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Warum Trent Reznor wieder mit einem Label zusammenarbeitet

Trent Reznor war sauer. Sehr, sehr sauer. Der Nine-Inch-Nails-Frontmann nannte die Major-Label Diebe. Sie und nicht die illegalen Downloader seien die wirkliche Gefahr für den kreativen Prozess. Universal sollte schnell noch das letzte geschuldete Album veröffentlichen – und danach wollte der Künstler den Vertrieb seiner Musik – und auch alles andere – selbst in die Hand nehmen. Fünf Jahre nach seinem Ausraster und der Abkehr vom professionellen Musikbusiness ist Reznor wieder zurück bei einem Major-Label. Die EP von How to Destroy Angels, die 2012 veröffentlicht wurde, erschien unter der Flagge von Columbia.

Trent Reznor Nine Inch Nails

Trent Reznor schimpfte auf Plattenfirmen, kehrte aber nach einige gescheiterten Experimenten wieder zu einem Major-Label zurück.

Was war passiert? Gehen wir zunächst ins Jahr 2007 zurück. In der australischen Zeitung „Herald Sun“ hetzte Reznor gegen die (Major)-Labels, sie würden ihn abzocken. Jeder sollte die Möglichkeit haben sein komplettes Album für vier Dollar von seiner Webseite zu laden. Denjenigen, die einen richtigen Tonträger bevorzugen, wolle der NIN-Frontmann ein nett verpacktes Merchandise-Paket schicken.

Doch auch die Download-Nutzer gerieten in sein Kritikfeld. “Es ist eine merkwürdige Zeit, ein Musiker bei einem Majorlabel zu sein, denn es gibt so viel Abneigung gegenüber der Musikindustrie, dass es wirklich schwierig ist, sich so den Fans gegenüber zu positionieren, ohne als gieriges Arschloch dazustehen”, beklagte sich Reznor. Die Hauptschuld gab er den Labels: “Auf der anderen Seite gibt es die Plattenlabels, die alles tun, was sie können, um die Leute zu verärgern und sie abzuzocken.”

Im Oktober 2012 überraschte Trent Reznor dann seine Fans und das Musikbusiness mit einer Kehrtwende. Er entschloss sich die EP seine Projektes How to Destroy Angels doch wieder von einem Majorlabel veröffentlichen zu lassen. „Aus einer Reihe von Gründen“, wie der ehemalige Sänger der Nine Inch Nails in einem Interview sagte. Vor allen Dingen aber auch, weil er im Laufe der Zeit feststellen musste, dass er es nicht alleine schafft, weltweite Marketingkampagnen zu managen.

Ein Schlüsselerlebnis hatte Reznor in Prag:  „Wir spielten in Prag ein Konzert, überall waren Flyer und Poster von Radiohead zu sehen, die in sechs Monaten ein Konzert in derselben Venue spielen sollten.“ Von Nine Inch Nails war nichts zu sehen, nichts deutete auf ihren Besuch in Prag hin. Niemand, außer den fleißigen Fans die Trent Reznor bei Twitter folgten, wusste, dass NIN an diesem Abend ein Konzert geben wollten. „Und dann gehst Du in einen Plattenladen und sie haben keine Sektion für unsere Platten – das war frustrierend“, sagt der Sänger. Er merkte, dass die Möglichkeiten der Selbstvermarktung begrenzt seien, weil er eben nicht wisse, welche Info-Kanäle in Prag relevant sind, welche Newsletter mit Infos versorgt werden müssten und welche Plattenläden auf jeden Fall die neuste NIN-Platte bereitstellen müssten. „Im Team funktioniert das alles einfach besser.“

Schön sei es dennoch gewesen ohne Label zu arbeiten. Er habe selbst entscheiden können, wann und in welcher Form ein Song veröffentlicht wird. Niemand habe ihm in seine Entscheidungen reingeredet. Er konnte einen Song um Mitternacht fertigstellen und ihn am nächsten Tag veröffentlichen. „Ohne dass jemand den Song schon zuvor ins Netz stellen konnte, denn ich hatte ja die einzige Kopie.“

Dennoch habe er sich entschieden, wieder mit einem Major-Label zusammenzuarbeiten. „Es ist einfach besser mit einem Team zusammenzuarbeiten, weil es in Sachen Marketing und Vertrieb einfach mehr erreichen kann. Deswegen habe ich mich entschieden, wieder Leute mit ins Boot zu holen, die im richtigen Kontext auf die Musik aufmerksam machen.“ Das koste zwar Geld, aber er erhoffe sich auch höhere Einnahmen durch den Einsatz der Profis, so dass schließlich jeder auf seine Kosten komme. Und letztlich habe er dann auch wieder mehr Zeit, um sich auf das zu konzentrieren, was er am Besten kann: Musik machen.

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2 Comments »

  • myuu sagt:

    Sehr interessanter Artikel. Ich verfolge schon seit Jahren Reznor, war erst begeistert, dass er alles auf die eigene Kappe nahm und seine Werke selber releaste (und das in großen Mengen auch kostenlos), desto überraschender, dass er wieder zurück zu einem Label springt.
    Seine Argumente sind aber wirklich gerechtfertigt. Irgendwo sind die Ressourcen des Selbstmanagements dann wohl doch beschränkt..

    Ich als Trent Reznor Fan möcht mir aber auch noch eine kleine Nebenbemerkung erlauben: Es wäre schön, irgendwann wieder was von “Nine Inch Nails” zu hören, wirklich schade. “How To Destroy Angels” ist nicht schlecht aber irgendwie fehlt einem seine Trents Stimme.. Sie ging einem (jedenfalls war es bei mir so) richtig nah.
    Vielleicht.. vielleicht kommt NIN irgendwann nochmal wieder.. :-)

    Danke für den schönen Artikel!

  • Ich glaube ein sehr relevanter Punkt, den niemand wirklich aus der Selbstvermarktungsecke zugeben wollte, war dass die beiden Albuen die Reznor in Eigenregie veröffentlicht hatte, und auch umsonst zum download angeboten hatte (Ghosts & The Slip) qualitativ absolut nicht mit seinem sonstigen Output mithalten konnten. Natürlich jugbelnalle erst mal, wenne s was umsonst gibt, aber künstlerisch haben ihr die Alben eher “beschädigt”, und waren nicht mit seinen Meisterwerken “Downward Spiral” und “Year Zero” vergleichbar.

    Ich find es auch immer sehr interessant: wenn sich Reznor mit seinem Label anlegt, dann berichtet alle Welt darüber (es gint damals eigentlich nur um den zu hohen Preis seines Albums in Australien).

    Räumt er ein dass er sich wohl geirrt hat, hüllen viele plötzlich den Mantel des Schweigens darüber.

    Stefan

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