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Reeperbahn Campus 2013 tritt Nachfolge zur Popkomm an

Auf dem Spielbudenplatz war zum Reeperbahn-Festival und Campus jede Menge los. Schon morgens standen die Delegierten in einer langen Schlange, um sich zu akkreditieren.

Auf dem Spielbudenplatz war zum Reeperbahn-Festival und Campus jede Menge los. Nicht nur nachts, sondern auch schon morgens standen die Delegierten in einer langen Schlange, um sich zu akkreditieren.

Aus den Trümmern der Berliner Popkomm kämpfen drei Musikmessen um die Nachfolge zum repräsentativsten Musikwirtschafts-Branchenevent: Die c’n’b in Köln, die Berlin Music Week in – logisch – Berlin und der Reeperbahn Campus in Hamburg. WeCAB.info sagt, warum vor allem Letzterer dieses Jahr die besten Karten hatte, zur neuen Popkomm zu werden, und was der Erfolg über die Zukunft der Musikwirtschaft aussagt.

 

Es ist 9.30 Uhr morgens und ich stehe in einer Schlange, um mich für den Reeperbahn-Campus anzumelden. Alleine schon dieser Eindruck spricht Bände. In den letzten fünf Jahren war auf den meisten Musikwirtschafts-Events doch eher eine gewisse Leere zu verzeichnen, schwindende Teilnehmerzahlen, Nullinteresse aus dem Ausland. Und das dokumentierte damit auch die schwindende Relevanz der Musik-Branchenevents selbst. Aber hier, im Akkreditierungszelt des Reeperbahn-Campus, direkt vor den „tanzenden Türmen“, zwei gerade erst eröffneten Bürotürmen, die auch für Messe-Veranstaltungen genutzt werden, stehe ich an und warte geduldig auf mein Festivalbändchen.

Schlangestehen war bei der Popkomm fast schon ein Messeritual

Die Warteschlange ist ein gutes Zeichen, das jemand, der zu den Glanzzeiten der Popkomm nicht auf der damals größten Musikmesse war, vielleicht nicht ganz einordnen kann: Das Schlangestehen bei der Akkreditierung zur Popkomm war eigentlich schon fast ein Messeritual, das schon mal eine gute halbe Stunde im Anspruch nehmen konnte. Ein Zeichen für den Erfolg und die Relevanz einer Messe, die sich zu ihrer Hochzeit, Ende der 90iger Jahre, anschickte selbst die Midem in Cannes zu überholen. Nun stehe ich also hier in der Schlange in Hamburg, statt in Köln oder Berlin und die mich umringenden Dänen, Schweden, Engländer oder sogar Kanadier zeigen ebenfalls, dass der Reeperbahn Campus sein internationales Renommee gegenüber dem bereits guten Vorjahr noch weiter verbessern konnte.

 

Nicht nur viele Showcase-Konzerte, ssondern auch viele Panels und Info-Veranstaltungen warteten auf die Teilnehmer.

Nicht nur viele Showcase-Konzerte, ssondern auch viele Panels und Info-Veranstaltungen warteten auf die Teilnehmer.

Obwohl die Schlange jetzt schon ein gutes Stück über den Anfang des Zeltes hinauswächst, beträgt die Wartezeit keine fünf Minuten, was ein weiterer Grund für den Erfolg der Messe ist: die Organisation funktioniert. Vielleicht ist es nicht die schlechteste Wahl, professionelle Veranstaltungsfachkräfte aus der Konzertbranche so eine Branchenmesse stemmen zu lassen, denn die Abläufe sitzen einfach. Die mittlerweile sieben verschiedenen Veranstaltungsorte in denen sich „Music Industry Professionals“ und solche die es werden wollen, treffen, sind gut ausgewählt: vom plüschig-klassischen Schmidt-Theater bis zur modernen „Osborne Clarke-Lounge“ oder dem neu hinzugekommenen Opperettensaal, alle Orte direkt an der Reeperbahn selbst. Zentraler Dreh- und Angelpunkt für persönliche Gespräche ist jedoch eher die Lobby des Arcotel Onyx, die für drei Tage zum inoffiziellen Meeting Point des Festivals wird.

Böse Zungen sagen, dass die Musikwirtschaft nun mit dem Austragungsort Reeperbahn endlich dort angekommen sei, wo sie eh schon längst hingehört. Aber diese Leute haben dann wohl auch nicht mitbekommen, dass das ehemalige Hamburger Rotlichtviertel mittlerweile zu einer modernen Feier- und Kulturmeile umfunktioniert wurde, die statt schummriger Tabledance-Schuppen eher angesagte Musikkneipen, Restaurants und andere kulturell höchst anspruchsvolle Locations vereint. Waren die anderen „Wannabe“ Nachfolger der Popkomm, c’n’b oder Berlin Music Week , meist in einem klinisch-tristen Arbeitsmessen-Setting beheimatet, so steht die Reeperbahn wie auch die Musikwirtschaft selbst unter dem Zeichen einer dauerhaften Modernisierung und Umstrukturierung – und der Spaß daran darf letztlich auch nicht zu kurz kommen. Insofern passt die Reeperbahn als Location genau zum aktuellen wiedererstarkten Aufbruchsfeeling der Messe.

3000 Kongressbesucher kommen zum Erfahrungsaustausch und zum Networking

So kamen also über 3.000 Kongressbesucher zum Erfahrungsaustausch oder um das sehr hochwertige Kongressprogramm zu besuchen, welches thematisch erneut weit über die Grenzen der Musikwirtschaft ausgeweitet wurde. Neben den typischen DIY (“Do It Yourself“)- und Crowdfunding-Panels stellte zum Beispiel der Bundesverband deutscher Konzertveranstalter bdv seine empirischen Daten zum Konzertmarkt 2012 vor, ein GEMA-Vertreter durfte sich zum Thema C3S äußern – die alternative Verwertungsgesellschaft wurde in Hamburg sogar offiziell gegründet. Auch der Spielstättenprogrammpreis der Initiative Musik wurde parallel zur Eröffnung des Reeperbahn-Campus verliehen. Eine clevere Veranstaltungsortwahl, garantiert diese doch, eine ziemliche Konzentration von Fachpresse und Branchenteilnehmern vor Ort.

 

Auch die Location für den Kongress war besser gewählt als bei anderen deutschen Branchenveranstaltungen.

Auch die Location für den Kongress war besser gewählt als bei anderen deutschen Branchenveranstaltungen.

Aber neben diesen Veranstaltungen wurde klar, dass die thematischen Grenzen des Kongresses deutlich über den Tellerrand des Kerngeschäftes Musikwirtschaft hinaus geschoben wurden. Fast die Hälfte der Panels befasste sich mit Digitalisierung und Kreativwirtschaft: Workshops zu App-Herstellung, Computerspielen, Big Data, aber auch Profile wie die Vorstellung der Arbeitsweise der Spiegel-Online Redaktion gehörte zum Themenportfolio des Reeperbahn-Campus. Die Vielzahl der Panelthemen brachte so manchen Terminkalender sehr schnell zum Glühen und nicht jedes Panel war so erleuchtend wie es versprochen würde. Insofern macht Masse hier noch lange keine Klasse, aber das war – neben der indiskutablen Panelübersicht auf der Reeperbahnseite – schon der einzige Pferdefuß, der zu finden war.

Eines ist letztendlich aber klar: der Reeperbahn-Campus versucht mittelfristig von einer Musikwirtschaftsmesse zu einer Gesamt-Kreativwirtschaftsmesse zu transformieren, versucht die Bereiche “Print”, “Games” und “Internet” mitzunehmen, was in Zeiten der Digitalisierung, des Medienumbruchs und der Medienkonvergenz durchaus verständlich ist. Wenn das Wachstum weiterhin dabei, wie bisher, organisch-natürlich verläuft und nicht mit dem Brecheisen herbeigebetet werden sollte, sollte dem wohl nichts entgegenstehen.

Wir sehen uns 2014 in Hamburg!

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