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Meine Platte ist doch super! Warum bespricht sie der Musikredakteur dann nicht?

Um falsche Vorstellungen, die Künstler manchmal haben, wenn Sie versuchen in der Musikindustrie Fuß zu fassen, geht es in einem Gespräch mit Sandra Eichner von Rosenheim Rocks. Ihre Firma, die sie vor fünf Jahren gründete, bietet unter anderem Cross-Marketing, Cross-PR, Image-Kampagnen und klassische Pressearbeit an.

Anfragen wie diese bekommt Sandra Eichner zum Glück nicht allzu häufig, aber sie kommen vor: „Bei mir hat sich ein Musiker mit Mitte 40 gemeldet, der bislang in einer ACDC-Coverband gespielt hat und nun fand, dass die Zeit für ihn reif sei, um Karriere zu machen.“  Damit nicht alles: er schätzte, dass er mit seinem ersten Album, da seine Stimme so wie die von Bon Scott klingen würde, rund 1,4 Millionen Käufer anlocken würde. Die Gründerin der PR- und Marketingagentur Rosenheim Rocks musste dem Musiker schließlich erklären, dass sein Vorhaben schlicht und ergreifend nicht machbar sei. „Ich möchte niemanden desillusionieren, aber ein Newcomer kann sich freuen, wenn er 2500 Platten verkauft – und zwar wenn er eine Plattenfirma im Rücken hat und nicht nur über einen reinen Online-Vertrieb“, sagt Eichner.

Auch bei einem Videoshooting dabei zu sein, wie hier in der Schweiz bei einem Dreh der Band Gotthard, fällt ins Aufgabengebiet von Sandra Eichner. Foto: privat

Vor fünf Jahren gründete die 33-Jährige ihre Firma Rosenheim Rocks. Sie bietet unter anderem klassische PR im Bereich der Musikwirtschaft an, sprich: sie hilft dabei, dass Musiker Platten verkaufen. Aber nicht nur Labels, die Unterstützung wollen, kommen auf sie zu. Auch Bookingagenturen nehmen die Leistungen von Rosenheim Rocks in Anspruch, um auf Konzerte ihrer Künstler aufmerksam zu machen. Gelegentlich sind auch einzelne Bands, die bei ihr eine Anfrage stellen – aber nicht bei allen, wie bei dem eingangs erwähnten Beispiel macht eine Zusammenarbeit auch Sinn. „Ich schaue mir die Bands ganz genau an und entscheide dann, ob das Konstrukt schon ausgereift genug ist oder die Musiker erstmal Hilfe dabei brauchen, sich für den Markt aufzustellen.“  Denn gute Musik zu machen reiche nicht. Die Bands brauchen ein solides Fundament und eine Idee, die sie transportieren wollen, ein schlüssiges Konzept, eine Vision.

Oftmals wird sie auch um Rat gefragt, wenn eine Band auf der Suche nach einem Plattenvertrag ist. „Das wird heute immer schwieriger für Newcomer.“  Glaubt sie an das Thema oder den Ansatz, den eine Band mitbringt, so gibt sie Tipps. „Klassische Promo macht erst Sinn, wenn das Konstrukt ausgereift genug ist.“  Zuerst einmal gibt es also Tipps für Texte und Themen und Empfehlungen, welche Labels und Agenturen die richtigen sein könnten.

Wichtig sei vor allen Dingen auch zu schauen, ob die Bands überhaupt schon so weit sind, dass sie die Musikbranche überhaupt vertragen können. „Oftmals haben Musiker eine wirklich gute Idee, sind aber menschlich noch nicht so weit, dass sie mit den Gegebenheiten der Branche umgehen können. Oder sie haben eine völlig falsche Vorstellung davon, wie es ablaufen wird, wenn sie mal einen Plattenvertrag ergattern konnten.“

So staunen die Künstler beispielsweise immer wieder darüber, wie schwer es ist in der Presse erwähnt zu werden. „Sie machen ein gutes Album, glauben an ihre Musik und wundern sich dann, warum sie nicht automatisch von den Redakteuren als Thema ausgewählt werden.“ Der Platz für Musik werde immer knapper in der Presse, weil das Anzeigenvolumen schrumpfe. Die Firmen haben oft kein Budget mehr um Anzeigen zu schalten, dadurch reduziert sich auch der redaktionelle Platz immer weiter. „Es ist schwer den Musikern, die oftmals nur die emotionale Seite ihres Albums sehen, die nüchterne Vorgehensweise der Presselandschaft zu erklären.“ Auch wünschen sich die Bands oftmals eine tiefere Recherche, die von den Redakteuren einfach nicht geleistet werden könne.

Stoßen auf ein gelungenes Festival an: Sandra Eichner von Rosenheim Rocks und das Team vom Taubertal-Festival. Foto: privat

 

Dazu kommt, dass es sich Bands den Weg zum Erfolg oftmals einfacher vorstellen, als er ist. Sie sind nicht darauf vorbereitet, dass sie nicht nur euphorisch empfangen werden, sondern sich auch oft Absagen einfangen. „Das schmerzt selbst mich manchmal“, sagt Sandra Eichner.  Dennoch dürften Musiker dann nicht einfach aufgeben. Die Branche ist ein härteres Pflaster geworden, Tonträger verkaufen sich nicht mehr so gut, wie früher einmal. Aber es gibt auch positive Seiten, beispielsweise I-Tunes. Käufer müssten sich nicht mehr gleich ganze Alben kaufen, sondern nur die Songs, die sie mögen. „So greifen sie mal schneller zu, als bei einem Album.“ Veröffentlicht der Künstler dann das nächste Album, kennen die Käufer den Namen und hören rein – und kaufen es dann bei Gefallen auch.

Zur Person:

Sandra Eichner wurde 1979 in Rosenheim geboren und gründete 2008 ihre Firma Rosenheim Rocks. Vorher hat sie Politikwissenschaft mit einem B.A. und einem Magister abgeschlossen.  Sie volontierte beim Münchner Merkur und war fünf Jahre lang Chefin des monatlich erscheinenden Musik-Magazins “Metal Heart”. Sie arbeitete zudem unter anderem noch bei “METALLICA – Hit The Lights”/Rockbuch Verlag, beim „Metal Hammer“, beim „Rock City News-Stadtmagazin“ und beim “Wheelie´s Biker-Magazin” mit.  Journalistische Tätigkeit für diverse Plattenfirmen unter anderem Universal Music, BMG, Sony Music kommen noch dazu. Sie verfasste Presse-Biographien, Pressemeldungen und Info-Sheets beispielsweise für Bands wie In Extremo, Gotthard und  Whitesnake. Zwei Jahre war Sandra Eichner als A&R Managerin bei Soulfood Music, zwei Jahre als Marketing Managerin bei Nuclear Blast Records.

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