Home » Das Urheberrecht – was ist das eigentlich?

Das Urheberrecht – was ist das eigentlich?

Johannes Nyari studiert an der Popakademie in Mannheim. Gemeinsam mit einigen Kommolitonen möchte er für die WeCab-Leser etwas Licht ins Dunkel der Urheberrechts-Debatte bringen. Wer steht für welche Position, welche Position vertreten die jungen Studenten selbst? In der ersten Folge geht es jedoch erstmal darum zu erklären, was Urheberrecht überhaupt ist und was das Gesetz eigentlich umfasst.

Das Urheberrecht

Was ist das eigentlich genau - das Urheberrecht? Ein Popakademie-Student erklärt das. Foto: Alexander Klaus

Was ist das eigentlich genau – das Urheberrecht? Ein Popakademie-Student erklärt das. Foto: Alexander Klaus

Durch die Digitalisierung und die neuen Chancen und Herausforderungen, die das Internet mit sich bringt, ist eine neue Debatte über das Urheberrecht entfacht. Die Kreativbranche möchte es mit allen Mitteln durchsetzen, Teile der Netzgemeinde fordern eine ersatzlose Abschaffung und die Politik redet von einer Modernisierung. Bei all den teils sehr hitzig geführten Diskussionen ist oft zu beobachtent man oft, dass sich viele gar nicht so sicher sind, was denn das Gesetz tatsächlich besagt, weshalb eher emotionale anstatt sachliche Argumente ins Feld geführt werden. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und ein grobes Verständnis von den verschiedenen Rechten und Lizenzen zu geben, wird hier ein genauerer Blick auf den Inhalt des Urheberrechts geworfen.

Aufbau des Urheberrechts

Das Urheberrecht steht im ersten der fünf Teile des so genannten „Urheberrechtsgesetzes und der verwandten Schutzrechte“ (UrhG). Verwandte Schutzrechte sind zum Beispiel die sogenannten Leistungsschutzrechte, die nicht den Songwriter (Komponist und Textdichter) sondern den ausübenden Künstler oder Musiker (in diesem Falle also eher Sänger, Drummer, Bassist) schützen. Das hier behandelte Urheberrecht gliedert sich in acht Abschnitte in welchen das Werk, der Urheber, der Inhalt sowie die Dauer, den Rechtsverkehr und die Schranken des Urheberrechts beschrieben werden.

Das Werk

Gleich zu Beginn wird erläutert, welche Werke denn überhaupt alles geschützt sind. Als grobe Bereiche werden Werke der Kunst, Literatur und Wissenschaft genannt, worauf eine Liste von insbesondere geschützten Werken folgt, zu denen auch die Musik gehört. Zudem ist das schutzfähige Werk als persönliche und geistige Schöpfung definiert. Das heißt im Klartext, der Urheber muss erstens ein Mensch sein und zweitens muss die Schöpfung einen Mindestgehalt an Kreativität enthalten. Schutzfähig sind damit schon einfache Melodien wie zum Beispiel der Telekom Jingle, jedoch nicht Akkorde oder Skalen, da diese keine individuelle Leistung darstellen. Bei einem selbst geschriebenen Lied muss sich also niemand Sorgen machen, dass es nicht geschützt wäre. Im Übrigen greift das Urheberrecht ab dem Zeitpunkt der Schöpfung. Das Werk muss also, um schutzfähig zu sein, nicht wie zum Beispiel im amerikanischen Urheberrecht niedergeschrieben oder aufgenommen sein. Kommt es aber zu Rechtstreitigkeiten über die Urheberschaft eines Werkes werden Beweismittel herangezogen, weshalb es durchaus sinnvoll ist, dafür zu sorgen, dass diese existieren. Dabei reicht zum Beispiel schon eine mit Datum gespeicherte Aufnahme die mit dem Handy gemacht wurde. Zusätzlich ist ein Werk bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers geschützt und vererbbar. Ist die Schutzfrist, wie zum Beispiel bei Mozart oder Wagner verstrichen, darf das Werk von jedem frei verwendet werden.

Urheberpersönlichkeitsrechte

Das Urheberrecht beinhaltet zwei Rechte: Urheberpersönlichkeitsrechte und Verwertungsrechte. Die Persönlichkeitsrechte dienen dem Schutz der persönlichen Interessen des Urhebers, und die Verwertungsrechte dem Schutz der wirtschaftlichen Interessen. Einfach gesagt bedeutet das, dass mit dem Werk genau das passieren soll was der Urheber möchte und er die Möglichkeit hat mit seiner Arbeit (nämlich seinen Werken) Geld zu verdienen. Hierbei ist zu beachten, dass der Urheber frei entscheiden kann wie er seine Werke veröffentlicht und ob er für deren Lizensierungen Geld verlangen möchte. Wenn Cro zum Beispiel entscheidet seine Single „Easy“ als Video und kostenlosen Download im Internet zur Verfügung zu stellen, ist das genau so legitim wie wenn Metallica gerichtlich gegen die (nicht gewollte) Verbreitung ihrer Werke im Internet vorgeht. Die Entscheidung, wie mit seinen Werken und Rechten umgegangen wird liegt letztendlich allein beim Urheber selbst.

Zu den Persönlichkeitsrechten gehören das Erstveröffentlichungsrecht, die Urhebernennung und der Schutz vor Entstellung. Durch das Erstveröffentlichungsrecht kann ausschließlich der Urheber bestimmen ob und wann sein Werk veröffentlicht wird. Das bedeutet, dass zum Beispiel das Hochladen eines noch nicht veröffentlichten Films eine aktive Verletzung der Urheberrechte darstellt. Zudem besteht durch die Urhebernennung das Recht auf die Anerkennung der Urheberschaft. Zum einen kann der Urheber dadurch darauf bestehen in den „Credits“ genannt wird, zum anderen kann dadurch gerichtlich gegen Plagiate vorgehen. Der Schutz vor Entstellung berechtigt den Urheber Beeinträchtigungen zu unterbieten, die seine persönlichen oder geistigen Interessen gefährden könnten. In der Musik kommt das vor allem bei Bearbeitungen von Stücken vor, die aus Sicht des Urhebers als unpassend empfunden werden. So kann sich zum Beispiel ein versierter Jazzer dagegen wehren, dass aus seiner neusten Komposition eine Ballerman Version gemacht wird, wenn er das nicht möchte.
(Anm.: Es ist hier ausdrücklich von „Bearbeitungen“ die Rede. Das setzt voraus, dass der Song ausreichend verändert wurde, gilt jedoch nicht für sogenannte „Coverversionen“. Im Fall von Heino’s umstrittenen letztem Album „Mit freundlichen Grüßen“ hätte also kein Künstler die Möglichkeit gehabt, rechtliche Schritte dagegen vorzunehmen, da sich die Stücke zu nah an das Original gehalten haben, und somit als „Coverversionen“ gegolten hätten.)

Verwertungsrechte

Die zweite Gruppe von Rechten, die ausschließlich dem Urheber zustehen, werden Verwertungsrechte genannt. Es geht dabei um die verschiedenen Nutzungs- und Verwendungsarten eines Werkes. Zum ersten ist hier die Vervielfältigung und die Verbreitung abgedeckt, also zum Beispiel das Herstellen und Kopieren von CDs und deren Vermarktung. Allerdings ist nicht nur die Vermarktung, sondern auch das kostenlose Verbreiten, wie zum Beispiel „Filesharing“ nur mit der Zustimmung des Urhebers erlaubt. Auch die öffentliche Aufführung, also Konzert ist ein Verwertungsrecht sowie die so genannte „öffentliche Zugänglichmachung“. Dieser abstrakte Begriff bezieht sich heutzutage vor allem auf das Internet. Es muss also nicht nur vor der Verbreitung, sondern auch vor dem bloßen Hochladen eines Werkes eine Erlaubnis eingeholt werden. Zusätzlich ist die Verwertung im Rundfunk (Radio und TV) und die Wiedergabe in der Öffentlichkeit durch Bild und Ton geschützt. Also müssen auch Radiosender und TV Sender zuerst den Urheber fragen, ob sieman sein Werk verwenden dürfenarf. Selbstverständlich kann der Urheber einfach seine Erlaubnis zur Nutzung seines Werkes geben, wenn er aber, wie jeder andere Mensch auch, mit seiner Arbeit Geld verdienen möchte, kann er gegen eine gewisse Gebühr Lizenzen vergeben, die so genannten Nutzungsrechte.

Nutzungsrechte

Wer darf mein Werk nutzen? Das entscheidet der Urheber selbst.

Wer darf mein Werk nutzen? Das entscheidet der Urheber selbst.

Wie diese Nutzungsrechte aussehen ist sehr unterschiedlich. Denn der Urheber kann entscheiden ob er diese Rechte exklusiv oder nicht exklusiv vergibt und ob er die Lizenzen räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränken möchte. Exklusiv bedeutet, dass das Werk nur vom Lizenzinhaber allein genutzt werden darf, wohingegen es bei nicht exklusiven Lizenzen mehre Lizenzinhaber geben kann. Ebenso kann der Urheber sein Werk für verschiedene Nutzungsarten wie zum Beispiel TV Sendungen, Liveauftritte oder Online lizensieren, die Nutzung auf eine bestimmte Zeitspanne oder ein bestimmtes Gebiet begrenzen. Beispielsweise könnte der Urheber einem Radiosender in Baden-Württemberg für eine Woche die exklusive Lizenz geben seine neue Hitsingle vor der Veröffentlichung zu spielen.

Die Rolle von Verwertungsgesellschaften und der Verlage

Da tagtäglich auf der ganzen Welt Werke auf die verschiedenste Art und Weise genutzt werden wollen, wäre es für den Komponisten oder Texter sehr mühsam mit jeden einzelnen Verhandlungen zu führen. Da er sich auf das Musikmachen konzentrieren will, nimmt er die Dienste eines Verlages oder einer Verwertungsgesellschaft (z.B. GEMA) in Anspruch. Obwohl der Umfang von Nutzungsrechten frei gestaltet werden kann, haben Verwertungsgesellschaften standarisierte Lizenzen für verschiedene Nutzungsarten, um Lizensierungen einfacher zu gestalten. So gibt es also feste Lizenzen für Veranstalter, Clubbesitzer, Streamingdienste, Radiosender und alle anderen Verwerter, die abhängig vom Ort und Umfang der Verwendung sind.

Verlage machen im Prinzip dasselbe, sie konzentrieren sich jedoch auf andere Bereiche und führen individuelle Verhandlungen. Oft hört man, dass Verlage und Verwertungsgesellschaften unnütz seien und nur sich nur vom Geld vom Urheber und der Verwerter bereichern wollen. Dazu soll hier erwähnt werden: Jeder Urheber kann frei entscheiden ob er die Dienste dieser Institutionen in Anspruch nimmt oder nicht. Er kann sich jeder Zeit entscheiden seine Verwertungsrechte selbstständig zu lizensieren. Ob man das nötige Know-how und vor.allem. die zeitlichen Ressourcen dafür hat, muss jeder selbst abwägen.

Wer sich tiefer mit der Materie beschäftigen will

In diesem Artikel wurden nur die Basics des Urheberrechts erklärt, die dazu dienen, einen Überblick über dessen Funktionsweise zu schaffen. Empfohlen werden kann jedem, der sich mehr mit der Materie auseinandersetzen will einen B

lick in das Gesetz zu werfen. Es sieht erschreckender aus als es eigentlich ist. Zudem findet man auf dem Online Portal der FAZ im Feuilleton eine hervorragende Sammlung an Artikeln über die Debatte. Am wichtigsten ist es jedoch aktiv mit anderen über das Thema zu reden und sich gegenseitig auszutauschen. Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft und ermöglicht dem Kreativen seine Kunst auszuführen, was wiederum zu einer kulturellen Vielfalt führt von der Alle profitieren. Wer seine Kunst aus ideellen Gründen frei zur Verfügung stellen möchte kann das jederzeit tun und verdient großen Respekt. Allerdings muss man auch diejenigen berücksichtigen die das eben nicht tun, und für ihre kreative Arbeit vergütet werden möchten. Fordert man eine Reform des Urheberechts geht das allerdings nur wenn man alle beteiligten Parteien an einen Tisch holt und nach einem für alle akzeptablen Kompromiss findet.