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Streaming-Markt Teil 1: Debatte um Einnahmen reißt nicht ab

Die Kritik an Streamingmodellen und vor allem den niedrigen Lizenzzahlungen durch Streamingplattformen wie Spotify oder auch YouTube hört nicht auf. Vor allem Künstler befürchten, bei der Nutzung ihrer Musik zu schlecht entlohnt zu werden. Jetzt will ein schwedischer Musikverband gegen niedrige Streaming-Lizenzen klagen.

Bei Streaming kommen höchstens die berühmten "Lousy Pennies" herum: Die Befürchtung vieler Musiker hinsichtlich ihrer Lizenzeinnahmen.

Die Befürchtung vieler Musiker hinsichtlich ihrer Lizenzeinnahmen: Beim Streaming geht es lediglich um lausige Pennies. Foto: istockphoto.com

Beinahe sah es so aus, als seien die schlechten Schlagzeilen für Spotify ausgestanden. Der Streaming-Marktführer sah sich schon auf der Gewinnerspur, nachdem er sich in den letzten Monaten wiederholter Kritik von Künstlern erwehren musste. Die Künstler kritisierten, dass sie mit Spotify kein Geld verdienen könnten. Die Branchendaten sahen – zumindest was den Umsatz angeht – hervorragend aus, neues Venture Kapital konnte akquiriert werden und die Diskussionen um zu niedrige Tantiemen für Künstler und Label schienen abzuebben.

Dann aber schoss Kultmusiker und Radiohead Frontmann Thom Yorke gegen Streaminganbieter allgemein, und zog seine Soloplatte „The Eraser“ sowie sein Seitenprojekt „Atoms For Peace“, aus dem Service zurück. Yorke meinte, „es sei eine kleine und sinnlose Revolution“, schlug damit aber verhältnismäßig hohe Wellen. Große Teile der europäischen Musikpresse bis hin zum britischen Guardian berichteten über den Protest. Yorke erklärte, der Schritt sei als Solidarität mit jungen Musikern zu werten, die es sich gut überlegen sollten, bevor sie ihre Musik bei Spotify verfügbar machen.

Stehen durch Streaming viele Musiker monetär mit dem Rücken zur Wand? Thom Yorke ist einer profiliertesten Kritiker der Streaming-Plattformen wie Spotify. photo credit: XL Recordings

Werden Künstler durch zu niedrige Streamingeinnahmen eingeengt? Thom Yorke ist einer profiliertesten Kritiker der Streaming-Plattformen wie Spotify.
Foto: XL Recordings

Der Rückzug des Spotify-Verweigerers Yorke wirkt um so heikler, als dass Yorkes Hauptprojekt Radiohead sich mit seinem Pay-What-You-Want-Experiment für ihr Album „In Rainbows“ sehr offen gegenüber neuen Verwertungsmethoden gezeigt hatte. Streaming wurde ebenfalls ausprobiert, hat aber den Test des innovationsfreundlichen Musikers wohl nicht bestanden. Als zweiter hing sich Talking Heads Mastermind David Byrne ebenfalls an Yorkes Seite und schrieb im Guardian, das Internet sauge die Kreativität aus der Welt. Byrne zog ebenfalls einen großen Teil seiner Aufnahmen aus den Streamingplattformen zurück und fragte: „Sind Streaming Services böse? Sind sie nicht lediglich eine neue, legalisierte Form von Filesharing-Plattformen wie Napster oder Pirate Bay?“
Ganz einig sind sich jedoch auch die Topverdiener unter den Künstlern nicht. Die Meinung anderer Künstler, wie beispielsweise Dave Stewart, fiel dagegen positiver aus. Stewart sagte, es stünden lediglich zu viele Mittelmänner zwischen Künstlern und ihren Einnahmen, die sich zu hohe Tantiemen genehmigten. Dies sei der Grund, warum Künstler kaum etwas über Streamingdienste verdienen würden.

Ebenfalls beschäftigte sich die Musikwirtschaft selbst mit dem Businessmodell „Streaming“. Das Branchenfachblatt Musikwoche  befragte im September seine Leser, wie sie die Entwicklung der Streaming-Einnahmen und das Modell einschätzen. Weniger als zehn Prozent der Branche freuten sich über den positiven Verlauf der Einnahmen, über 55 Prozent zeigten sich dagegen wegen möglicher Kannibalisierungs-Effekte durch Streaming besorgt. Der Rest wies darauf hin, dass Streaming aktuell noch nicht mal vier Prozent der Musikumsätze ausmache – im konservativen deutschen Markt, wohlgemerkt.

Spotify Werbespruch: "All the music - all the time". Gut für die Hörer, schlecht für die Musiker?

Spotify Werbespruch: “All the music – all the time”. Gut für die Hörer, schlecht für die Musiker?

Gerade in Schweden, dem Mutterland des Streaming-Marktführers Spotify, geht der Streit jetzt in die nächste Eskalationsstufe: Die schwedische Musikergewerkschaft MUSIKERFÖRBUNDET plant gegen die Streamingnutzung prinzipiell zu klagen. In einer Sammelklage will man erreichen, dass Titel ihrer Mitglieder von den Streamingplattformen genommen werden, um die Lizenzen nochmal komplett neu auszuhandeln. Der Anwalt der Musikergewerkschaft Per Herrey vergleicht die Einnahmen mit den branchenüblichen Lizenzeinnahmen im Radio, und kritisiert nicht nur die Höhe, sondern auch die Aufteilung der zu erzielenden Lizenzen. Deswegen richtet sich die geplante Klage auch gegen die Majorlabel Warner und Universal, die zusätzlich selbst Anteilseigner bei Spotify sind. Gerade in älteren Verträgen würden Digitalverkäufe zu ungünstigen, veralteten Konditionen abgerechnet. Die Branchenzeitschrift MUSIKMARKT verweist auf eine Klagewelle amerikanischer Bands wie Rob Zombie, The Temptations oder den Allman Brothers von 2009 bis 2012, die ihre Major-Verträge damals nachverhandeln wollten, weil die digitale Auswertung von Portalen wie iTunes in ihren Verträgen nicht spezifiziert wurde. Viele dieser Klagen gingen erfolgreich aus, und veraltete Lizenzsätze wurden an heutiges Niveau angepasst. Deswegen gibt sich auch MUSIKERFÖRBUNDET mit ihrer Klage optimistisch. Doch auch bei einer erfolgreich nachverhandelten Lizenz reicht momentan vielen kleineren Künstlern der erzielbare Erlös durch Streaming kaum – womit wir wieder bei Thom Yorkes Position wären.

Gibt sich skeptisch gegenüber den neuen Auswertungsmethoden im Netz: Musiker-Urgestein David Byrne, photo credit: Manuel Pacera

Gibt sich skeptisch gegenüber den neuen Auswertungsmethoden im Netz: Musiker-Urgestein David Byrne. Foto: Manuel Pacera

Neben diesen ganzen Lizenzstreitigkeiten mit offenem  Ausgang ist auch die Finanzierung Spotify’s auf Dauer nicht gesichert. Nachdem man sich Anfang 2013 eine neue Venture-Kapitalfinanzierung sichern konnte soll das Geld aufgrund des aggressiven Expansionskurses schon wieder aufgebraucht sein. Es mehren sich die Stimmen, die von einem unverhältnismäßigen „Cash-Burn“ sprechen, also von einer Geldverschwendung durch den riskanten Expansionskurs des schwedischen Marktführers. Und auch die Majorlabel täten gut daran in ihren Deals mit Spotify Transparenz zu schaffen, bevor die bisher wenig lukrative Spotify-Firmenbeteiligung noch zum PR-Bumerang wird.  Es bleibt also spannend auf dem Streamingmarkt.

Eine These wie sich der Streamingmarkt in Zukunft sinnvoll sortieren könnte, gibt es in Kürze auf WeCAB hier.

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