WeZAP: Sonntag 19.05 auf RTL “Jenke: Im Bett von Kim Dotcom”

Am Sonntag um 19.05 Uhr sendet RTL “Jenke – Ich bleib über Nacht: Im Bett von Kim Dotcom”. Der Trailer läuft momentan auf RTL, oder ist auf RTL.de zu sehen.

Jetzt habe ich es verstanden. Der Programmchef von RTL ist ein heimlicher Fan von Edward Snowden. Leider kann er mit diesem Mann nicht so einfach eine Homestory drehen, denn Snowden ist in Moskau und die Amerikaner wollen ihm ans Leder. So was Dummes!

„Macht nix“, dachte sich der Programmchef, „dann nehm ich eben einen anderen Promi, der eine Auslieferung in die USA befürchtet, dann nehm‘ ich eben … Kim Dotcom! Wir behalten den Plan mit Snowden im Auge und wenn die Quote gut ist, und sich die Rundfunkaufsicht nicht zu sehr aufgeregt hat, fragen wir in Moskau nochmal an.“

Kim Dotcom passt in vielerlei Hinsicht gut zu RTL, denn er ist vor allem MEGA. Ein Internetfuzzi, der in der Hackergemeinde eine persona non grata ist, ein selbsternanner König, ein halbseidener Investor, dessen Geschäftsmodelle stets haarscharf an der strafrechtlich relevanten Grenze entlangsurften, ein Typ mit Jachten und Frauen in Bikinis. Er ist doppelt so breit wie jeder Investigationsjournalist, kann also nicht aus dem Fokus geraten und er ist eine schillernde Persönlichkeit. Ein 1/4 Promi mit 1 ¾ Körpermaßen. Und der “geniale Hacker” (O-Ton RTL-Trailer) Kim hat eine gaaanz traurige Geschichte zu erzählen. „Gejagt vom FBI sitzt er in einem goldenen Käfig am Ende der Welt” (O-Ton RTL) und leidet auf hohem Niveau. Ein ziemlich dickes Vögelchen in einem brilliantenverzierten Goldkäfig mit allerlei juristischem Gegenwind. Zwangsläufig ein schräger Vogel sozusagen. Darin gleicht er dem Journalisten Jenke, der die Homestory mit Kim Schmitz in dessen 5000 Quadratmetern Villa drehte.

RTL zeigt Kim Schmitz in seiner privaten Umgebung und fragt: Krimineller oder genialer Computerfreak? Foto: Screenshot

Kim Schmitz und Schmitzchen. Entscheiden sie jetzt: Mit wem haben sie mehr Mitleid? Foto: Screenshot

Jenke, der bisher durch investigative Selbstfindungsformate wie “7 Tage Saufen” aufgefallen ist, oder sein letztes Werk, den Versuch in einer Amsterdamer Klinik die weiblichen Kontraktionen einer Geburt nachzuvollziehen. Sein Fazit zu dieser Erfahrung: “Ich habe völlig die Kontrolle über meinen Körper verloren.” Wir können gespannt sein, ob das Übernachten in einem der Kingsize-Betten seines übergewichtigen Gastgebers ähnlich bahnbrechend wird.

Schmitz kann also nicht nach Hause, in seine Heimat Plön (bei Kiel), weil die Amis ihm ans Leder wollen. Sie haben seine Konten eingefroren und beschuldigen ihn, mit Megaupload durch die Verbreitung von digitalen Raubkopien Hunderte Millionen US$ erwirtschaftet zu haben. Kim Schmitz muss also am Ende der Welt hocken, am weitesten von Deutschland entfernten Punkt auf dem Globus und kann sich telegen bei Jenke beschweren, dass die Amerikaner ihn wie einen Terroristen behandeln und mittels PRISM sogar seine Kommunikation überwacht haben.

2 schräge vögel in einem Käfig. Soviel Suspense gibt es sonst nur bei Hitchcock! Foto: Universal

Zwei schräge Vögel in einem Käfig. Soviel Suspense gibt es sonst nur bei Hitchcock! Foto: Universal

Ich finde nicht, dass man sich die Selbstinszenierung von Schmitz ansehen muss. Viel spannender wird es hingegen zu sehen, ob sich Investigativdarsteller Jenke durch seine Experimente nicht nur seiner Körper-, sondern auch der letzten journalistischen Hirnfunktionen beraubt hat. Ob wir neben Fragen zu Kim Schmitz‘ Kindheit auch noch kritische Fragen zu seinen Plattformen Megaupload, Megavideo, Megapics, Megaporn oder jizz.com zu hören bekommen werden? Mit genau diesem Geschäftsmodell saugte nämlich „der geniale Hacker“ (O-Ton RTL) Kim Schmitz Geld bei allen Kreativwirtschaftsbranchen der Welt durch „zufälligerweise“ auf seinen Plattformen stattfindende Piraterie ab. Dazu gehören Musik, Film, Software, und nicht zuletzt auch TV-Formate – auch die von RTL. Diese müssen bekanntlich mit immer weniger Budget durchgezogen werden. Deswegen sollte man sich „Im Bett mit Kim Dotcom“ auf jeden Fall für Sonntag vormerken: Denn nur bei Jenke gibt es gleichzeitig Ursache und Wirkung von TV-Qualitätserosion in einem Format zu sehen!

Das ist wirklich virtuos verschachtelte Medienkritik – dank RTL!

Wir stellen schon mal das Popcorn bereit.

Mehr zum Thema? Hier geht es zur Fernsehkritik von Mathias Hornschuh und unserem Live-Blog.

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  1. Pingback: Besser verpassen: Kim Dotcom morgen bei RTL

  2. Der Jecke ist auch als Flüchtling im Boot nach Lampedusa mitgefahren…..unfassbar was RTL sich noch ausdenken mag.
    Ich sehs mir NICHT an. Nach jahrelanger Arbeit bei denen bin ich endgültig geheilt.

  3. virtuos verschachtelte Medienkritik? Hui wassn Wortgebilde!

    Interessanter Beitrag und sollte zur Schulung der Medienkompetenz an Schulen (etc.) genutzt werden.

    Jenke gibt sich hier den Anstrich der investigativen und seriösen Berichterstattung. Unterstellen wir mal, dass die Inhalte nicht gestellt/inszeniert sind, sondern höchstens (einzelne) Bilder. Trotzdem ist eine tendenziöse Berichterstattung gut zu erkennen, wenn man ein wenig genauer schaut und hört. Jenke nimmt auf den rechtlichen Themenkomplex kaum Bezug und verweist immer darauf, dass dieses “andere” bewerten müssen. Soweit so gut. Er stellt Kim Dotcom sogar kritische Fragen und verweist auf dessen Ausführungen mit dem Begriff “Verschwörungstheorien”. Die Art der “Doku”, Schnitt und Aufbau sind aber trotzdem wertend! Die Familie und die Angestellten werden als Opfer der Razzia dargestellt, ohne auf das begangene Unrecht von Dotcom hinzuweisen –> Opferrolle.

    Naja: Bestimmt ist es zu viel verlangt von RTL Journalismus zu erwarten!

    Guß
    F.

    • ” Trotzdem ist eine tendenziöse Berichterstattung gut zu erkennen, wenn man ein wenig genauer schaut und hört. Jenke nimmt auf den rechtlichen Themenkomplex kaum Bezug und verweist immer darauf, dass dieses “andere” bewerten müssen.”

      Also unter Journalismus verstehe ich dann aber, dass man sich dann auch andere Parteien aussucht, die dann die Anklage bzw. den Vorwurf genauer erklären können. Das ist nicht mal im Ansatz versucht worden, sondern Jenke hat lediglich den Kim Schmitz erzählen lassen, und als er dann mit seinem Viertelwissen überfordert war, den Notizblock zugeklappt. Journalismus ist was anderes. Das Thema kann man eben nicht mal im Nebenbei beim Schwänefüttern (!) oder Videospielen abhaken. Oder genauer gesagt: Doch, RTL kann das!