News

Neues aus der Musikwirtschaft

Kreativität

Alles zwischen Inspiration
und Kunstprodukt

Kommerz

Von Backsteinen zum
Big Business

Konzept

Über „Das Netzwerk“
– und wie man es erschafft

Kontroverses

Political Correctness?
Aber nicht hier!

Home » Kommerz, Konzept

Plattenladenwoche 2013 – auch in Bochum ein Erfolg

90 Events, 110 teilnehmende Läden in 70 Städten in Deutschland, prächtiges Pressefeedback: Jörg Hottas, der Geschäftsführer des Einzelhandelverbands AMM ist zufrieden mit der Plattenladenwoche 2013. “Die fünfte Plattenladenwoche war ein großer Erfolg, ohne Wenn und Aber. Und auch das Schwerpunktthema ‘Jazz’ ist aufgegangen.“ Eines der 90 Events lockte in Bochum die Kunden in den Plattenladen: ein Konzert mit Patric Siewert.

Ein Konzert mit Patric Siewert lockte die Menschen in den Bochumer Plattenladen. Foto: Musicpoint

Ein Konzert mit Patric Siewert lockte die Menschen in den Bochumer Plattenladen. Foto: Musicpoint

Feinste Jazzklänge schallen durch die City-Passage in der Bochumer Fußgängerzone. Passanten laufen neugierig der Musik hinterher, doch nur wenige trauen sich schließlich auch hinein in den Plattenladen von Christoph Reinmuth. Drinnen, im Music Point, stellt E-Bassist Patric Siewert sein neustes Jazz-Album vor. Live, mit Band vom Band. Siewerts einfühlsame Jazztitel bewegen das Publikum, der Sound seines Basses füllt den Raum, Stücke wie „Tune for Toskana“ gehen unter die Haut. Doch vielleicht ist es zu schwere Kost für einen Mittwoch-Nachmittag – denn nur wenige bleiben stehen und lauschen.

Für Christoph Reinmuth erfüllen die In-Store-Konzerte einen besonderen Zweck: „Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir noch da sind. Wir können es uns eben nicht leisten jede Woche seitenweise Anzeigen zu schalten, wie große Ketten.“ Ein Effekt der Plattenladen-Woche sei schon spürbar, die Special-Editions, die extra dafür herausgegeben werden, würden sich sehr gut verkaufen. „Ansonsten sind die In-Store-Konzerte eher ein Minusgeschäft, weil die Kunden die zum Konzert kommen, nicht unbedingt auch einkaufen. Aber wer nicht wirbt, der stirbt“, sagt Reinmuth.

Auch Schlagersänger Michael Kern war während  der Plattenladenwoche zu Gast im Musicpoint. Foto: Musicpoint

Auch Schlagersänger Michael Kern war während der Plattenladenwoche zu Gast im Musicpoint. Foto: Musicpoint

Das Konzert mit Siewert ist nur eine Veranstaltung, die Werbung für den Laden in den Bochumer City bringen soll. Zu Gast waren auch die Jazzsängerin Nikola Matern, sowie der Bochumer Schlagersänger Michael Kern. „Bei Kern platzt der Laden aus allen Nähten“, sagt Reinmuth.

Vor zwölf Jahren hat Christoph Reinmuth den Laden übernommen, nachdem er schon eine Weile dort gearbeitet hat. „Ich versuche den Kunden beste Beratung zukommen zu lassen und mich dadurch von den Ketten abzuheben.“  Treue Stammkunden danken es ihm. „Ich lebe von diesen Stammkunden, sie machen rund 80 Prozent meiner Kundschaft aus.“

Ein Vollsortiment kann Christoph Reinmuth nicht mehr anbieten – und auch das Argument, dass er alles bestellen kann, zieht bei den Kunden nicht mehr. „Das können sie selbst.“  Der Bochumer setzt hingegen auf kompetente und individuelle Beratung. „Natürlich kann ich verkaufen, aber nicht auf Biegen und Brechen. Ich möchte, dass die Kunden sich gut aufgehoben fühlen und wiederkommen“, sagt der Geschäftsmann. Interessant ist, dass es laut Reinmuth, nicht die Download-Shops oder Streaminganbieter sind, die ihm Kunden abspenstig machen. „Der Online-Handel macht uns das Leben schwer. Viele Kunden bestellen nur noch online.“ Vertriebsexperte Jochen Arlt schätzt den aktuellen Amazon Marktanteil auf momentan 30 bis 40 Prozent.

Christoph Reinmuth liebt seinen Job. Foto: Esther Mai

Christoph Reinmuth liebt seinen Job. Foto: Esther Mai

Auch wenn die Plattenkäufer heute nicht mehr so zahlreich in seinen Laden kommen – Christoph Reinmuth liebt seinen Job. „Wenn ich das hier nur wegen des Geldes tun würde, dann hätte ich schon vor fünf oder sechs Jahren schließen müssen“, sagt der Bochumer Geschäftsmann. Jedoch hängt er am Laden und auch an den Kunden. „Ich konnte mir niemals vorstellen, bei einer Kette als Verkäufer anzufangen“, sagt er.

Vinyl verkauft sich bei ihm im Laden derzeit am Besten,  Pop und Mainstream brechen komplett weg. „Diese Alben machen gerade mal noch einen Marktanteil von einem Prozent aus.“ Klassik und Jazz laufen hingegen gut. Auch eine Bestätigung für das Motto der Plattenladen-Woche – Jazz ist beliebt bei den Käufern.

“Das alles fügt sich in eine positive Gesamt-Entwicklung ein: Aus vielen Läden bekommen wir seit einiger Zeit wieder stabile Wachstumssignale, der Vinyl-Markt entwickelt sich in einem Tempo, das sich vor zwei Jahren noch niemand vorstellen konnte. Zu dieser Entwicklung haben wir sicher einen kleinen Teil beigetragen. Vor allem aber ist dank der Plattenladenwoche mittlerweile einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, dass es Plattenläden noch gibt – und dass sie ein wirkliches Kulturgut sind. Dafür möchte ich mich auch im Namen der Händler bei allen beteiligten Künstlern und der gesamten Branche für die große Unterstützung bedanken“, sagt Organisator Jörg Hottas.

Schlagwörter: , , ,

Leave a comment!

Fügen Sie Ihren Kommentar unten, oder trackback von der eigenen Seite. Sie können auch Comments Feed via RSS.

Seien Sie nett. Halten Sie es sauber. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

Sie können diese Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dies ist ein Gravatar-enabled weblog ist. Um Ihre eigene weltweit anerkannte bekommen-Avatar, registrieren Sie sich bitte an Gravatar.