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Der illustre Fuhrpark des Herrn Schmitz: Momentaufnahme des MegaUpload-Busts

Von Hundert auf Null in zweieinhalb Wochen: Nachdem MegaUpload vor lediglich neunzehn Tagen mit seinem „Mega-Upload-Song“ einen Werbecoup landete, in dem sogar prominente Major-Label Künstler wie Will.I.Am von den Black Eyed Peas, Kanye West, P.Diddy oder Kim Kardashian das Angebot mit Endorsements empfahlen, und man sich sogar auf eine Klage gegen den Musikmajor Universal verstieg, folgte nun der Reality Check durch die neuseeländischen Strafverfolgungsbehörden in Form der Verhaftung der vier Betreiber. Eine Momentaufnahme des Busts und ein paar Rückschlüsse auf das weltweite Geschäft mit geklauter (erschlichener) Musik.

Am Donnerstag, 19. Januar, klopften die Strafverfolgungsbehörden in einer konzertierten Aktion zusammen mit Kollegen in Hong Kong an die Türen der Megaupload Limited Corporation in Wan Chai, Hong Kong und an die Flügeltüren der Doppelvilla des vorbestraften deutsch-finnischen Betreibers Kim Schmitz in Coatesville, Neuseeland. Eine an Filmreife grenzenden Verhaftung, in dem unter anderem der flüchtende, angeblich mit einer abgesägten Schrotflinte bewaffnete Megaupload-Chef aus einem speziellen Panikraum innerhalb seiner Villa mit schwerem Gerät regelrecht herausgeschweißt werden musste, besiegelte das vorläufige Ende des weltweit größten Cyberlockers MEGAUPLOAD.

Parallel dazu gingen auch weitere Plattformen offline, deren Bezeichnung zeigt, mit welchem Netzwerk aus kriminellen Plattformen Kim Schmitz sein „Kimpire“ genanntes Imperium betrieben hat: Megapics, Megavideo, Megaporn, Megalive, Megarotic, Megakey, cum.com, Megaworld und zwölf andere Domains wurden von amerikanischen Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt und geschlossen. Die Anklage lautet neben konventioneller und gewerblicher Urheberrechtsverletzung auch auf Geldwäsche, Steuerhinterziehung und der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Ein Kautionsantrag von Schmitz wurde abgelehnt.

Im Rahmen der Verhaftung wurden Barmittel von 3,8 Millionen Euro und ein Fuhrpark aus insgesamt 25 Luxuskarossen beschlagnahmt. So gehörten zur beeindruckenden Sammlung unter anderem zwei Mercedes-Benz CLK DTM AMG, jeweils 582 PS stark und in einer Kleinstserie von nur 100 Exemplaren gefertigt, verschönert mit den  Kfz-Kennzeichen: „GOOD“ und „EVIL“ – wie Gut und Böse. Derweil trug ein Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé das Kennzeichen „GOD“ (Gott), während ein Mercedes-Benz CL 63 AMG auf seine Vergangenheit verwies: „HACKER“.

Das Spiel mit der Polizei ließ sich Schmitz nicht nehmen, trug der Mercedes-Benz G 55 AMG das Autokennzeichen „POLICE“ (Polizei), ein Mercedes-Benz ML 63 AMG das Schild „MAFIA“ und ein Mercedes-Benz E 63 AMG „STONED“ (sozusagen im Drogenrausch). Ebenso zur Sammlung gehörten unter anderem der Lamborghini-Geländewagen LM002, ein Maserati GranCabrio sowie ein pinker Cadillac Eldorado aus dem Jahre 1957.

Insgesamt 25 Autos und exklusive Motorräder beschlagnahmten die Behörden im Auftrag des FBI auf dem Anwesen im neuseeländischen Coatesville nördlich von Auckland. Der Wert des 24,3 Hektar großen Anwesens mit der Riesen-Villa namens „Villa Dotcom“ wird auf rund 30 Millionen Neuseeland-Dollar (etwa 18,7 Millionen Euro) geschätzt. Neben den Wertgegenständen in Höhe von ca. 6 Millionen neuseeländischen Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro), beschlagnahmte die Polizei Finanzmittel in Höhe von etwa 10 Millionen neuseeländischen Dollar (rund 6,2 Millionen Euro). Unter den konfiszierten Gütern befanden sich unter anderem angeblich 60 Computer-Server des Typs Dell 710 und etliche Fernsehgeräte, wie zum Beispiel zwei 108 Zoll große LCD-TVs von Sharp und drei Samsung LCD-TVs mit 82 Zoll Bildschirmdiagonale. Auch in Hongkong gab es nach der Festnahme von Schmitz Durchsuchungen in vier Gebäuden, an denen rund 100 Beamte beteiligt waren. Insgesamt erfolgten Hausdurchsuchungen in 9 verschiedenen Ländern. Die Beamten hätten, so das FBI, dabei Vermögenswerte in Höhe von ca. 50 Millionen US-Dollar (aktuell ca. 38,7 Millionen Euro) sichergestellt, die aus illegalen Geschäften und Geldwäsche stammen könnten.

Experten schätzen, dass das Megaupload-Universum insgesamt über 175 Millionen Dollar in den letzten vier Jahren eingenommen hatte, davon soll fast ein Drittel als Reingewinn an Kim Schmitz selbst gegangen sein. Solcherlei Gewinnmargen verblüffen nicht nur jeden Betriebswirtschaftsstudenten, sie lassen sich sonst nur mit Drogenhandel und Waffengeschäften erzielen. Im Falle der Cyberhoster jedoch verkaufte zum Beispiel Megaupload nur sogenannte „Premium-Accounts“, also den unlimitierten Zugang zu den Dateien der Filehoster, zu Filmen, Musik, Computerspielen und eBooks, Pornos und Comicheften. Nahezu alles wovon Kreativwirtschaft lebt und was sich digitalisieren lässt, war in den Archiven von MegaUpload zu finden. Das Problem des Geschäftsmodells: Künstler, Plattenfirmen, Verlage, Urheber und Studios erhielten keinen Cent aus diesen Einnahmen.

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