagentur zum Beispiel den Country-Klassiker “Ring of Fire” von Johnny Cash mit den Textzeilen „and it burns, burns, burns – the ring of fire“ für eine Hämorrhoidensalbe nutzen will, können der Urheber beziehungsweise dessen Erben dies als eine Entstellung des Werks empfinden und verbieten. Ein Komponist könnte auch untersagen, dass eines seiner Orchesterwerke als Beat unter einem schwulenfeindlichen Rap gelegt wird, und so weiter.

In den Bereichen, in denen Rechte aber in der Regel von Verwertungsgesellschaften verwaltet werden, ist ein solches Verbot von Nutzungen, die dem Urheber nicht gefallen, nur schwer durchzusetzen. Als Heino sein letztes Album “Mit freundlichen Grüßen” veröffentlichte konnte er sich auf den gleichen §11 UrhWahrnG berufen, wie heute die CDU, wenn sie die Toten Hosen bei Wahlveranstaltungen spielt. Keiner der Künstler, die Heino gecovert hatte, konnte gegen die Verwendung von Text und Komposition vorgehen, da Heino sich äußerst nah an den Originalen orientiert hatte. Unabhängig von der Qualität oder möglichen Überflüssigkeit des Albums, über die gestritten werden kann, musste Heino ausschließlich Rechte einholen, die er laut Gesetz von den GEMA eingeräumt bekommen musste.

Pauschalvergütungssysteme nehmen Urhebern einen Teil ihrer Rechte

Urheber verlieren durch Pauschalvergütungssysteme also ein Stück ihrer Rechte. In Bereichen, in denen Rechte nicht mehr individuell zwischen Kulturschaffenden und Nutzern ausgehandelt werden, sondern Verwertungsgesellschaften zur Verwaltung der Rechte eingesetzt werden, tritt der Geist des kontinentaleuropäischen Urheberrechts in den Hintergrund. Werke werden dann zu bloßen Wirtschaftsgütern degradiert. Vielleicht ist somit der Protest der Toten Hosen auch ein wenig Appell für eine Kultur, die in Werken auch die Persönlichkeit ihrer Schöpfer sieht.

Schlagwörter: , , , ,

Ein Kommentar »

  • man könnte es unabhängig der gema-lizenz mit bezug auf §14 urhg für den speziellen fall zu untersagen versuchen – wäre zwar sehr weit auszulegen, ist aber durchaus noch im rahmen des wortlautes. natürlich wird das nicht passieren, auf so einen rechtsstreit hätte keine seite bock. aber ich hab nun in dem zusammenhang erstaunlicherweise einige drastische “empfehlungen” in richtung tote hosen gelesen (aus der gema austreten, wenn ihnen das nicht passe), daß ich im sinne des urheberpersönlichkeitsrechtes doch darauf hingewiesen haben möchte…

Leave a comment!

Fügen Sie Ihren Kommentar unten, oder trackback von der eigenen Seite. Sie können auch Comments Feed via RSS.

Seien Sie nett. Halten Sie es sauber. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

Sie können diese Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dies ist ein Gravatar-enabled weblog ist. Um Ihre eigene weltweit anerkannte bekommen-Avatar, registrieren Sie sich bitte an Gravatar.