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enGAGE! diskutiert über Musikwirtschaft: “die digitale Verwertung von Musikwerken”

Die erste Tagung des Gesprächs- und Arbeitskreises  Geistiges Eigentum e.V. (enGAGE!) an der Fachhochschule in Köln lockte im März 2013 viele fachkundige Zuhörer aus der Musikbranche an. Denn genau über diese sollte diskutiert werden – in drei unterschiedlichen Panels: im Bereich der Themen Produktion, Online-Verwertung und rechtlicher Schutz sollte über das Urheberrecht und den Wert geistigen Eigentums diskutiert werden.

Oke Göttlich moderierte das zweite Panel der Tagung.

Im zweiten, von Finetunes-Chef Oke Göttlich moderierten Panel, kamen die Verwerter zu Wort. Mit Berny Sagmeister, einem Digitalexperten vom britischen Majorlabel EMI (mit Sitz in Köln) war ein Digitalexperte an Bord, der verblüffende Zahlen in die Runde warf: „Angefangen hat alles mit Klingeltönen, heute macht der Digitalmarkt inklusive Audio- und Videostreaming rund die Hälfte des Gesamtumsatzes eines Major-Labels aus.” Streamingdienste und auch werbefinanzierte Auswertungen über YouTube sind Teil des digitalen Portfolios bei EMI. Insofern ist es schade, dass sich die GEMA noch nicht mit YouTube geeinigt habe, denn in anderen Ländern fließe schon Geld. Während in Deutschland also noch über die Höhe der Lizenzen verhandelt wird, haben in anderen Ländern die Plattenfirmen und YouTube  mit der entsprechenden Verwertungsgesellschaft ihren Frieden zur YouTube Auswertung gemacht.

Berny Sagmeister (links) von der EMI erklärte, dass ein Major-Label bereits 50 Prozent seiner Einnahmen aus dem Audio- und Video-Streaming generiere. Foto: Esther Mai

Etwas differenzierter sah der Vertreter der Indie-Labelfraktion, Jörg Koshirst vom Label Valicon die Sache, die auch ein angeschlossenes Studio betreiben: Die Kosten für eine Produktion seien aktuell nicht geringer als noch vor acht Jahren, die Einnahmen haben sich aber sowohl für Label als auch für Künstler reduziert.  Es entwickelten sich zwar neue Einnahmeströme, diese seien aber noch nicht hoch genug, um wirklich von einer Trendwende zu sprechen. Derzeit müssten viele Künstler ihr Geld mit Touren verdienen oder schlicht nebenbei jobben.

Einen interessanten Einblick in die Position eines der neue digitalen Geschäftsmodelle gab Gerrit Schumann vom digitalen Streamingservice Simfy – ebenfalls mit Sitz in Köln. Derzeit sei Streaming auf dem Vormarsch, aber mit knapp acht Prozent Reichweite bei den aktiven Musikkäufern noch nicht im Mainstream angekommen.  Dazu brauche Streaming mindestens 30 Prozent Nutzerreichweite. Simfy setzt neben einem Umsonst-Modell auf eine digitale Subskription: Für fünf Euro monatlich können  sich die Kunden einen Katalog von über 20 Millionen Songs auf den Desktop streamen, für zehn Euro können sie das Angebot auch für das Smartphone nutzen. Interessanterweise sah Schumann Streaming nicht als Ersatzmodell zum physischen Tonträger, sondern als Tool zum Kennenlernen von neuer Musik: „Streaming wird nicht den Besitz von Musik ersetzen. Die Fans wollen auf das haptische Gefühl von CD und Vinyl nicht dauerhaft verzichten.“  Musik aus der Wolke mache also den Musikfan nicht vollends glücklich, hilft aber beim Kennenlernen und bei der Qualitätskontrolle.

Sagmeister wies jedoch darauf hin, dass auch bei den Streaminganbietern eine Monopolisierung wahrscheinlich sei und dass der Simfy-Mitbwerber Spotify hier die besten Karte habe, auch aufgrund seines riesigen Marktanteils im skandinavischen Markt. Nicht verriet er jedoch, dass beide Anbieter, sowohl Spotify als auch Simfy, noch keine schwarze Zahlen schrieben. Obwohl die Höhe der Ausschüttungen an Künstler und Label aktuell für diese noch nicht befriedigend seien, machten die Portale selbst auch noch keinen Gewinn.  Sagmeister erklärt, dass man aber die Piraterie mit mehr Convenience schlagen will und man eventuell auch noch am Preis drehen müsse, um die Streamingportale dauerhaft rentabler zu machen.

Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale in NRW (links) erklärte, dass illegale Umsonst-Modelle bei den Verbrauchern noch immer sehr beliebt seien. Foto: Esther Mai

Insgesamt wirkte das zweite Panel etwas abstrakt auf das Publikum. Wer sich nicht gut im Digitalmarkt auskannte, für den mochten die interessanten Ausführungen von Schumann, Sagmeister und Koshorst wohl abstrakt geblieben sein. Auch schaffte es das Panel nicht ganz, einen Bogen zur ersten  Diskussionsrunde zu machen, lediglich der Indievertreter beleuchtete die Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Plattenfirmen plastisch, während Simfy eindeutig die Kundenseite beleuchtete. Eines aber zeigte das Panel eindrucksvoll: Der Digitalmarkt ist in Bewegung, muss sich aber immer noch gegen die illegalen Umsonst-Modelle durchsetzen, die laut Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale NRW, bei den Nutzern immer noch sehr attraktiv seien.

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