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Lasterbalk von Saltatio Mortis: „Ohne die GEMA könnten wir so nicht weitermachen“

Lasterbalg der Lästerliche, Spielmann bei der Gruppe Saltatio Mortis, wünscht sich, dass die Menschen nicht nur laut aufschreiben, sondern tatsächlich mal was an ihrem Verhalten ändern. Foto: Otto Kasper

Lasterbalk der Lästerliche, Spielmann bei der Gruppe Saltatio Mortis, schreibt klar, dass die Ausschüttungen der GEMA überlebenswichtig für seine Band sind. Foto: Otto Kasper

Ich habe mich ja schon fast daran gewöhnt. In den Zeiten des Internets wird eben gerne nachgeplappert, es wird sich gerne und lautstark empört und sich natürlich auch ganz schnell, ganz furchtbar aufgeregt. Probleme haben keine Graustufen mehr, sondern sind schwarz und weiß und sowieso ist ja jedem schnell klar, wer der Böse ist, Shitstorm inklusive. Was man in der Meinungsbildung 2.0 nicht so gerne macht, ist sich selbst gründlich zu informieren, mehrere unabhängige Quellen (Am besten aus verschiedenen Lagern!) zu lesen, sich mit den Quellen selbst zu befassen, nachzudenken, Fragen zu stellen und dann fundiert und womöglich auch noch wohl formuliert seine Meinung niederzuschreiben – Verzeihung – ich meine natürlich zu posten.

Genau dieses Muster finden wir natürlich auch in den Diskussionen um Sinn und Unsinn der GEMA wieder, sowohl im unsäglichen Streit zwischen youtube und der GEMA, als auch in den Petitionen von Unterhaltungsbetrieben und Veranstaltern gegen die GEMA. Zeit für mich, mal ein paar Dinge klarzustellen, Fakten und Hintergründe aufzuzeigen, die ein Teil der Diskutanten offenbar nicht kennt und ein bestimmter Teil wohl auch gar nicht hören will. Mir ist durchaus klar, dass ich mit diesen Zeilen bei vielen die festgefahrenen Vorurteile nicht aufheben werde, aber ich schreibe diesen Text trotzdem. Es ist mir einfach ein Gräuel, die öffentliche Diskussion immer nur denen zu überlassen, die einfach am lautesten schreien, egal wie weit sie damit von den Fakten und Tatsachen entfernt sind.

Was ist die GEMA eigentlich? Die GEMA ist eine Gesellschaft, welche die Interessen der Urheber von Musikstücken vertritt. Das Problem ist folgendes: Wenn ich als Texter oder Komponist von Saltatio Mortis ein Lied geschrieben habe und dieses Lied von unserer Plattenfirma veröffentlicht wird, dann habe ich ab diesem Moment selbst keine Möglichkeit mehr zu überprüfen, wo und wie dieses Lied Verwendung findet. Ich kann eben nicht alle Sender im Radio und TV gleichzeitig anschauen und -hören, dabei noch überprüfen, wer eigentlich gerade den neuen Song auf eine CD presst oder im Internet verkaufen will. Ich kann nie herausfinden, ob er für große Veranstaltungen verwendet wurde und auch nicht, wer eigentlich alles an meinem Song verdient! Und genau darum geht es. Ich schreibe ein Liedchen und andere fangen an, damit Geld zu verdienen. Die Plattenfirma, weil sie den Song verkauft, Radio und Fernsehsender, weil sie über Einschaltquoten ihre Werbepreise definieren und natürlich auch Discos und Festivals, die ja eben auch dieses Lied präsentieren und am Eintritt und der Gastronomie verdienen. Achtung, das ist auch alles gut und richtig so, aber wenn doch schon jeder an und mit meinem Lied Geld verdient, dann ist es eigentlich nur richtig und fair, mich als Urheber des Ganzen eben auch zu beteiligen. Um nicht mehr oder weniger geht es bei diesem Streit.

Nun liegt es in der Natur der Sache, dass jeder einen anderen Blickwinkel auf einen solchen Verteilungskonflikt hat. Die Verwerter von Musik, also Plattenfirmen, Veranstalter, Sender etc. wollen das alles natürlich am liebsten umsonst. Ist klar und auch völlig legitim. Die Urheber wollen das natürlich nicht, die wollen natürlich etwas vom Kuchen abbekommen, immerhin haben sie ja auch den verwerteten Song geschaffen. Wie viel ist nun genug? Wo liegt denn der Kompromiss mit dem alle zufrieden sind? Das ist, fürchte ich, eine Frage, die jeder kennt, der schon mal über sein Gehalt, seine Miete oder den Preis für ein Auto verhandelt hat. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Letztlich geht es eben darum, dass sich die Vertragspartner einigen. Und genau das ist auch der Hintergrund zum Streit mit youtube. Damit dieser Text nun nicht zu lang gerät hier mal ein lesenswerter Link zur SZ.

Um es noch mal klar zu sagen: Ich finde es richtig, dass darüber gestritten wird, wer wie viel von den Einnahmen abbekommt, welche die erschaffene Musik nun mal generiert. Es ist legitim von Google/youtube, sich zu wehren und weniger zahlen zu wollen, genauso wie es legitim von der GEMA ist zu sagen, nein, das reicht uns nicht. So etwas kennen wir auch aus anderen Bereichen des wirtschaftlichen Miteinanders, zum Beispiel aus den Tarif-Gesprächen zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern. Dort gilt eine Nichteinmischung, die man Tarifautonomie nennt. Dazu gibt es Streiks und Aussperrungen als legitime Mittel des Arbeitskampfes. Natürlich mault jeder über den Streik, wenn er auf den Bus vergeblich wartet oder auf einem Flughafen festsitzt. Klar. Ich auch. Aber dann denke ich eben nach und versuche, das in den größeren Kontext zu setzen. Es ist richtig, dass solche Auseinandersetzungen geführt werden! Eben auch im Falle der GEMA! Wir Musikschaffenden haben keine Gewerkschaften, aber wir brauchen einen Zusammenschluss, um überhaupt mit Google reden zu können! Und um es klar zu sagen: Google, einer der größten Konzerne der Welt, verdient mit meiner Musik Geld. Die GEMA versucht in meinem Interesse, mit Google zu verhandeln. Dabei wehrt sich Google mit den berühmten Tafeln „Dieser Song ist in Deutschland leider nicht verfügbar – GEMA sei Dank!“ und macht damit eben Stimmung gegen die GEMA und verdreht dabei die Tatsachen. Dazu ein aktueller Artikel aus der Zeit.

Lasterbalg wünscht sich sehr, dass sich die Menschen wieder anfangen, für Politik zu interessieren. Foto: Frank Heim

Lasterbalk meint, dass Google Stimmung gegen die Gema macht und dabei die Tatsachen verdreht. Foto: Frank Heim

An dieser Stelle vielleicht noch mal eine ganz andere Sicht auf den Streit und den schlechten Ruf der GEMA. Kurz und knapp, ohne Zahlungen der GEMA wären wir als Band schon öfter gescheitert. Leider denken die meisten Menschen in diesem Land immer noch, dass eine Band mit unseren Erfolgen im Geld schwimmt. Die Rede ist von „Rockstars“, und vor dem inneren Auge läuft ein Film von Villen, schnellen Autos und Motoryachten. Viel weiter von der bitteren Realität können diese Vorurteile nicht entfernt sein. Bei der letzten Steuerprüfung wurde kurz und knapp festgestellt: „Wir glauben ihnen nicht, dass sie von so wenig leben – wo ist die schwarze Kasse?“ Nach langem suchen musste auch das Finanzamt einsehen – es gibt sie nicht. Ja, wir leben von sehr wenig Geld und wir arbeiten hart dafür. Passt nur leider nicht ins Stereotyp. Wer dazu mehr lesen will, ich habe vor einigen Monaten dazu etwas geschrieben.

Was bedeutet denn nun die GEMA für uns, für Saltatio Mortis? Niemand bei uns kann seinen alleinigen Lebensunterhalt davon bestreiten, dass wir unsere eigenen Lieder schreiben. Dennoch sind die GEMA-Zahlungen an uns ein Teil unserer Einnahmen, ohne den wir so nicht weiter machen könnten. Es ist also durchaus nicht so, dass die GEMA nur kassiert und nicht ausschüttet. Auch hier gilt wieder, natürlich würde ich mir mehr Ausschüttung wünschen, und natürlich ist das System bestimmt verbesserungsfähig, aber es ist trotz aller „Alternativen“ das beste System, was wir als Urheber derzeit haben.

Oder um es anders zu formulieren: Selbst eine Band wie wir kommt eben gerade so über die Runden! Mit GEMA, mit Gagen und mit Merchverkäufen – wenn uns die GEMA-Einnahmen wegbrechen, dann können wir in einer Welt der Gratis-Downloads und Streaming-Portale nicht mehr länger überleben. Die Konsequenz wäre eine Band, die dann eben auch nicht alle zwei Jahre eine CD schreiben kann, die nicht das ganze Jahr auf Bühnen steht und, die bei acht Musikern de facto fast nicht mehr zusammenzuhalten sein wird. Wenn jeder von uns Acht anfangen muss, seinen Lebensunterhalt außerhalb der Band zu verdienen, ist ein Projekt wie Saltatio Mortis schlicht nicht realisierbar.

Natürlich hat auch die GEMA ihre Schwächen und glaubt mir, meine Liste der Verbesserungswünsche ist lang. Auch ich stehe manchmal vor diesen Abrechnungen und frage mich: „Muss das so kompliziert und intransparent sein?“. Auch ich muss schlucken, wenn ich sehe, was mancher Veranstalter zahlen soll. Das ist aber eben nur eine Sicht auf die Dinge. Glaubt mir, ich wäre glücklicher, wenn alle Beteiligten sich schneller und mit weniger Krawall einigen könnten, denn eigentlich will ich meine Zeit nicht darauf verwenden, solche Artikel zu schreiben, sondern dazu, Musik zu erschaffen! Da sind wir nun wieder beim eigentlichen Thema …

Euer Lasterbalk

P.S.: Hier geht es zum 2. Artikel über die GEMA

Zur Person: Lasterbalk bezeichnet sich auf Facebook selbst als Songtexter, Musiker, DJ und Gelegenheitskreativer. Auf der Homepage seiner Band Saltatio Mortis wird er wie folgt beschrieben:  ”Lasterbalk ist Taktgeber und Mastermind von Saltatio Mortis. Der studierte Betriebswirt und Psychologe lebt und liebt die Musik, hat aber auch das absolute Gespür für das gesprochene, gesungene und geschriebene Wort. Seine Begeisterung für geschliffene Sprache und hintergründige Themen ließ ihn auch zum Haupttexter der SaMo-Lyrics werden.”

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