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Vertragsstreit: YouTube droht Indies mit dem Sperren ihrer Videos, wenn sie nicht unterschreiben

youtube-logoDurch die englische Zeitung “The Guardian” ist gerade eine interessante Geschichte zu den Verhandlungen um einen Spotify-ähnlichen-Dienst zwischen dem weltweiten Netzwerk der Indie-Labels, Worldwide Independent Network (WIN), und YouTube bekannt geworden. Win beschuldigt YouTube, die Labels zu einem Vertragsabschluss zu zwingen, der eine Bezahlung vorsieht, die weit unter der von Rdio, Deezer, Spotify und anderen Streamingservices liegt. Sie würden die Indies nahezu erpressen, zu unterschreiben. Wenn sie diesen Vertrag nämlich nicht unterschreiben, so sagt WIN, drohe Youtube damit, alle Videos des Labels zu blockieren. YouTube habe sich direkt mit Briefen an die einzelnen Labels gewendet.

The Trichordist meint dazu, dass es doch ein klein wenig ironisch sei, dass Youtube beziehungsweise Google mit Zensur drohe, wo sie doch immer behaupten, dass sie doch nur für die Datenfreiheit im Internet kämpften.

Gleichzeitig macht der Autor einen Vorschlag, wie die Youtube-Tafel aussehen könnte:

Dieses Video wurde von Google entfernt, weil sie sich dazu entschlossen haben, Urheber nicht fair zu bezahlen. Wir bitten dies zu entschuldigen.

WIN hat Youtube, laut The Guardian, nun 24 Stunden Zeit gegeben, um die Briefe, mit denen sich Youtube and die Labels gewendet hat, zurückzunehmen. Außerdem wollte das Netzwerk am Freitagmorgen, 23. Mai, eine Pressemitteilung rausgeben, hat diese jedoch wieder zurückgezogen, als sich über Nacht plötzlich doch noch Gesprächsbereitschaft abzeichnete. Die Presseagentur AFP und The Guardian haben die Original-Meldung jedoch gesehen und sich entschlossen, der Öffentlichkeit diese Geschichte nicht vorzuenthalten.

Die offizielle, zurückgezogene Pressemitteilung lautete wie folgt:

„Unsere Mitglieder sind kleine Betriebe, die von verschiedenen Einkommensströmen abhängig sind, um in neue Talente zu investieren. Nun versucht ihnen eine der größten Firmen der Welt vorzuschreiben, Konditionen zu akzeptieren, die nicht haltbar sind“, sagt Geschäftsführerin Alison Wenham.

„Wir glauben, dass diese Vorgehensweise unnötig und untragbar, nicht zu vergessen wirtschaftlich fragwürdig ist und YouTube selbst Schaden zufügen würde. Denselben Schaden, den Youtube wahrscheinlich auch gerade aus diesem Vorgehen nehmen würde.”

Youtube wollte sich nicht äußern

Youtube wollte sich zu den laufenden Verhandlungen nicht äußern, verwies jedoch darauf, dass sie weltweit schon viele Verträge mit Plattenfirmen abgeschlossen haben. Für die Plattenfirmen ist die Sperrung der Videos tatsächlich eine Drohung, da sich YouTube zu einem vielbenutzten Instrument geworden ist, um Promotion zu betreiben und Fans und Künstler zusammen zu bringen.

Das sagt der VUT

Der Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V. (VUT) wundert sich als Interessenvertreter der kleinen und mittleren Musikunternehmen in Deutschland über das Verhalten YouTubes. YouTube hat unabhängigen Musikunternehmen das Ultimatum gesetzt, den neuen YouTube-Vertrag zu unterschreiben oder, wenn sie dem nicht nachkommen, ihre Inhalte zu sperren. Dieses Vorgehen mit dem Ziel, unabhängige Unternehmen in Verträge zu drängen, stellt der VUT entschieden in Frage und unterstützt damit die Forderungen von WIN (Worldwide Independent Network).

Im Gegensatz zu den Vereinbarungen mit den drei Major Labels (Sony, Warner und Universal) steht eine Einigung mit den unabhängigen Musikunternehmen noch aus. Da die unabhängigen Musikunternehmen mit ihrem Marktanteil von 30 Prozent einen großen Teil der Inhalte für Anbieter wie YouTube liefern, erwartet der VUT, dass YouTube sich auf weitere Verhandlungen einlässt, um zu einer fairen Lösung zu kommen.

Laut Angaben von WIN- und VUT-Mitgliedern sind die Vertragsbedingungen des neuen YouTube-Vertrags äußerst ungünstig und nicht verhandelbar. Gleichzeitig liegt die Vergütung unter den Preisen, die andere Streamingdienste wie beispielsweise Spotify zahlen. Darum unterstreicht der VUT seine Forderung, dass Musikservices Independents nicht benachteiligen dürfen.

In den letzten 24 Stunden hat WIN (Worldwide Independent Network) mit YouTube verhandelt, um eine Lösung zu erzielen. Jedoch waren diese Verhandlungen erfolglos.

Presse_20120531_VUT_Logo_schwarzDazu der Vorstand des VUT: „Wir stellen mit Bedauern fest, dass YouTube unabhängige Unternehmen unter Druck setzt, die sich bisher dafür entschieden haben, den angebotenen Vertrag nicht zu unterschreiben. Wir bewundern zwar neue, disruptive Geschäftsmodelle, dennoch liegt uns eine faire und angemessene Vergütung, die dem Wert der künstlerischen Leistung entspricht, weitaus mehr am Herzen. Darum fordern wir YouTube auf, nicht gegen uns zu arbeiten, sondern mit uns zu verhandeln.”

Jörg Heidemann, stellvertretender Geschäftsführer des VUT, kommentiert: „Kleine und mittlere Musikunternehmen auf diese Art und Weise anzugehen, um sie in untragbare Verträge zu zwingen, ist eine Frechheit. YouTube missbraucht hier ganz klar seine Marktposition – ein Verhalten, das wir keinesfalls tolerieren können. Unabhängige Musikunternehmen stellen 30 Prozent des Musikmarkts dar und darauf werden YouTube-Nutzer und -Nutzerinnen nicht verzichten wollen. Darum erwarten wir von YouTube genau wie von anderen Musikdiensten eine faire Vergütung und faire Vertragsbedingungen, die es Künstlern und Künstlerinnen sowie den KMU der Musikwirtschaft erlauben, von ihrer Arbeit leben zu können.“

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