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Digital Music Report 2013: Streaming-Dienste sind auf dem Vormarsch

Kein Grund zum Jubeln gibt der Gesamtüberblick über die Einnahmen der weltweiten Musikindustrie im Jahr 2013. Diese fielen um 3,9 Prozent auf 15 Milliarden US-Dollar. Dies ist vor allen Dingen dem japanischen Musikmarkt geschuldet, der mit einer rasanten Talfahrt zu kämpfen hatte. 16,7 Prozent verloren die Japaner insgesamt. Für die weltweite Nummer zwei der Musikmärkte sieht es auf dem Digitalen Markt alles andere als rosig aus, was natürlich auch eine Wirkung auf das eigentlich recht positive Gesamtergebnis der Märkte hat. Rechnet man Japan raus, sind wir bei einem Verlust von 0,1 Prozent – weltweit.

Der deutsche Markt freut sich hingegen über ein Plus: zum ersten Mal seit 15 Jahren ist die Industrie auf Wachstumskurs. 1,2 Prozent hat der Markt gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Die Digitalen Umsätze steigen sogar um 11,7 Prozent, Streaming sogar um 91 Prozent. Dennoch ist es weiterhin die schon längst totgeglaubte CD, die Stärke zeigt und zwei Drittel (77 Prozent) aller Musikumsätze in Deutschland für sich verbucht.

Zugang zur Musik ist für die meisten Menschen mittlerweile wichtiger als der Besitz von physischen Produkten oder Downloads – das ist einer der wesentlichen Punkte des Digitalen Music Reports der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry), der unlängst veröffentlicht wurde. „Wir sehen vermehrt, dass die Musikindustrie in die Digitale Welt investiert und in ihr aufgeht. Und wir setzen auch nicht mehr auf physische Ausgaben der Musik, die wir gerne anhören“, sagt Placido Domingo, Vorsitzender der IFPI.

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Hört man Placido Domingo und Frances Moore, der Geschäftsführerin der IFPI genau zu, so scheint es, als wollten die Beiden verkünden, dass die weltweite Musikindustrie vollkommen in der Digitalen Welt angekommen ist. Sie entwickelt sich immer weiter in diese Richtung – aber angekommen ist sie noch lange nicht. 51,4 Prozent aller Umsätze der weltweiten Musikindustrie entfallen weiterhin auf physische Formate. Allerdings gingen die Einnahmen im Jahr 2013 in diesem Bereich im Vergleich zu 2012 erneut um 11,7 Prozent zurück. “Die CD schlägt sich auf weltweiter Basis besser als wir das noch vor fünf Jahren erwartet hätten”, sagte Max Hole, Vorstand & CEO Universal Music Group International.

Dennoch gibt es für Frances Moore eine Menge Gutes über das Jahr 2013 im Bereich des Musik Marktes zu berichten. Der US Markt ist weiterhin dabei sich zu stabilisieren, wenn man sich die Umsatzzahlen des Handels anschaut, dann darf man sogar von einem leichten Wachstum sprechen. Zu verdanken habe der amerikanische Markt das dem gestiegenen Interesse der Konsumenten an Streaming-Services. Und auch Europa sei zum Wachstum zurückgekehrt – nach 13 Jahren. Und die fünf größten Märkte können sich an gestiegenen Einnahmen erfreuen.

Digitale Services sind weltweit auf dem Vormarsch

DPP_1960Die digitalen Einnahmen der Musikindustrie sind um 4,3 Prozent auf 5,9 Billionen US-Dollar angewachsen. Es gab einen steilen Anstieg sowohl bei den Einahmen, als auch bei der Nummer der Nutzer von Abo-Services und ein stabiles Einkommen von Download-Verkäufen in den meisten Musikmärkten auf der Welt. Digital stellt mittlerweile 39 Prozent der weltweiten Einnahmen im Musikindustrie her und in drei der Top-10-Märkte der Welt sind sie schon für über 50 Prozent der Einnahmen verantwortlich.

Japan hat ein Umsatz-Minus von ingesamt 15 Prozent – warum?! 

Die Tonträgerindustrie in Japan sah sich laut RIAJ, der Dachorganisation der Japanischen Musikindustrie, einem gesamten Umsatzminus von 15 Prozent ausgesetzt. Der Handelsumsatz bei physischen Produkten ging um 13 Prozent zurück, was vor allen Dingen, nach einem starken Jahr in 2012, auf einen Mangel von großen Album-Veröffentlichungen zurückzuführen ist. Die Branche sah weniger Major-Releases von führenden etablierten Künstlern im Jahr 2013, mit keinem einzigen Album-Release verkaufte sie mehr als eine Million Exemplare. Der Digital- Umsatz sank um 23 Prozent , vor allem wegen einem starken Rückgang der Nachfrage nach personalisierten mobilen Produkten, wie Klingeltöne.

Laut IFPI ist die japanische Musikindustrie gerade dabei, sich dem digitalen Musikmarkt anzupassen. Jedoch ist die Entwicklung zu digitalen Erlösmodellen noch lange nicht so weit, wie in anderen Märkten. Und diese schwierige Übergangsphase habe für einen Teil des Umsatzrückganges gesorgt. Auch die ökonomisch schwierige Lage des Staates nach dem Gau in Fukushima habe für einen Rückgang der Kaufkraft insgesamt und somit auch bei den Musik-Käufern gesorgt.

28 Millionen Menschen haben ein Musik-Abo

Frances Moore von der IFPI sagt, dass es sich im Laufe der letzten Jahre herauskristallisiert habe, dass Musik-Streaming und Abos ein Mainstream-Model für das Business geworden seien. Im Jahre 2011 gab es weltweit gerade mal 8 Millionen Abonnenten, die für Musik-Services bezahlt haben. Heute sind es schon 28 Millionen. Anzeigen-basierte und auch Abo-Services seien in den meisten Märkten auf dem Vormarsch und würden dabei helfen, digitalen Content für Plattenfirmen und Künstler in Geld umzuwandeln.

DPP_1958Placido Domingo fordert: Urheberrecht an neue Bedingungen anpassen!

Dabei sei jedoch zu bedenken, so Placido Domingo, dass auch das Urheberrecht an die neuen Bedingungen des Marktes anzupassen seien. „Während sich die Formate ändern, bleibt doch immer noch die Musik. Und Musik hat einen unvergänglichen Wert. Ich möchte eine digitale Welt sehen, die jungen Künstlern, die Möglichkeiten bietet, die ich zum Glück auch früh in meiner Karriere bekommen konnte. Künstler sind immer noch von den Investitionen ihrer Plattenfirmen abhängig, um sich eine Karriere aufbauen zu können.“ Das können jedoch nur passieren, wenn die Regierungen aller Länder dafür sorgen, dass das Urheberrecht zum Schutze der Urheber an die digitalen Herausforderungen angepasst werden wird.

Investitionen in Lokales Repertoire bleiben wichtig

Weiterhin sei es sehr wichtig, dass sich die einzelnen Länder sich auch auf ihr lokales Repertoire investieren. Das lokale Repertoire der einzelnen Ländern ließe das Herz der internationalen Musik Industrie weiterschlagen. Die Album Charts in den einzelnen Ländern zeige, dass das lokale Repertoire auch weiterhin einen großen Anteil an den Gesamtverkäufen von Musik habe. In vielen Märkten stellen einheimische Künstler den größten Anteil der bestverkaufenden Alben. In Frankreich sind dies zum Beispiel 17 von den 20 Alben, die sich am Besten verkauft haben. In 2011 waren dies nur zehn. In Deutschland waren sieben der Top 10 Alben von deutschen Künstlern. Und ausgeschlossen ist es ja dann nicht, dass sich die Künstler von ihrem Heimatmarkt lösen und die Welt erobern.

Musikkäufer in Deutschland geben 56 Euro pro Jahr aus

Der deutsche Musikkäufer gibt im Durchschnitt rund 56 Euro pro Jahr für Musik aus. Dabei zeigt sich, dass eine kleine Gruppe vor allem männlicher Intensivkäufer (knapp fünf Prozent), die mindestens 80 Euro pro Jahr für Musik ausgeben, fast die Hälfte der gesamten Musikumsätze verantwortet. Über ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat in 2013 mindestens eine CD gekauft, die höchsten Umsätze wurden dabei von den 30- bis 49-Jährigen generiert (zusammen 47,9 Prozent). Anders als bei den anderen Musikformaten zeigt sich bei den CD-Käufern dabei ein relativ ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Knappe 11 Prozent der Bevölkerung haben in 2013 einen Download gekauft, im Vergleich mit der CD ist die Käuferschaft etwas jünger, hier sorgen vor allem die Altersgruppen 20 bis 49 Jahre für die Masse der Umsätze.

Gratis-Streamer vor allem unter Dreißig

Die Nutzer der Audio-Streaming-Services in Deutschland sind nach einer Ad-hoc-Einfrage der GfK vom Januar 2013 über alle Altersgruppen verteilt, aber mit deutlichen Schwerpunkten – sind es bei den werbefinanzierten Services vor allem die unter 30-Jährigen, finden sich bei den Premium-Streaming-Services vermehrt die Altersgruppen zwischen 20 und 49 Jahren wieder. Auch beim Streaming sind die Männer mit zwei Dritteln der Nutzer noch deutlich vor den Frauen mit nur einem Drittel.

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