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Autorin Vea Kaiser: „Verlage entdecken mutige Bücher“ – ein offener Brief an E-Book-Piraten

Mit Blasmusikpop veröffentlichte Vea Kaiser 2012 ihren ersten Roman. Die Studentin hat lange an dem Buch gearbeitet und finanziert sich durch das Schreiben ihre Ausbildung an der Universität und ihr Leben. Kürzlich entdeckte sie, dass E-Book-Piraten das Buch kostenlos zum Download anbieten. Vea Kaiser ist fassungslos und fühlt sich ausgebeutet – und genau darüber schreibt sie in einem offenen Brief an die E-Book-Piraten, den wir hier  veröffentlichen.

Sie spricht über die Welt der Bücher und der Verlage, ihre Rede ist jedoch auf alle Bereiche der Kreativwirtschaft  übertragbar. Diebstahl und Missachtung des Urheberrechts sind leider überall zu finden; ob bei Fotokünstlern, Autoren oder Musikern. Zudem agieren Plattenfirmen fast wie Buchverlage: Sie helfen mutige Projekte zu entdecken und zu verwirklichen. 

Offener Brief von Vea Kaiser

Vea Kaiser

Die Autorin Vea Kaiser erklärt, wie wichtig Verlage für junge Autoren sind. Foto: Ingo Pertramer

Ich bin Autorin eines der Ebooks, die Ihr gratis zum Download anbietet und ich fühle mich von Euch bestohlen und ausgebeutet – bin entsetzt, was Ihr hier tut. Ich habe jahrelang an diesem Roman geschrieben und finanziere mir mühsam durch den Verkauf mein Studium und mein Leben – das ist nicht besonders luxuriös, aber dafür kann ich an meinem nächsten Roman arbeiten.

Ich bin auf diese Buchverkäufe angewiesen, und indem Ihr mein Buch für jedermann zur unbeschränkten kostenlosen Weiterverbreitung anbietet, nutzt Ihr mich aus. Ihr denkt Euch jetzt vielleicht, es ist ja nicht anders als borgen. Nunja: Es ist ein Unterschied ob ich einem Freund ein Buch borge, oder Kopien für die ganze Stadt anfertige und sie am Marktplatz zur freien Entnahme aufstelle. Oder glaubt Ihr, wir Autoren würden ohnehin alle so gut verdienen, dass es egal ist, ob Ihr für unsere Arbeit bezahlt oder nicht? Ken Follett wird es vielleicht nicht kratzen, aber junge Autoren, innovative Stimmen sind von jedem verdammten Buch abhängig.

Was Ihr hier macht, ist nichts anderes als Diebstahl. Und was ich so schlimm finde, Ihr schämt Euch nicht einmal, sondern animiert Euch gegenseitig weiterzustehlen. Ihr nennt das “ Bücher befreien“ – ist Euch bewusst, dass Ihr damit die Autoren versklavt? Ihr zwingt Autoren, gratis für Euch zu arbeiten, Ihr anerkennt unsere Leistung nicht, laut Euch steht uns NICHTS zu. Jahrelange Arbeit nur damit Ihr kostenloses Lesevergnügen habt? Das ist Sklaverei. Wären alle Leser so wie Ihr, dann gäbe es keine Bücher mehr, denn wir Autoren hätten nicht die Möglichkeit zu schreiben.

Warum ich Euch das sage? Weil ich im Herzen daran glaube, dass Leser gute Menschen sind und Bücher, sowie deren Autoren, schätzen. Zumindest schreibe ich für Leser, die die Arbeit eines Autors auch zu schätzen wissen, und bereit sind, dafür zu zahlen. Denn sind wir uns ehrlich: 10-20 Euro für ein Buch ist verdammt wenig. Zwei Kinokarten, 4 Packerl Zigaretten, 1/4 Tankfüllung. Das rechnet nie die jahrelange Arbeit, und wir Autoren tun’s trotzdem.

Wenn Ihr aber so weitermacht, zerstört Ihr die Vielfalt. Klar, Bücher wird es immer geben. Aber überlegt mal, ob Ihr noch lesen wollt, wenn es nur noch Megaseller wie Shades-of-grey gibt, weil sich anderes nicht mehr rentiert, weil junge Autoren keine Chance haben, weil innovative Ideen nicht mehr möglich sind.

Ach, und dann habt Ihr ja Euer Argument, Ihr wollt doch nur die „Content-Mafia“ umgehen, legitimiert Ihr Euer Treiben damit, dass Ihr meint, es bräuchte keine Verlage? Nur dass Ihr wisst: Verlage entdecken neue Autoren, verwirklichen mutige Bücher und helfen dem, was Ihr nachher gut findet, aus dem Ei. Das sind keine üblen Verwertungsmaschinen, die einen Autor ausquetschen, sondern Menschen mit Herz, die einem Projekt ins Leben helfen. Ohne deren Mut, Expertise und stützende Strukturen gäbe es einen ziemlichen Einheitsbrei, denn das Durchsetzen von Neuem in diesem gewaltigen Markt überfordert die Möglichkeiten eines einzelnen Menschen.

E-Book-Piraten haben Vea Kaisers Debütroman Blasmusikpop zum freien Download ins Netz gestellt.

Wenn Ihr das wollt: dann macht weiter so. Wenn nicht, überlegt doch mal, ob Ihr dem Buchhändler um die Ecke nicht einen Besuch abstatten wollt. Dort gibt es übrigens auch persönliche Beratung, Hilfe, Lektüre zu finden, die Ihr sonst nicht gefunden hättet, oder Lesungen, die Möglichkeit, Autoren mal kennenzulernen. Geht doch mal zu einer Lesung und schaut Euch den Menschen an, der das Buch geschrieben hat und erklärt mir dann bitte, wieso dieser Mensch Euer Sklave sein soll – das würde mich nämlich wirklich interessieren, wieso Ihr der Meinung seid, dass Ihr mit Eurem Diebstahl uns Autoren und Verlage ausbeuten dürft.

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