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Raubkopieportal will EU-Konsultation zum Urheberrecht kapern

gefakter Aktivismus

*****.to wirbt dafür die EU-Konsultation zur Reform des Urheberrechts zu fluten.
Photo: Screenshot


Ein bekanntes Raubkopieportal veröffentlicht auf seiner Startseite einen Aufruf, die EU-Konsultation zur Reform des Urheberrechts zu Gunsten parasitärer Geschäftsmodelle zu beeinflussen. Spätestens jetzt ist klar, dass beim Astroturfing zur Urheberrechtsrichtlinie die Interessen von Plattformen verteidigt werden sollen, die mit Werken anderer Geld verdienen, ohne deren Urheber zu vergüten.

movie2k.to machte es vor

Dieser Versuch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, ist nicht der erste seiner Art. Schon im Juni letzten Jahres leitete der mittlerweile umgezogene Raubkopie-Verteiler movie2k.to seine Domain auf die Website der Piratenpartei um. In verdächtiger Geschwindigkeit zogen die Piraten eigens eine Landingpage hoch, welche Wähler fangen sollte, die weiterhin illegal und kostenlos Filme, Serien, Dokumentationen und Porn streamen wollten. Wir haben den Vorgang damals ausführlich kommentiert.

Andersdotter legt vor *****.to legt nach

AM Logo unschwer zu erkennen. Die Aktion wurde im Umfeld des Chaos Computer Clubs erstellt.

Am Logo unschwer zu erkennen – die Aktion wurde im Umfeld des Chaos Computer Clubs erstellt.

Als nun die Europäische Kommission ihre Konsultation zur Reform des Urheberrechts startete, begann Amelia Andersdotter, Europaparlamentsabgeordnete der Piratenpartei, mit einem ersten Versuch, diese Konsultation mit massenhaften Einsendungen von Netzaktivisten zu behindern. Dafür erstellte sie eigens Musterantworten für den 80 Fragen umfassenden Katalog der Konsultation und riet sogar davon ab, kerngleiche Antworten zu geben, weil die EU abgeschriebene Antworten nachrangig bewerte. Die Musterantworten á la Andersdotter waren in diesem Stadium schon eindeutig in Richtung parasitärer Portale, wie dem stillgelegten kino.to, ausgeführt. Allerdings reichte dieser Antwortkatalog scheinbar nicht aus, die Hürden zur Beteiligung niedrig genug zu gestalten, um auch den gemeinen Clicktivisten zu mobilisieren.

Usability makes the Astroturf

Astroturfingsite

Die Landingpage der Astroturfing-SIte.
Photo: Screenshot

Die nun von *****.to gestartete Kampagne ist hinsichtlich der Usability (Benutzbarkeit) einige große Schritte weiter. Klickt ein Nutzer auf das Kampagnen-Banner landet er auf einer Website, die ihn äußerst komfortable durch die Beantwortung der Konsultation führt. Dieser Service wurde offenbar im Rahmen des 30. Chaos Communication Congress erstellt und lässt dem Nutzer die Wahl zwischen einer Reihe von vermeintlichen Problemen des Urheberrechts. Hat der Nutzer seine Probleme via Multiple-Choice ausgewählt, wird er zu Antwortfeldern geführt, in denen er ausgewählte Fragen der Konsultation beantworten kann. Natürlich gibt es hier “Hilfestellungen” in Form von Hinweisen, wie die Fragen “idealerweise” beantwortet werden sollten. Anschließend kann bequem von dieser Website aus ein PDF aus den Antworten generiert und an die Kommission versandt werden.

Versinkt eine EU-Konsultation in der Nutzlosigkeit?

Dieser Versuch, die Kommission mit einer großen Masse an scheinbar unorganisierten Meinungen zu fluten, könnte allerdings auch nach hinten losgehen. War der Ansatz von Andersdotter bisher bloß zweifelhaft hinsichtlich ihrer Einstellung zur unabhängigen Meinungsbildung in der Kommission, so ist an diesem Vorstoß der *****.to-Betreiber eindeutig erkennbar, dass das Astroturfing der Netzszene, vor allem ihrem bisher illegalen Geschäftsmodell helfen würde.
Ernsthafte Aktivisten, denen es tatsächlich um eine wie auch immer begründete und ausgerichtete Reform des Urheberrechts geht, werden durch solche Aktionen beschädigt. Zusammen mit dem immer stärker werdenden Lobbying der Netzkonzerne könnte der Eindruck entstehen, dass hier keine Bürgerrechtsbewegung mehr für ihre Rechte kämpft, sondern nur noch Pseudoaktivisten für die Interessen der Netzkonzerne mobilisiert werden. Es bleibt zu hoffen, dass dies der Netzszene ebenfalls klar wird.

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10 Comments »

  • Liebe Leute, die sind überhaupt nicht das Problem sondern, die ” Hilfe” mit vorgefertigten Antworten, welche seit Wochen über die üblichen ” seriösen” Kanäle verbreitet werden. Aber das ganze ist ebenso seit Wochen thematisiert, und die Urheber sind meines Wissens nach mal wieder nicht in der Lage sich vernünftig dazu zu organisieren. Und wenn Schluß ist mit der Befragung , und die Ergebnisse entsprechend des Engagements der ” Freiheitskämpfer” bewertet werden, wird das Geschrei der Ungerechtigkeit bei den Urhebern wieder groß sein. Irgendwann ist dann aber auch Schluß damit, dass nur eine kleine Gruppe den Kopf dafür hinhält, weil die Urheber nichts tun, oder Unfähigkeit sind, Netzwerke zu pushen, oder die Menschen aktiv zu unterstützen, welche für deren Interessen einstehen. Ich bin gespannt, sollte es so kommen, wie ich vermute, hält sich mein Mitleid dann aber wohl im Grenzen.

  • Das sehe ich etwas anders Angelo.
    ….to aktuell Platz 36 im Alexa Ranking in Deutschland.
    Zur Einordnung, Platz 35 Microsoft.com, Platz 35 Die Welt.de.
    Netzpolitik.org Platz 6.354.
    Dreimal darfst Du raten, wo mehr geklickt wird.

  • Na ein Klick allein, tut es dann ja doch nicht ganz. Inwieweit der durchschnittliche ….to Nutznießer die Energie aufbringt etwas auszufüllen, und dies auch noch mit Klarnamen, kann ich nicht einschätzen. Ist auch nur mein sekundärer Punkt. Man muss einfach mal feststellen, dass die Kreativen es nicht schnallen, dass Sie etwas tun müssen. Auf EU ist die Möglichkeit xtrem eingeschränkt, dass Einzelkämpfer noch was stemmen können. Insofern, ob Sich überhaupt noch welche finden, die sich das antun wollen.

  • Letztlich weiss doch niemand, wie man zu der Copywrong Seite kam. Daher ungefährlich.
    Es steht außer Frage, dass bei einer Webseite wie ….to mehr Steinchen im Sieb hängen bleiben.
    Wer sagt Dir, dass die Kreativen nichts machen? Ich kenne mehrere Verbände, die sich sehr intensiv damit beschäftigen. Das ist subjektiv keine Frage, aber es widerspricht der Einzelkämpferthese.

  • na ich hab halt ein Ohr bei der Sache auf EU Ebene, und wärend es auf den einen Ohr still ist, bin ich auf den anderen Ohr schon taub. Bei der Anhörung sind keine Verbände gefragt, sondern die pure Masse. However, ich würde mich freuen, wenn meine Prognose nicht zutrifft, aktuell sehe ich aber nicht, das dem so sein wird

  • Sehe ich auch nicht. Es ist einfach ein ungleiches Spiel, Kreative die ohnehin sehr gern individuell entscheiden ob und wenn ja wie sie sich engagieren mit wenigen Verbänden und dann auf der anderen Seite wie Du sagtest einfach die pure Masse.

  • Angelo, nur dass ich es richtig verstehe: Du weisst bereits jetzt, wieviele Einsendungen und Rückmeldungen aufgrund der ganzen Initiativen eingegangen sind?
    Es würde mich in der Tat sehr wundern, wenn die EU da bereits Zwischenstände bekannt gibt.
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob sich die EU von vorformulierten Rückmeldungen beeindrucken lässt….

  • Angelo, nur dass ich es richtig verstehe: Du weisst bereits jetzt, wieviele Einsendungen und Rückmeldungen aufgrund der ganzen Initiativen eingegangen sind?
    Es würde mich in der Tat sehr wundern, wenn die EU da bereits Zwischenstände bekannt gibt.
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob sich die EU von vorformulierten Rückmeldungen beeindrucken lässt….

  • Na lass uns einfach ein paar Monate abwarten, jetzt ist es eh ums eck, Dann sieht man weiter.

  • Also ich werde mich nächstes WE einen Nachmittag hinsetzen, und diese Konsultation noch persönlich beantworten….

    das können alle anderen auch.

    Ich bin leider bei Angelo, und befürchte dass viele Künstler es verschnarchen werden…..

    Stefan

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