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Das Geheimnis Deines Erfolges – Folkert Koopmans von FKP Scorpio träumt von Rage Against The Machine

ByLarm2Wer steckt eigentlich hinter den deutschen Festival-Giganten Hurricane, Southside und M’era Luna? Und warum investiert ein Deutscher in Festivalmarken aus dem Ausland, wie Greenfield (Schweiz), Best Kept Secret (Niederlande), Northside (Dänemark) und Bravalla (Schweden)? Und was macht Folkert Koopmans von FKP Scorpio eigentlich so erfolgreich? 15 Festivals präsentiert er in ganz Europa und repräsentiert viele erfolgreiche Künstler mit seiner Booking-Agentur. Konzerte und Festivals am Fließband. Auf der 17. Ausgabe der by:Larm stellte sich der Hamburger Unternehmer den Fragen von Moderator Manfred Tari.

„Er ist ein wirklich netter Typ, der keine hohen Ansprüche stellt“, leitet Kristian Riis, Mitglied des Executive Boards der by:Larm, das Panel ein. Eigentlich wollte er nur kurz das Seminar anmoderieren, wurde aber gebeten auf der Bühne zu bleiben. Und wurde gleich von Moderator Tari gelöchert, wie der Stage-Rider von Koopmans aussehe. „Nein, er wünscht keinen Limousinen-Service. Wirklich nicht“, sagte Riis und lächelte seinen Freund Koopmans an.

Folkert Koopmans sagt, dass er zu alt sei, um mit Idioten zusammenzuarbeiten. Er muss seine Geschäftspartner mögen.

Folkert Koopmans sagt, dass er zu alt sei, um mit Idioten zusammenzuarbeiten. Er muss seine Geschäftspartner mögen.

Diese freundschaftlichen Geschäftsbeziehungen, wie er sie zu dem dänischen Unternehmer Riis pflegt, sind typisch für die Arbeitsweise von Folkert Koopmans. Und wahrscheinlich auch nicht ganz unschuldig am Erfolg des Unternehmers, der in Ostfriesland aufgewachsen ist. „Ich bin einfach zu alt, um mit Idioten zusammenzuarbeiten“, sagt Koopmanns. „Ich muss meine Geschäftspartner mögen. Das ist erstmal wichtiger als Geld. Das Geld kommt dann wie selbstverständlich dazu.“

Musikleidenschaft beginnt mit dem ersten Plattenspieler

Begonnen hat Koopmans Musikleidenschaft mit dem ersten selbstgekauften Plattenspieler. Lange Zeit sparte er, um sich diesen Wunsch mit elf oder zwölf Jahren zu erfüllen. „Damals habe ich dann eine Platte mit dazubekommen. “Fox On The Run” von “The Sweets”. Mein Musikgeschmack hat sich danach aber sehr schnell verbessert. Meine erste selbstgekaufte Platte war “Boys Are Back In Town” von “Thin Lizzy“, erinnert sich Koopmans.

Im örtlichen Jugendzentrum hat er dann begonnen erste Konzerte und Festivals zu organisieren. „Ich hab damals alles gemacht, Tickets verkauft, Parkmöglichkeiten organisiert. Später habe ich auch als Security oder Stagehand gearbeitet – und in meinem Heimatbereich Poster aufgehangen“, erzählt Koopmans. Geschadet habe ihm diese Erfahrung keineswegs, eher im Gegenteil. „Ich denke es war wichtig, dass ich alle Bereiche einer Veranstaltung kennengelernt habe.“

Viele Veranstalter und Promoter seien gescheiterte Musiker, erzählte Moderator Manfred Tari. Wie es denn bei Folkert Koopmanns aussehe, wollte er wissen. „Ich habe begonnen Gitarre zu spielen, aber ich war viel zu faul, um etwas zu erreichen.“

Inner Circle brachten Kopmanns den ersten großen Erfolg

Seine Firma FKP SCorpio gründete Folkert Koopmans 1990. Zusammen mit einem Assistenten veranstaltete er Reggae- und Blues-Konzerte, organisierte Tourneen für diese Bands. „Das wollte damals keiner machen. Unseren ersten großen Wurf hatten wir damals mit Inner Circle, die mit Sweat auf einmal einen Riesenhit ablieferten. Wir hatten damals die Booking-Rechte für Europa“, sagt Koopmans. Auch die Tour von Anne Clarke im Jahr 1990 sei ein Erfolg gewesen. Zum Glück, denn von Anfang an setzte der Hamburger Unternehmer sein eigenes Geld ein. „Ich hab damals ein Haus gekauft und darauf ein Darlehen aufgenommen.“ Keine schlechte Entscheidung, wie der heutige Erfolg zeigt.

Das erste Festival kam dann 1994 aufs Portfolio, das Midsummer Open Air für ein paar tausend Menschen. 1997 gab es dann die erste Ausgabe des Hurricane-Festivals in Scheeßel. „Ich hatte damals ausgerechnet, dass wir mit 12.000 Besuchern unseren breakeven haben würden. Wir hatten 20.000 Besucher und haben mit dem Festival kein Geld verdient. Also ist mit meiner Kalkulation damals irgendwas grundlegend falsch gelaufen“, sagt Koopmanns. Das zweite Hurricane wurde jedoch schon ein großer Erfolg. Auch in finanzieller Hinsicht. Die Besucherzahl ist mittlerweile von 20.000 auf 75.000 angewachsen, die Anzahl der Bühnen wurde von zwei auf vier erhöht. Das Zwillingsfestival Southside ist von 12.000 auf 60.000 Besucher gewachsen.

Zehn bis zwölf Millionen Euro stehen den Festivals als Budget zur Verfügung – auch um die Künstler zu buchen. Doch dreht sich nicht mehr alles ums Musikprogramm. „Heutzutage besteht unsere Hauptaufgabe darin, die Festivals nachhaltiger zu machen und für besseren Service zu sorgen.“ Service ist heutzutage viel wichtiger, als früher. „Früher war es den Menschen egal, wie der Campingplatz ausgestattet war. Das hat sich geändert.“ Auch im Bereich des Marketing habe sich im Laufe der Jahre einiges geändert. „Wir hängen keine Poster mehr auf. Und wir buchen keine Anzeigen in Printmagazinen mehr.“ Viel wichtiger seien die Social-Media-Kanäle geworden. Und die Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Besucher.

CTS Eventim ist bei FKP mit im Boot

Drei bis fünf Jahre dauert es, um ein Festival profitabel zu machen. Das Hultsfred-Festival in Schweden hat das nicht geschafft. „Nach drei Jahren habe ich entschieden, dass ich genug Geld verloren habe“, sagte Koopmans. Auch das Area4 wurde nach sechs Jahren wieder eingestellt. „Dort gab es einfach kein Wachstumspotenzial. Außerdem gab es dann noch Probleme mit der Stadtverwaltung. Deswegen haben wir uns für das Einstellen entschieden.“ Im Jahr 2000 kaufte sich dann CTS bei Scorpio ein. „Im Grunde hat sich für mich dadurch nichts geändert. Oder doch: unsere Buchhaltung ist viel besser geworden, weil wir alle drei Monate die Zahlen abliefern müssen. Außerdem unterstützen sie mich, wenn ich Großprojekte in Angriff nehme.“ Jedoch mischen sie sich nicht in die Entscheidungen von Koopmans ein. Auch müsse er selten Investoren bauchpinseln. „Ab und an fragen sie mal, ob ich jemanden rumführen kann. Aber das ist eher die Ausnahme. Mein Geschäft ist und bleibt die Musik.“

Scorpio ist nicht der einzige Festival- und Booking-Gigant in Deutschland. Tari möchte gerne wissen, ob sich Koopmans öfter mal mit dem Team von Marek Lieberberg oder Peter Rieger an einen Tisch setzt und Dinge bespricht. „Ja, das kommt auch mal vor, aber eher selten. Es besteht zum Glück noch immer eine gesunde Konkurrenz zwischen uns.“

Große Headliner-Acts zu buchen, wie beispielsweise Metallica, wird auch für Roskilde immer schwieriger. Foto: Esther Mai

Große Headliner-Acts zu buchen, wie beispielsweise Metallica, wird auch für Festival-Giganten, wie Roskilde, immer schwieriger. Foto: Esther Mai

Auch gäbe es keinen Rabatt, wenn man den Headliner-Bands gleich eine Reihe von Optionen anbieten könne. „Natürlich ist es gut, wenn die Bands an zwei Wochenenden gleich fünf Festivals spielen können, aber Rabatt gibt es dafür nicht. Aber weil wir ihnen dieses Angebot machen können, bekommen wir sie überhaupt auf unsere Festivals.“ Doch auch wie alle anderen Festivals hat auch Scorpio damit zu kämpfen, dass es kaum noch Bands gäbe, die als Headliner auf einem Festivals spielen können. „Wir müssen dann halt die mittlere Liga hochpuschen.“ Auch seien die Gagen immer weiter gestiegen, seitdem sich im Bereich Recorded Music nicht mehr so viel Geld verdienen ließe. „Das ist für uns natürlich ein zusätzlicher schwieriger Faktor.“

Koopmans Traum ist es, einmal Rage Against The Machine zu buchen. Das ist ihm bislang nicht gelungen. „Die Band zu buchen ist gar nicht so einfach, die gehen nur extrem selten auf Tour.“ Einen anderen Herzenswunsch erfüllte er sich und buchte Pearl Jam fürs Hurricane – eine exzellente Live-Band. „Das war nur leider die völlig falsche Band für unser Zielpublikum und hat eher Gäste in meinem Alter angezogen.“

Folkert Koopmans investiert in Festivals im Ausland

Seit einiger Zeit investiert Folkert Koopmans auch in Festivals im Ausland. „Da steckt kein Masterplan dahinter, dass ich mir beispielsweise gesagt habe, dass ich bis Ende des Jahres soundsoviele Festivals veranstalten muss. Wenn ich jedoch eine gute Idee angeboten bekomme, dann greife ich zu.“ So spontan, wie sich das zuerst anhört funktioniert das dann aber doch nicht. „Beim Northside sind von meinem ersten Zusammentreffen mit Brian (Nielsen von Skandinavian, dem lokalen Partner in Aarhus, Anm. d. R.), einer ersten Idee und der Ausführung tatsächlich erstmal drei bis vier Jahre vergangen.“ In diesem Jahr feiert das Northside in Aarhus seinen fünften Geburtstag und bietet über 20.000 Gästen drei Tage lang ein hochkarätiges Line-Up auf drei Bühnen.

Auch weiterhin möchte Folkert Koopmans im Ausland investieren. „Wir haben Pläne für 2015 in Schweden, sind uns aber noch nicht zu 100 Prozent sicher.“ Auch könnten Finnland und Norwegen noch ein Festival vertragen – aber dafür gäbe es bislang noch keine konkreten Pläne. „Ich bin nicht unterwegs, um Europa zu erobern und kaufe mich nun in ein Festival nach dem anderen ein.“

 

In Deutschland müssen viele Fehler passieren, bevor eine Marke zerstört wird

Das Set-Up in den europäischen Nachbar-Ländern sei sehr unterschiedlich. In Deutschland müsse man ganz schön viele Fehler machen, um eine Marke zu zerstören. In Schweden wenden sich die Menschen hingegen sehr schnell einem neuen Festival zu und lassen etablierte Marken sterben, wenn Fehler passiert sind. Interessant auch, dass Deutschland nach der Love-Parade-Katastrophe nicht die höchsten Sicherheitsansprüche hat. „Das ist überall vergleichbar. Und wir haben dieselben hohen Ansprüche.“

Folkert Koopmans leitet mit viel Herzblut eine der größten Konzertagenturen in Deutschland. Er hat sich dafür nicht nur entschieden, weil er mit Festivals Geld verdienen kann, sondern auch um den Nachwuchs aufzubauen. „Ich mag es, wenn ich kleinen Bands die Chance geben kann zu wachsen. Dennoch möchte ich nicht in den Management-Bereich, jedoch kann ich die Bands, die vielleicht noch keinen Plattenvertrag oder kein Management haben, an die richtigen Menschen weiterleiten.“

 

Koopmans wies eine junge Band ab – Radiohead

Zeit um die vielen Demos anzuhören, die beim Team von Scorpio ankommen, haben die Mitarbeiter aber nur selten. Sie schauen sich auf Showcase-Festivals um oder lassen sich von Bekannten, denen sich vertrauen, Tipps geben. Für Koopmanns gehört viel Bauchgefühl dazu, Talente zu entdecken. Doch nicht immer kann er sich darauf verlassen. „Ich habe vor einigen Jahren eine junge Band abgewiesen, weil ich kein Potenzial gesehen habe. Das waren leider Radiohead.“

Auch mit dem bargeldfreien Bezahlsystem hatte er bislang kein Glück. Drei Tage vor dem Pilotprojekt auf dem Hurricane stoppte Koopmanns den Versuch. „Manchen Gästen ist es passiert, dass sie statt 100 Euro auf einmal drei Mal 100 Euro aufgeladen haben – ohne dies zu wollen. Ich wollte das Chaos nicht auf dem Festival haben, deswegen haben wir die Notbremse gezogen.“ Was er daraus gelernt habe, möchte der Moderator wissen. Und Koopmanns antwortet , wie aus der Pistole geschossen: „arbeite nie wieder mit einem australischen Anbieter in diesem Bereich zusammen.“ An das Bargeld-freie System glaube er jedoch weiterhin. „Es ist schneller effizienter und sicherer.“

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