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Urheberrechtspetition zur EU-Anhörung (Update)

17.729 Menschen haben auf der Seite von iPetition einen Aufruf der SAA (Society Of Audiovisual Authors), einem europäischen Zusammenschluss verschiedener Drehbuchautoren, unterschrieben.  Als Ziel hatten sich die SAA 8.000 Teilnehmer gesetzt.

Anfang Dezember kommt die EU Kommission zusammen, um im Rahmen eines Workshops über die zukünftige Ausrichtung des Urheberrechts zu beraten. Die SAA findet, dass die Diskussion an einigen neuralgischen Punkten in eine falsche Richtung läuft. Wir haben den Text mal ins Deutsche übersetzt. Das Ergebnis ist zwar ein wenig holperig, dennoch wird klar, worum es der SAA geht. Ein Link zum Unterschreiben der Petition findet sich am Ende des Textes.

„Unterstützt die Urheber in Europa – schützt die Rechte von Autoren!”

 

Über das Urheberrecht ist in letzter Zeit sehr viel gesagt und gestritten worden. Leider war auch eine ganze Menge Unfug dabei. In den vergangenen Jahren wurde das Urheberrecht beschuldigt, dafür verantwortlich zu sein, dass Werke nicht verbreitet und verliehen werden konnten. Das Urheberrecht soll Hürden erzeugt haben, die es Konsumenten schwieriger machen, Zugang zu den von ihnen gewünschten Werken zu bekommen. Darüber hinaus wird behauptet, dass es dafür sorgt, dass die Reichen noch reicher werden und dass es der freien Meinungsäußerung (insbesondere in der Kunst) im Weg steht.

Es reicht!

 

Am 5. Dezember treten die europäischen Kommissare auf Initiative von Josè Manuel Barroso zusammen, um zu beraten, welche Stellung sie zum Thema Urheberrecht beziehen wollen.

Müssen wir das Schlimmste befürchten? Dies ist eine berechtigte Frage, besonders wenn man sich die Verbindungen zwischen Anti-Copyright-Lobbyisten und einigen Abteilungen der europäischen Kommission anschaut. Die Nachricht, die auch dort auftaucht ist, dass das Urheberrecht der Feind der Konsumenten und deren Wunsch zur Kultur zu gelangen geworden ist. Dies ist aber nicht die Meinung vieler Personen, die in Europa keine Stimme haben.

SAA Logo

Die SAA setzt sich in ihrer Petition für das Urheberrecht ein.

Der Kampf gegen das Urheberrecht und gegen das Recht des Autors, von seiner Kunst zu leben und einen fairen Ausgleich zu bekommen, zeigt, wer den Fokus des politischen Bündnisses formt:

-Lobbyisten, die für die führenden Internet-Firmen arbeiten, die sich sowohl aus der Verpflichtung ziehen in ihrem Heimatland Steuern zu bezahlen, als auch ihrer Verpflichtung kulturelle Vielfalt zu ermöglichen und erhalten.

-Lobbyisten, die die Konsumenten vertreten und der Meinung sind, dass sie die Bedürfnisse ihrer Anhängerschaft sofort befriedigen müssen ohne an die negativen Folgen für die Kulturindustrie und die Jobs im Kulturbereich zu denken. Es ist diesen Parteien egal, wie zukünftige Kulturprojekte finanziert werden.

-Behörden der EU oder gar Kommissare, die die Rechte der Autoren beschränken wollen und kulturelle Vielfalt auf alte Grenzen beschränken, indem sie sie von der digitalen Welt ausschließen.

Das Urheberrecht basiert auf einem alten Konzept, das schon über zwei Jahrhunderte alt ist. Dennoch ist es gleichzeitig erstaunlich modern und flexibel. Das aktuelle Konzept basiert auf einer Idee von Beaumarchais, der zu seiner Zeit mit seinen Kämpfen für die Freiheit einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. 100 Jahre lang haben wurden immer wieder und schließlich immer schneller neue Technologien entwickelt. Das Urheberrecht hat mit diesen Entwicklungen Schritt gehalten und einen wichtigen Aspekt dabei  bewahrt: Die Autoren bekamen immer einen fairen Ausgleich für die Benutzung ihres Werkes in der Öffentlichkeit und trotzdem erleichterte es den Konsumenten den Zugang zu ihren Werken.

Es ist schwer vorstellbar, dass ein Autor sein Werk, seinen Film, sein Buch oder seine Musik davor bewahren möchte, dass es wahrgenommen, empfohlen oder in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

Es ist jedoch einfach, sich vorzustellen, dass die Annehmlichkeit der digitalen Lösung eine Gefahr für den Artikel 27 der Menschenrechte beinhaltet, nämlich dem Recht darauf, dass Autoren einen Ausgleich für die Aufführung ihrer Werke erhalten. Es gibt Grundrechte, die von keinem Tablet-PC, Smartphone oder einem Online-Service unterwandert werden sollten. Der prinzipielle Respekt vor dem Urheberrecht ist eins davon.

Jeden Tag wird in Europa, dem Geburtsort des Urheberrechts, der Einfluss der Autoren infrage gestellt, die Reichweite attackiert und das Prinzip der kollektiven Rechtewahrnehmung kritisiert. Jeden Tag werden neue Maßnahmen oder neue Versionen von Rechte-Enteignungen vorgeschlagen. Mechanismen, die es ermöglichen Geld für die Kunst einzutreiben, werden Tag für Tag in Frage gestellt – im Namen der freien Wirtschaft.

Wim Wenders, Donata Wenders und Hannelore Kraft

Wim Wenders (Mitte) hat die Petition bereits unterschrieben. Ob es bei seinem Treffen mit Hannelore Kraft (rechts) in der Staatskanzelei auch um das Thema Urheberrecht ging?

In der Zusammenfassung: alle Einkommensmöglichkeiten, die Autoren haben, werden laufend attackiert und in Frage gestellt.

Zu wessen Gunsten geschieht dies? Offensichtlich nicht zum Wohl der Urheber selbst, deren generelle Situation in vielen Ländern immer prekärer wird. Auch wird hier sicherlich nicht im Sinne der Konsumenten gehandelt, denen der Zugang zur Kunst nicht erleichtert wird, in dem das Urheberrecht in Frage gestellt wird. Auch wird es für Konsumenten nicht günstiger werden technisches Equipment zu kaufen, wenn die Urheber weniger Geld aus der Geräteabgabe beziehen.

Liebe EU-Kommissare, Sie kommen am 5. Dezember zusammen. Die Urheber, die einen Teil der zukünftigen Identität von Europa beisteuern, werden Ihre Positionen und Entscheidungen aufmerksam verfolgen. Für die Autoren und Musiker ist ein starkes Urheberrecht die beste Garantie, dass sie für ihre Arbeit und Mühen auch gerecht entlohnt werden und hoffen können, noch viele weitere Werke erschaffen zu können.

“Europa liebt das Kino”, “Europa liebt die Kultur”?  Das sind griffige Slogans – diese müssen aber auch in der Praxis umgesetzt werden. Außerdem muss eine weitere These begründet werden: “Europa liebt das Urheberrecht”.

Die folgenden Urheber haben die Petition schon unterschrieben:

Robert Alberdingk Thijm, Marco Bellocchio, Lucas Belvaux, Fred Breinersdorfer, Jean-Claude Carrière, Nicola Ciralosa, Stijn Coninx, Costa-Gavras, Luc et Jean-Pierre Dardenne, Anna Di Francisca, Hervé Di Rosa, Jacques Fansten, Marco Tullio Giordana, Ugo Gregoretti, Michel Hazanavicius, Jan Hřebejk, Agnès Jaoui, Pavol Kráľ, Paul Laverty, Mike Leigh, Jean-Xavier de Lestrade, Carlo Lizzani, Ken Loach, Francesco Maselli, Radu Mihaileanu, Roger Michell, Rebecca O’Brien, Jorge Paixão Da Costa, Andrea Porporati, Paul Powell, Andrea Purgatori, Giovanni Robbiano, Jean-Paul Salomé, Volker Schlöndorff, Ettore Scola, Hugh Stoddart, Bela Tarr, Bertrand Tavernier, Fernando Trueba, Enrique Urbizu, Jaco Van Dormael, A. Vitorino De Almeida, Wim Wenders, Susanna White, Krzysztof Zanussi

Die Petition kann HIER unterschieben werden.

Update: Die Petition der SAA hat mit wehenden Fahnen nicht nur ihr Petitionsziel erreicht, sondern auch die benötigte Anzahl der Stimmen nahezu verdoppelt. Aktuell (0.21 Uhr) sind über 14.600 Stimmen eingegangen.

 

 

 

 

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